Vom Bauerngarten in die Architektur

Vom Bauerngarten in die Architektur

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Die Zürcherin Lux Guyer gehört zu den ersten Schweizer Architektinnen und hat als Schöpferin des Saffa-Hauses Architekturgeschichte geschrieben. Der gta-Verlag würdigt ihr Schaffen mit einer aufwändig gestalteten Monographie.
 
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Das Saffahaus von Lux Guyer bestand aus vorgefertigten Holzelementen.
 
Ihre Liebe zu Proportionen, Formen und Farben entdeckte Lux Guyer in den grosselterlichen Bauerngärten, mit ihren abgezirkelten Buchshecken, den Levkojen, Obstbäumen, Silberpappeln und Feuerbüschen. Schon früh stand für sie fest, dass sie Architektin werden will. Als sie 1913 die Höhere Töchterschule abschloss, war dies für eine junge Frau ein ungewöhnlicher Berufswunsch. Doch Lux Guyer liess sich nicht beirren. Auch wenn ihr der Zugang zu einer Hochschule verwehrt war, wusste sie sich das für ihren Traumberuf nötige Wissen anzueignen: Sie holte es sich in Kursen an der Gewerbeschule und als Fachhörerin an der ETH aber auch während Studienaufenthalten in Florenz, London und Berlin.

In die weite Welt hinaus

Nachdem sie in Florenz vor allem Museen und Bibliotheken besucht hatte, interessierte sie sich in London für neue öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser. Daneben setzte sie sich dort mit dem Städtebau und den neuen Gartenstatdtsiedlungen auseinander. „Die Stadt ist nicht so ideal angelegt wie Paris, aber schönere Gärten, d.h. mehr Bäume, Wiesen, die Läden sind herrlich und alles sieht so solid, gediegen und fein aus“, schwärmte sie in einem Brief an ihre Schwester. Später sollte man ihren auf den ersten Blick eher unspektakulären aber wohnlichen Bauten den englischen Einfluss anmerken: sie sind deutlich vom englischen Domestic Revival und der internationalen Reformmoderne geprägt.
 
Nach ihrem Aufenthalt in England träumte Lux Guyer von einer Reise nach Russland. Aber dann verschlug es sie nach Berlin, wo sie in verschiedenen Architekturbüros arbeitete. Ihr schwebte ein eigenes Atelier vor, allerdings konnte sie ihre Pläne nicht umsetzen. So fuhr sie Weihnachten 1923 nach Hause.

Erste Baustelle

Kurz darauf stand sie bereits auf ihrer ersten Baustelle, in Goldbach am Zürichsee, an der heutigen Goldküste. „Etwas gewaltig Feines“ würde es werden, schwärmte sie in einem Brief an ihre Schwester. „Ein Musterhaus für uns (...) Es wird das schönste, herrlichste Haus weit und breit.“ Es handelte sich dabei um ein Zweifamilienhaus mit einem hohen, spitzen Giebel. Den Bau hatte Lux Guyer im Auftrag eines Architekturbüros entworfen. -- Damit war der „Spatenstich“ für ihre Karriere als Architektin erfolgt.
 
Als sie kurz darauf in Zürich ihr eigenes Büro eröffnete, zählte sie zu den ersten Architektinnen in der Schweiz. Sie machte sich schnell einen Namen mit Wohnhäusern für junge Familien aber auch mit Überbauungen für allein lebende berufstätige Frauen, Studentinnen und ältere Menschen. Schliesslich wurde sie 1928 mit der architektonischen Leitung der Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) betraut. Hierfür schuf sie unter anderem das legendäre Saffahaus, ein ausgeklügeltes Fertighaus. Mit seiner durchdachten Einteilung und seinen Einbauschränken orientierte es sich an den Bedürfnissen der modernen (Haus)Frau. Es bestand aus vorgefertigten, normierten Holzelementen und liess sich dadurch schnell aufbauen. Das Saffahaus gilt als eines der ersten Schweizer Fertighäuser. Im zürcherischen Stäfa kann man es noch heute bewundern. Lux Guyers Bemühen, mit vorgefertigten Systemen das Bauen kostengünstiger zu gestalten und mit einer ausgefeilten Raumorganisation die Hauswirtschaft zu reformieren, stellt ihre Werke in die Nähe des Neuen Bauens.
 
Davon, aber auch von ihren anderen Projekten, erzählt die reich bebilderte Monographie über Lux Guyer. Ein umfassender Werkkatalog geht ausführlich auf die einzelnen Bauten ein und setzt sich auch kritisch mit ihnen auseinander. Daneben porträtiert der aufwändig gestaltete Band das Leben einer eigenwilligen Frau. Und er macht klar: ihr ausgefallener Name „Lux“ passt perfekt. Eigentlich hiess sie Louise aber Lux (Licht) entspricht ihr. Wegen der licht durchfluteten freundlichen Räume, die sie Zeit ihres Lebens für die Bewohner ihrer Bauten entwarf. (Silva Maier)
 

„Lux Guyer 1894-1955 Architektin“

 
Sylvia Claus, Dorothee Huber, Beate Schnitter (Hg.)
 
Mit einem Vorwort von Andreas Tönnesmann
und Beiträgen von Inge Beckel, Sylvia Claus, Reto Gadola, Dorothee Huber, Bettina Köhler,
Franz Müller, Arthur Rüegg, Daniel Weiss
Mit Fotografien von Heinrich Helfenstein
 
gta-Verlag, erschienen 2009
ISBN 978-3-85676-240-7
Hardcover, 301 Seiten, 444 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiss
Preis: 54 Franken