Wellen statt gerade Linien schneiden

Wellen statt gerade Linien schneiden

Gefäss: 
Das Zuschneiden von Sicherheitsglas ist schwierig und setzt Grenzen, denn mit den gängigen Verfahren sind nur gerade Schnitte möglich. Forscher des deutschen Fraunhoferinstituts haben eine Methode entwickelt, mit der sich das Glas zum Beispiel auch wellenförmig schneiden lässt.
 
Die innen liegende reissfeste Folie macht das Glas unflexibel und erlaubt nur gerade Schnitte. Dabei werden die beiden aussen liegenden Glasscheiben erst angeritzt und dann gebrochen. Anschliessend wird die Bruchlinie über Infrarotstrahler erhitzt. Durch die Wärme wird die Folie weich und die Hälften werden mit Kraft auseinandergezogen bis ein Messer durch den Spalt geführt werden kann. Sind dennoch ausgefallene Fenster vorgesehen, wird Sicherheitsglas in Handarbeit angeritzt und aufgetrennt. Der so entstehende Spalt ist allerdings jedoch zu schmal um mit einem Messer auch die Folie durchzutrennen. Um dies zu dennoch zu ermöglichen, braucht es Hitze: Spiritus wird auf dem Spalt angebracht und angezündet. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik (IWM) in Freiburg haben mit dem Anlagenhersteller für Flachglasverarbeitung Hegla nun ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich diese gefährliche Prozedur umgehen läst.
 
 
„Wir schneiden die innen liegende Folie, bevor wir das Glas ritzen und auseinanderbrechen“, erklärt Wissenschaftler Tobias Rist vom IWM. „Dazu verwenden wir einen Laserstrahl, der beliebig über die Scheibe geführt werden kann. Wir können daher auch ungewöhnliche Geometrien schneiden.“ Bei der neuen Methode durchdringt der Laserstrahl das Glas und gibt seine Energie hauptsächlich in der Folie ab. Dabei wird diese weit erhitzt, dass sie schmilzt und verdampft. Dies wiederum erzeugt einen Kanal und trennt damit die Folie örtlich auf. Ist die Folie einmal in Form geschnitten, kann das Glas parallel zum entstandenen Folienkanal angeritzt und gebrochen werden. Dieses Verfahren könne gut automatisiert und im industriellen Massstab eingesetzt werden, so Rist. In einem weiteren Schritt arbeiten die Forscher nun daran, das Verfahren noch schneller zu machen und somit die Taktrate zu erhöhen. (mai/mgt)