Vor allem Agglomerationen leiden unter der Zersiedlung

Vor allem Agglomerationen leiden unter der Zersiedlung

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Die Schweiz ist auch weiterhin von der Zersiedlung bedroht. Dies gilt vor allem für kleine Gemeinden und relativ gut erreichbare Agglomerationen. Ursachen für diese Entwicklung sind neben anderem der Verkehr aber auch die Zunahme der Einpersonenhaushalte. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Schweizerischen Nationalfonds.

​Seit den 1950er-Jahren schreitet die Zersiedlung voran. Der Trend zu mehr Bodenverbrauch dürfte - wenn auch abgeschwächt -  bis Mitte dieses Jahrhunderts anhalten. Den Ursachen für diese Entwicklung ging eine Forschungsgruppe um Felix Kienast von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)  im Rahmen des des Nationalen Forschungsprogramms „Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden“ (NFP 68) auf den Grund.

Dabei zeigte eine statistische Analyse verschiedener Datensätze zur Bodennutzung und zur sozio-ökonomischen Entwicklung, dass das Bevölkerungswachstum nicht der alleinige Treiber für die Zersiedlung ist. Einen bedeutenderen Einfluss hat den Wissenschaftlern zufolge die Zunahme der Einzelhaushalte. Überdies wirkt sich auch die Erreichbarkeit einer Gemeinde für den Verkehr aus: Hat die Verstädterung einmal ein bestimmtes Ausmass erreicht, begünstigt die verkehrstechnische Erreichbarkeit die Verdichtung und letztlich aber auch die Zersiedlung. Somit leiden zurzeit hauptsächlich die relativ gut erreichbaren, aber noch nicht stark verstädterten Agglomerationsgemeinden unter der Zersiedlung.

Grösse der Gemeinden beeinflusst Zersiedlung

Eine weitere Ursache für die Zersiedlung ist die Art und Weise, wie Gemeinden mit der Raumplanung umgehen und wie sie die entsprechenden Instrumente anwenden. Dazu haben die Forscher bei den Schweizer Gemeinden eine Umfrage durchgeführt, die von rund zwei Dritteln beantworteten wurde. Sie zeigte, dass in vielen kleinen Gemeinden die administrative Last der Planungsaufgaben auf den Schultern der Gemeindeschreiber liegt. Im Gegensatz dazu haben grössere Orte oft eine entsprechende Abteilung, die auch Planungsaufgaben übernimmt. Daher können grössere Gemeinden meist viel besser als kleinere neue, komplexe Planungsinstrumente anwenden oder Sondernutzungspläne mit städtebaulichen Anforderungen einsetzen.

Zudem macht die Umfrage deutlich, dass Zentren und Agglomerationen unter hohem Siedlungsdruck striktere Raumplanungsmassnahmen ergreifen als kleine und periphere Gemeinden. Dies gilt etwa für die Beschränkung von Einfamilienhausquartieren oder für die Koordination der Zonen mit der Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Die aktiveren unter den kleinen Gemeinden setzen zudem vermehrt auf Massnahmen gegen die Baulandhortung oder sie wenden minimale Nutzungsziffern an, um für eine kompaktere Siedlungsfläche zu sorgen.

Regional koordinieren

Die Analysen der Wissenschaftler machen klar, dass Gemeinden nicht isoliert betrachtet werden sollten. Dies, weil sich raumplanerische Massnahmen und die Entwicklungen einer Gemeinde immer auch auf ihre Umgebung auswirken. Die Empfehlungen der Forscher: Damit Instrumente gegen die Zersiedlung effektiv eingesetzt werden können, braucht es eine starke regionale Koordination der Massnahmen. Zudem sind die Wissenschaftler der Ansicht, dass kleine Gemeinden mit geringer Planungskapazität professionelle Unterstützung brauchen, beispielsweise in einem Planungsverbund. (mai/mgt)