Vom Ei am Stiel zum Baumaterial

Vom Ei am Stiel zum Baumaterial

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Teaserbild-Quelle: Dinesh Valke from Thane, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org

Am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) werden neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege entwickelt. Das ultraleichte Material soll zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen eingesetzt werden.

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Dinesh Valke from Thane, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org
Florfliegeneier am Stiel

Florfliegen oder Goldaugen sind sehr klein. Die Flügelspannweite der etwa 2000 Arten reichen von sechs bis 35 Millimeter. Ihren Namen verdanken die Tiere der gewebeartigen Struktur (Flor) ihrer Flügel. Die kleinen Kerlchen verfügen über eine interessante Eigenschaft: Um ihre Eier vor Fressfeinden zu schützen, lagern sie sie auf der Unterseite von Blättern ab, und zwar auf der Spitze von stabilen seidenen Fäden. Diese Eierstiele sind nur etwa 15 Mikrometer dick und halten das Gewicht der Eier ohne Probleme. Um diese Faser herzustellen, sondert die Florfliege auf dem Blatt ein Proteinsekret ab. Das Ei wird in diesen Tropfen gelegt und senkrecht zur Oberfläche herausgezogen. Der so entstehende Faden härtet an der Luft aus.

Der Eistiel ist im Unterschied zu vielen anderen Seidenarten äusserst biegesteif und stabil. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wollen das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) und die Firma AMSilk – das Unternehmen ist im Bereich der Seidenanalytik und –produktion tätig – diese Faser respektive das Protein nun in grossen Mengen herstellen. Geschehen soll dies laut einer Mitteilung in einem biotechnologischen Prozess mit Hilfe von Bakterien. Molekularbiologische Vorarbeiten sind am Lehrstuhl Biomaterialien der Universität Bayreuth bereits durchgeführt worden. Die Forscher konstruierten eine spezielle Gensequenz, die es Bakterien ermöglicht, das Seidenprotein herzustellen. Am IAP wird das Verfahren nun optimiert, um industrierelevante Mengen zu produzieren.

Die Faser könnte laut den Forschern zum Beispiel in der Medizintechnik eingesetzt werden. Sie sei aber auch als Verstärkungsfaser für den Leichtbau interessant, etwa für Autos, Flugzeuge oder Schiffe. (mt/pd)