Wasserkraft bedroht Artenvielfalt

Wasserkraft bedroht Artenvielfalt

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Der globale Ausbau der Wasserkraft bedroht die artenreichsten Gewässer der Erde. In einer internationalen Studie weisen Wissenschaftler darauf hin, dass der ökonomische Nutzen von Staudämmen häufig über-, die Konsequenzen für Artenreichtum hingegen unterschätzt werden.

Wissenschaftler und Experten von der Universität Tübingen haben in einer internationalen Studie Daten zu den Flüssen Amazonas, Mekong und Kongo ausgewertet. Die Gewässer gehören zu den artenreichsten der Erde. Es ging darum, die Auswirkungen von Staudämmen auf die Artenvielfalt zu untersuchen. Laut einer Mitteilung sind die Autoren zum Schluss gekommen, dass der wirtschaftliche Nutzen häufig höher gewertet wird, als er tatsächlich ist. Die langfristigen Folgen für den Artenreichtum und die Fischerei in den drei Flüssen werde hingegen unterschätzt.

Noch sind Mekong, Amazonas und Kongo weitgehend unbebaut. Aber laut Mitteilung ist die Errichtung von mehr als 450 grossen Staudämmen geplant. Die Forscher sind überzeugt, dass die Realisierung nicht nur soziale Auswirkungen wie die Umsiedlung der ansässigen Bevölkerung hätte. Die besten Stellen für die Elektrizitätsgewinnung seien nämlich zugleich Gebiete, die eine einmalige Artenvielfalt aufwiesen. Demzufolge bestehe die akute Gefahr, dass grosse Dämme den Fischreichtum reduzieren und Hindernisse für wandernde Fische darstellen würden. Christine Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen sagt: „Das kann Fischpopulationen trennen und deren Lebenszyklen unterbrechen.“ Denn Staudämme schränkten die natürliche Dynamik eines Flusses ein und schafften somit einheitlichere und unproduktivere Lebensräume. Dies reduziere nicht nur den Artenreichtum, sondern beeinträchtige auch die Fischerei und die von der Dynamik des Gewässers abhängige Landwirtschaft.

Deshalb fordern die Studienautoren überregionale Analysen zur Risikoeinschätzung bei Dammbauten, die sowohl soziale als auch ökologische Prozesse und ihre Wechselwirkungen berücksichtigen. Denn immerhin leben in den tropischen Einzugsgebieten der untersuchten Gewässer mehr als 4000 Süsswasserfischarten – knapp ein Drittel aller dieser Arten auf dem Erdball, und viele gibt es sogar ausschliesslich dort. (mt/pd)