Weiche für Lausannes Museumsviertel gestellt

Weiche für Lausannes Museumsviertel gestellt

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Während das Kunsthaus Zürich auf einen Erweiterungsbau setzt, setzt man in Lausanne gleich auf ein ganzes neues Museumsviertel mit drei Museen. Eines davon ist das neue Kunstmuseum aus der Feder des spanischen Büros Barozzi Veiga. Dieser Tage sprach der Grosse Rat die Kredite für die erste Etappe.

Das Museumsviertel "Pôle Muséal" westlich des Bahnhofs Lausanne ist ein äusserst ambitioniertes Projekt, weil hier sowohl das kantonale Kunstmuseum (Musée cantonal des Beaux-Arts) als auch das Fotomusuem (Musée de
l'Elysée) und das Design-Museum (mudac) neu untergebraht werden sollen.  Auf dem Gelände der alten Lokomotiv-Halle der SBB ist ein 144 Meter langes, 20 Meter breites und 22 Meter hohes Gebäude für das Kunstmuseum geplant, für seine Architektur zeichnet das spanische Büro Barozzi Veiga verantwortlich. Der Bau des Museums oder vielmehr die erste Etappe kostet total 83,5 Millionen Franken, wovon 34 Millionen Franken von Privaten beigesteuert werden sollen. Dieser Betrag ist allerdings noch nicht gesichert. -  Bisher kamen von privaten Spendern rund 26 Millionen Franken zusammen. Das Waadtländer Kantonsparlament bewilligte gestern fast einstimmig mehrere Kredite von insgesamt 43,5 Millionen Franken. Bloss der Energieverbrauch des Gebäudes führte zu einigen Diskussionen. Später wird ein zweites Gebäude geplant, über dessen Finanzierung später entschieden wird. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf 183,5 Millionen Franken veranschlagt.
 
Wie Direktor Bernard Fibicher auf Anfrage erklärte, bedeutet das neue Gebäude für das Kunstmuseum einen Quantensprung. Denn seit 1906 befindet sich das Kunstmuseum im Palais de Rumine an der Place de la Riponne im Stadtzentrum, wo es keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Die rund 10'000 Werke der Sammlung können deshalb nur in Wechselausstellungen gezeigt werden - mit dem Neubau wird sich dies ändern. Wie Fibicher erklärt soll einer der Schwerpunkte der Dauerausstellung 54 Vallotton-Bilder sein. Zudem soll alle zwei Jahre "ein grosser Name" präsentiert werden.


Erstes Museum in Ouchy versenkt


Lausanne plant nicht zum ersten Mal ein neues Kunstmuseum. Ursprünglich wollte man für knapp 70 Millionen Franken am See bei Ouchy ein neues errichten. Das Projekt erlitt jedoch Ende 2008 an der Urne Schiffbruch. Wohl unter anderem auch, weil die Gegner in Landschaftsschützer Franz Weber eine prominente Unterstützung gefunden hatten. Während Weber dieses Mal nichts gegen das Projekt opponiert hat. Dennoch regt sich sich unter den Anwohnern des Bahnhofs Lausanne Widerstand gegen die neue Ausstellungsstätte: Unter anderem monieren sie,  dass mit der alten Lokomotivhalle ein als erhaltenswert eingestuftes Bauwerk abgebrochen wird. Zurzeit ist beim Bundesgericht eine Einsprache gegen den Nutzungsplan hängig. Ein Entscheid wird im August erwartet.


Lausanner Stadtpräsident zuversichtlich


Doch auch dann wird schlimmstenfalls nicht das letzte Wort gesprochen sein. Je nachdem, wie der Grosse Rat entscheidet, wollen die Gegner ein Referendum ergreifen. Auch gegen die noch nicht öffentlich aufgelegte Baubewilligung kann noch Einsprache erhoben werden. Doch dies beeindruckt den Lausanner Stadtpräsidenten Daniel Brélaz nicht. Mit dem heutigen Entscheid sei der Zug aufgegleist, es müsse schon zu einem kapitalen Unfall kommen, damit er nicht in den Bahnhof einfahre, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Nach dem fast einstimmigen Entscheid des Parlaments habe es ein Referendum schwer, schätzt Brélaz. (mai/sda)