Vom Polierverein zu Baukader Schweiz

Vom Polierverein zu Baukader Schweiz

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Teaserbild-Quelle: 2002 bis 2008
Wo tollkühne Artisten und tapsige Clowns ihre Nummern zeigen, gaben sich die Verantwortlichen von Baukader Schweiz ihr Stelldichein. Im Zirkus Monti in Zofingen begingen sie den Auftakt zu ihrem Jubeljahr: 100 Jahre Baukader Schweiz.
 
 
tst
Quelle: 
2002 bis 2008
Vier Baukader-Präsidenten feierten den Auftakt zum Jubeljahr (vl): Oswald Grand (1990 bis 1994), Ernst Stebler (1994 bis 2002), Adrian Hässig (ab 2008), Gerhard Fischer
 
Es müssen harte Zeiten auf dem Bau gewesen sein, damals im anbrechenden 20. Jahrhundert. Mitspracherecht gab es praktisch keins, was der Patron befohlen hatte, wurde ausgeführt. Als die Maurer, Handlanger und Poliere für die Einführung des 10-Stunden-Arbeitstages sowie für höhere Löhne warben, sahen die Arbeitgeber ihr vermeintliches finanzielles Ende kommen. Um ihren Interessen mehr Gewicht zu geben, gründeten zwanzig Poliere 1905 in Basel den ersten Polierverein der Schweiz. In rascher Folge entstanden Ableger in Zürich, Bern, St. Gallen, Rorschach und Winterthur. 1911 erfolgte dann der Zusammenschluss auf eidgenössischer Ebene zum Schweizerischen Polierverein, dem Vorgänger von Baukader Schweiz.
 

Elefanten-Runde im Zirkuszelt

Seit über hundert Jahren nimmt Baukader Schweiz nun die Interessen seiner Mitglieder war und hat sich in dieser Zeit zur einzigen Schweizer Berufsorganisation für alle Kader im Bauhauptgewerbe entwickelt. Zum ersten Festanlass in diesem Jubeljahr trafen sich die Verantwortlichen in der Manege des Zirkus Monti in Zofingen. Ebenfalls anwesend waren drei ehemalige Präsidenten und der neue Obmann Adrian Hässig.
Oswald Grand (Präsident 1990 bis 1994) erinnerte daran, dass er bei seiner Amtsübernahme einen Verein mit einem „schlechten Ruf“ angetroffen hatte. Wichtig war ihm, dass Baukader Schweiz schnellstmöglich wieder ein Image kriegte, auf das die Mitglieder stolz sein konnten. Mit der Anstellung eines neuen Generalsekretärs und den folgenden Lohnverhandlungen waren die wichtigsten Weichen gestellt. Grand ist im Übrigen ein Urgestein in der Polierszene, von 1964 bis zum Ende seines Präsidiums 1994, gehörte er der Delegation an, die Lohnverhandlungen mit dem Baumeisterverband führte. Ebenfalls in seine Amtszeit fiel der Umzug des Sekretariats von Zürich nach Olten.
Ernst Stebler (1994 bis 2002) rückte während seiner achtjährigen Amtszeit vor allem die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder in den Vordergrund. Er bezeichnete sich als fasziniertes Mitglied von Baukader Schweiz, darum erfülle es ihn mit Traurigkeit, wenn er sehe, dass zwar viele Mitglied im Verein seien, aber viele auch den Berufsstolz vermissen liessen.
Grossratspräsident Gerhard Fischer (2002 bis 2008), momentan „höchster“ Berner im Land, erinnerte sich an die Übernahme des Präsidiums und bemerkte trocken, dass dies „morgens um zwei Uhr nach ein paar Henniez“ geschehen sei. Priorität hatte bei ihm vor allem die Stärkung des Verbandes und des Berufsstandes Polier. Am eigenen Beispiel zeigte er dessen Unverzichtbarkeit: „Wenn ich als Geschäftsführer einer Bauunternehmung abwesend war, passierte nie etwas. Wenn hingegen der Polier fehlte, gab’s sofort Probleme!“
Adrian Hässig (seit 2008) obliegt die grosse Ehre, Baukader Schweiz im Jubiläumsjahr zu führen. Er berichtete, dass die Verantwortlichen seit über eineinhalb Jahren am Planen seien und dass jetzt so langsam ein Gefühl für das Jubiläum aufkomme. Die dringlichsten Aufgaben des Verbandes sieht Hässig bei den Vertragsverhandlungen mit den Gewerkschaften, den Finanzen des Verbandes und dem Angebot eines attraktiven Aus- und Weiterbildungsprogrammes. Zur Rivalität zwischen Baumeisterverband und Baukader meinte Hässig trocken: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und stehen den Baumeistern näher als den Arbeitern.“
 

Festivitäten Schlag auf Schlag

Mit dem Anlass in Zofingen erlebt das Jubeljahr einen würdigen Auftakt. Im weiteren Verlauf von 2011 werden in den sechs Baukader-Regionen der Schweiz mit ihren 40 Sektionen verschiedene Anlässe stattfinden. Der eigentliche Festakt mit über 1000 Teilnehmenden wird anfangs September über die Bühne gehen und im November steht nochmals ein wichtiges Datum in der Baukader-Agenda. Am 4. November wird im Verkehrshaus Luzern der „Cadre d`or“ verliehen, eine Würdigung für ausserordentliche Leistungen in der Baubranche. (tst)