Von der Grossstadt zur Metropole

Von der Grossstadt zur Metropole

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Teaserbild-Quelle: Bild: Marcel Müller
Die Metropole Zürich hat internationale Ausstrahlung. Sie zieht Unternehmen und neue Bewohner an und fordert die Siedlungsplaner. Demgegenüber kämpft Schaffhausen gegen Mittelmässigkeit.
 
 
Der Metropolitanraum Zürich1) ist die wirtschaftliche Lebensader der Schweiz. Fast zwei Millionen Menschen wohnen hier, und mit den 900 000 Arbeitsplätzen werden nahezu 40% der schweizerischen Wertschöpfung erwirtschaftet. Die Krise 2009 konnte der Wirtschaftskraft nicht zusetzen. Der Finanzsektor als wichtigster Zweig ging gemäss der Studie «Finanzplatz Zürich 2010» sogar gestärkt aus der Rezession heraus, obschon sich der Gärstoff der Krise genau in diesem Bereich gebildet hatte. Jeder dritte Wertschöpfungsfranken des Finanzsektors wird heute in der Region Zürich2) verdient. Zusammengerechnet sind das 40 Milliarden Franken oder 31% des Bruttoinlandprodukts (2009: 28%), wobei der Anteil der Stadt Zürich bei einem Drittel liegt.

Wirtschaftliches Ballungszentrum

Die Metropole zeigt internationales Format. Bezogen auf Faktoren wie Infrastruktur, Bildung, Produktivität, Lohn und Steuern beweist Zürich im weltweiten Ranking hohe Attraktivität. Das verdeutlicht das «Standortmonitoring Wirtschaftsraum Zürich3) 2010» der Credit Suisse. Aufgrund der guten Rahmenbedingungen erhöhte sich die Beschäftigung zwischen 1995 bis 2008 um 12%, während der schweizerische Schnitt des Beschäftigungswachstums bei 10% lag. Dank jetzt anziehender Konjunktur und aktivem Standortmarketing wird Zürich voraussichtlich an diesen Erfolg anknüpfen. Dabei kann die Metropole mit viel Lebensqualität aufwarten. Gemäss Mercer-Skala 2010 belegt sie hinter Wien und vor Genf den 2. Platz.

Durch die Personenfreizügigkeit begünstigt, ist gemäss CS «eine rekordhohe Zahl von Personen im Erwerbsalter in den vergangenen Jahren aus europäischen Ländern in den Wirtschaftsraum Zürich umgezogen». Diese Zuwanderung hätte aber die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt nicht zu beheben vermocht. Das statistische Amt des Kantons Zürich weist zwischen 2000 und 2006 eine Zunahme der Bevölkerung um jährlich 8000 bis 15 000 Personen aus. Mit der Einführung der uneingeschränkten Personenfreizügigkeit seit 2007 erhöhte sich das jährliche Wachstum auf ein
Niveau von 18 000 bis 26 000 Personen.

Neue High-Tech-Industrie

Dabei hat die Region einen schmerzhaften Umbruch hinter sich. In den 60er- und 70er-Jahren wanderten in Zürich und Schaffhausen zahlreiche Industriebetriebe der Sektoren Metallverarbeitung, Textil und Nahrungsmittel ins Ausland ab. Eine neue, wissensintensive Industrie vor allem der Bereiche Elektrotechnik, Informatik, Chemie und Pharmazie zog nach. Aus dieser Zeit des wirtschaftlichen Strukturwandels geerbt wurden Industriebrachen, die für neue Arbeits- Wohn- und Kulturzentren genützt werden können.

Von einer solchen Verdichtung der Siedlungsgebiete profitiert die Bauwirtschaft. Besonders stark wächst gemäss Studien die Beschäftigung in den Agglomerationen rund um die Städte Zürich und Winterthur. Ebenso gehören die Glatttaler und Limmattaler Gemeinden zu den pulsierenden Regionen, in die seit neuerem auch städtische Unternehmen aus Platz- und Kostengründen ziehen. In Zürich-West hingegen scheint die Siedlungsverdichtung bald eine Grenze erreicht zu haben.

Anspruchsvolle Planung

Die Baukonjunktur hat sich nach einem sehr starken 2008 im Krisenjahr 2009 auf hohem Niveau gehalten, um dann 2010 erneut auf einen Höchstwert zu klettern. Allein zwischen 2003 und 2008 entstanden gemäss statistischem Amt des Kantons Zürich 35 000 zusätzliche Wohnungen mit über fünf Millionen Quadratmetern Wohnfläche. Der Leerwohnungsbestand bewegte sich in dieser Zeit auf tiefen 0,5% und vermochte die Nachfrage bis heute nicht zu befriedigen.
Im Entwurf des überarbeiteten kantonalen Richtplans setzt sich die Zürcher Regierung gezielt für eine Siedlungsentwicklung nach innen ein. Zusätzlich sind Stadt und Kanton konsequent als Teil der Metropolitanregion Zürich konzipiert. Der Regionalplanentwurf ist noch bis am 15. April öffentlich aufgelegt und geht danach zurück an den Regierungsrat. 2012 wird sich die zuständige Kommission des Kantonsrats weiter mit dem Entwurf befassen.

Bald ein grauer Moloch?

Seit 1990 sind 200 000 neue Bewohner in den Kanton Zürich geströmt. Mittlerweile leben 1,35 Millionen Menschen in Zürich, und Studien rechnen mit einem weiteren Zuwachs auf über 1,5 Millionen Einwohner im Jahr 2030. Baudirektor Markus Kägi versicherte im Tages-Anzeiger, dass für die nächsten 20 Jahre noch genügend Bauland eingezont sei. Zudem wird die Region nicht zu einem übervölkerten, grauen Moloch mutieren: «Der Kanton Zürich soll sein Gesicht behalten, mit all seinen Runzeln.»

In der Stadt Zürich indessen, deren Grossstadt-Flair auf viele anziehend wirkt, ist freies Bauland rar. Das Amt für Städtebau setzt deshalb vor allem auf Verdichtung der bestehenden Siedlungen und rechnet in einem «realistischen Szenario» vor, dass neu 6 Millionen Quadratmeter Nutzungsfläche für 55 000 Einwohner geschaffen werden könnte. Das «maximale Szenario» geht von 150 000 zusätzlichen Menschen aus. Dazu müssten, auf der Grundlage des Bauzonenreglements aus dem Jahr 1999, Gebäudehöhe und Ausnutzungsziffer überall voll ausgereizt werden. Ende 2010 lebten in der Stadt Zürich 385 000 Einwohner, 0,7% oder 2600 mehr als im Vorjahr.

Visionen und Missstände

Bei gewissen Planern wecken solche Aussichten raumplanerischen Ehrgeiz. So stellte vor kurzem ein Team von mehreren Architekturbüros die Vision vor, das Glatttal zu einer Grossstadt zu entwickeln. Heute leben in diesem Gebiet zwischen Kloten und Uster 150 000 Menschen, dereinst könnten 400 000 Einwohner Platz finden. Im Glatttal, das zweifellos ein beträchtliches Entwicklungspotenzial birgt, wurde am 12. Dezember 2010 die dritte und vorerst letzte Etappe der Glatttalbahn abgeschlossen.

Andere, hauptsächlich politisch motivierte Kreise rücken die Verlierer der dynamischen Entwicklung ins Blickfeld. Während Topmanager für eine Monatsmiete mehrere Tausend Franken hinblättern können, werden vor allem die Stadt Zürich und die Seegemeinden selbst für den Mittelstand zum teuren Pflaster. Beispielsweise rechnet die NZZ vor, dass im Kreis 3 am Idaplatz 50 bis 70 Quadratmeter grosse Wohnungen für 3500 Franken vermietet werden. Und an der Weststrasse, die jahrelang als eine der unattraktivsten Wohnlagen Zürichs galt, werden Eigentumswohnungen für 960 000 Franken (63 Quadratmeter/Erdgeschoss) bis 2,9 Millionen (194 Quadratmeter/Attikawohnung) feilgeboten. Parteien fordern deshalb unter anderem mehr gemeinnützige Wohnungen und solche speziell für Familien und Senioren.

Die Stadtregierung versucht, die hängigen Vorstösse in einem Gegenvorschlag zu kanalisieren. Darin  wird die Gründung einer Stiftung vorgeschlagen, die für 105 Millionen Franken kostengünstige Wohnungen für sozial Schwächere
bereitstellt. Ziel ist, beispielsweise eine kleine 4-Zimmer-Wohnung von höchstens 97 Quadratmetern mindestens drei Personen für unter 2000 Franken Monatsmiete zur Verfügung zu stellen.

Preise sollen weiter steigen

Die dynamische wirtschaftliche Entwicklung, der damit verbundene Bevölkerungszuwachs und das seit Jahren knappe Wohnungsangebot werden auch künftig die Bautätigkeit im Kanton Zürich auf hohem Niveau halten. Für 2011 sagt die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel der Region (inklusive Aargau) ein Wachstum der realen Bauinvestitionen um 2,2% voraus, danach soll bis 2016 das hohe Investitionsvolumen gehalten werden können. Dabei kommt dem Wohnbau ein bedeutendes Gewicht zu, während der Infrastruktur- und Betriebsbau im schweizerischen Vergleich eine geringere Bedeutung hat.
 
Bereits in den vergangenen Jahren hat sich Zürich durch eine hohe Bautätigkeit ausgezeichnet. Im Boomjahr 2004 schnellten die Bauaufwendungen um gut 10% hoch, bei einem schweizerischen Durchschnitt der Schweiz von 5%.
Danach kam es bis 2007 zu einer leichten Korrektur, die konträr zur durchschnittlichen schweizerischen Entwicklung lief. Seit 2008 sind die Aufwendungen vergleichsweise überdurchschnittlich. Das starke Wachstum der Region wird gemäss BAK Basel die Immobilienpreise weiter hochtreiben. Verschiedene Experten warnen allerdings, am Zürichseeufer sei der Immobilienmarkt gefährlich aufgeheizt. Seit 2005 stiegen hier die Preise gemäss dem Immobilienberatungsunternehmen IAZI um 30 bis 40%. Für eine Villa an der Zürcher Goldküste werden schon mal 40 Millionen Franken lockergemacht. Demgegenüber setzen sich Planer vor allem am linken Seeufer dafür ein, auf dem knapper werdenden Bauland vermehrt auch Hochhäuser zu bauen.

Schaffhausen will wachsen

In Schaffhausen mit seinen knapp 35 000 Arbeitsplätzen und 76 000 Bewohnern verlief die wirtschaftliche Entwicklung weniger dynamisch. Zwar nimmt der Kanton im Standortmonitoring der Credit Suisse den guten 6. Rang ein. Doch eben: Zürich ist vor Aargau und nach Zug auf Platz 2 positioniert. Die Beschäftigung wuchs in Schaffhausen zwischen 1995 bis 2008 insgesamt 8%. Der schweizerische Durchschnitt lag im Vergleich dazu bei 10%. Mit einem Anteil von fast zwei Dritteln dominiert der Dienstleistungssektor. Das Bevölkerungswachstum lag 2007 und 2008 nahe beim schweizerischen Mittel von 1,1 und 1,4%. Für die nächsten zehn Jahre prognostiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) jedoch nur noch eine jährliche Zunahme von 0,3%. Der schweizerische Durchschnitt indessen soll bei 0,8% liegen.

Zusätzlich zu diesen verhaltenen Aussichten förderte eine Studie der Universität St. Gallen zutage, dass Thurgau mit der kantonalen Steuerreform 2010 den Schaffhauser Fiskus hinter sich gelassen hat. Finanzdirektorin Rosmarie Widmer Gysel will aber dem Nachbarkanton Stirn bieten. In den Schaffhauser Nachrichten legte sie dar, Schaffhausen wolle mit der für 2011 geplanten Revision den seit 2000 rückläufigen Steuerfuss noch weiter senken.

Aggloprogramm weckt Hoffnung

Den zurückhaltenden Prognosen will Schaffhausen gegensteuern und neue Einwohner und Unternehmen anlocken. Um seine hohe Standortqualität zu halten, wird die Verkehrssituation optimiert. Das Agglomerationsprogramm (2007) geht von einem jährlichen Verkehrszuwachs von zwei Prozent bis 2020 aus. Im Oktober 2010 ist bereits die Miniautobahn A4 zwischen Andelfingen und Fluringen eröffnet worden, die Schaffhausen mit Winterthur, Zürich und dem Flughafen verbindet. Baudirektor Reto Dubach erwartet vom 11 Kilometer langen und 140 Millionen Franken teuren Ausbau einen wirtschaftlichen Impuls. Weiter hofft er auf die Beseitigung von Engpässen in der Stadt Schaffhausen und rund um Winterthur.

Im öffentlichen Verkehr wird die Strecke Schaffhausen-Zürich dank Doppelspurausbau Ende 2012 im Halbstundentakt bedient. Der Ausbau der
S-Bahn für die Stadt Schaffhausen liegt dem Kantonsrat vor, wobei das letzte Wort das Volk haben wird. Die Bahn könnte in der Agglomeration die Bautätigkeit ankurbeln, beispielsweise in Beringen. Im jetzigen Niemandsland ist dort ein neuer Bahnhof geplant. Nahe der Haltestelle befinden sich 60 000 Quadratmeter freies Bauland für Wohnungen und 100 000 Quadratmeter für Industrie.

Bauboom in der Stadt

Schaffhausen selbst erlebte 2010 einen Bauboom: Während in den Jahren 2000 bis 2009 noch durchschnittlich 74 Wohnungen bezugsbereit wurden, lag diese Zahl 2010 bei 164 neuen Wohnungen. Dabei hält der positive Trend an: 442 Wohnungen sind im Bau, bewilligt oder geplant. Nebst den tiefen Hypothekarzinsen bewertet Stadtpräsident Thomas Feurer dies in den «Schaffhauser Nachrichten» auch als Erfolg der Verwaltung: «Wir schauen, dass die Bewilligungsverfahren schnell abgewickelt werden können, und auch bei der Verflüssigung des Baulandes versuchen wir, Gas zu geben.»
 
Urs Rüttimann
 
¹) Zur Metropolitanregion Zürich gehören gemäss Definition des Bundesamtes für Statistik die Agglomerationen Zürich, Winterthur, Baden/Brugg, Lenzburg, Wohlen, Rapperswil/Jona/Rüti, Wetzikon/Pfäffikon, Lachen, Zug, Schaffhausen, Frauenfeld sowie die Einzelstadt Einsiedeln. 2) In die Studie einbezogen sind Banken, Versicherungen und übrige Finanzdienstleister der Kantone Zürich, Schwyz und Zug. ³) Der Wirtschaftsraum Zürich umfasst die Kantone Zürich, Zug, Schwyz, Schaffhausen, Aargau, Thurgau, Glarus, St. Gallen, Graubünden, Solothurn und Luzern.
 
 

Nachgefragt


... bei Walter Schenkel, Politologe und Geschäftsführer des Vereins Metropolitanraum Zürich.
 

Die Wirtschaft von Zürich wächst, immer mehr Leute möchten sich in der Stadt oder Agglomeration niederlassen. Wie versucht die Metropolitankonferenz Zürich, den Ansturm zu koordinieren?
Die Wachstumsprognosen gelten gemäss Bundesamt für Statistik generell für die grossen Metropolitanräume der Schweiz (Zürich, Basel, Genf/Lausanne). Es ist deshalb wichtig, dass alle Staatsebenen, das heisst, Bund, Kantone und Gemeinden, eine gemeinsame Agglomerations- und Metropolitanpolitik entwickeln. Ein zentraler Punkt dürfte die Zusammenarbeit über die Gemeinde-, Stadt- und Kantonsgrenzen hinweg sein.
Eine gewisse Vorreiterrolle hat hier der Metropolitanraum Zürich eingenommen. Acht Kantone und über 100 Städte und Gemeinden haben sich im Verein Metropolitanraum Zürich organisiert, um gemeinsam eine kohärente Siedlungs-, Verkehrs-, Landschafts- und Wirtschaftspolitik zu entwickeln. Es werden jene Herausforderungen angegangen, die den Metropolitanraum als Ganzes betreffen. Dazu zählt der Umgang mit dem prognostizierten Wachstum in diesem Raum. Es geht nicht darum, in die kantonalen und kommunalen Hoheiten eingreifen zu wollen. Die Koordination der Richt- und Nutzungsplanungen und die Wahrnehmung der Handlungsspielräume für Verdichtung dürften hier eine Schlüsselfunktion haben. Auf der Basis eines gemeinsamen politischen und gesellschaftlichen Verständnisses für den Metropolitanraum könnten beispielsweise die kommunalen und kantonalen Entwicklungsstrategien mit übergeordneten Entwicklungskonzepten (regional, national) besser aufeinander abgestimmt werden.
 
Eine massive Entwicklung wird für das Glatttal vorausgesagt. Entsteht in diesem Gebiet eine neue Stadt mit vielfältigen Kultureinrichtungen?
Das Glatttal, aber auch andere Gebiete wie das Limmattal haben viel Potenzial, um sich nachhaltig zu entwickeln. Auch hier erscheint mir die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und Städten, aber auch die übergeordnete Entwicklungsstrategie des Kantons Zürich wichtige Einflussfaktoren zu sein. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn zwischen solchen Wachstumsregionen und der Kernstadt eine engere Zusammenarbeit entsteht. Gerade kulturelle und andere Einrichtungen oder auch die Durchführung von Grossveranstaltungen müssen nicht unbedingt alle in der Stadt Zürich konzentriert sein. Mit einer gemeinsamen Strategie könnte die Agglomeration Zürich als Ganzes gestärkt werden.

Viele Zürcher klagen über die teuren Mieten, die sie aus der Stadt und Agglomeration vertreibe. Wird die Metropole zum Wohnort für Reiche?
Diese Gefahr besteht tatsächlich, zumal neben dem Bevölkerungswachstum auch die Wohnfläche pro Person weiter ansteigt. Auf der anderen Seite gibt es langfristige Tendenzen, dass sich die Gesellschaft wandeln wird. Kurz: Wir werden älter, weniger und bunter. Dies wird einen Einfluss auf die Nachfrage nach Wohnen haben. Auch die Wohnangebote werden sich längerfristig darauf einstellen müssen. Es ist wichtig, dass Politik und Wirtschaft nicht allein kurzfristige Ziele verfolgen, sondern langfristig denken. Eine durchmischte Stadt beziehungsweise Agglomeration, mit einer Vielfalt an Wohnangeboten, ist volkswirtschaftlich nachhaltiger als eine «Stadt beziehungsweise Agglomeration der Reichen».
 
Welche Rolle kommt den Wohngenossenschaften zu?
Gerade in Stadt und Agglomeration Zürich haben die Wohngenossenschaften eine sehr wichtige Funktion. Sie sind in der Lage, Wohnraum zu einigermassen moderaten Preisen anzubieten. Zudem können sie sich auf langfristige Trends besser einstellen, weil sie weniger auf kurzfristige Marktentwicklungen angewiesen sind. Obwohl es preisgünstige Familienwohnungen immer brauchen wird, dürften auch andere Angebote an Bedeutung gewinnen, so zum Beispiel das Ermöglichen von «Aging in Place», flexible Wohnangebote für sehr junge Leute beziehungsweise Auszubildende und Angebote für einen urbanen und ökologisch ausgerichteten Mittelstand. Zudem gilt, dass in Zukunft die Wohngenossenschaften nicht allein «ein Dach über dem Kopf» anbieten, sondern zunehmend auch einen von den Bewohnerinnen und Bewohner nachgefragten Lebensstil repräsentieren müssen. Hier besteht viel Potenzial, gerade in urbanen Gebieten.
(ur)