Vom Bauch zum Herzen

Vom Bauch zum Herzen

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Teaserbild-Quelle: zvg
Das Pariser Markthallenviertel Les Halles wird bald zur Grossbaustelle: Neben dem Einkaufszentrum soll ein mit Glas überdachter Erholungsbereich entstehen. Damit will die Stadtverwaltung dem Zerfall des Viertels entgegenwirken.
 
Als „Bauch von Paris“ erlangte der Pariser Komplex Les Halles einst internationale Berühmtheit. Zu verdanken hatte dies der Ort dem gleichnamigen Roman von Emile Zola. Dort, wo sich einst Markthalle an Markthalle reihte, erhebt sich heute gross und mächtig ein riesiges Einkaufszentrum, in dessen Forum sich mehrere Kinos, Theater, Restaurants, Cafés, das Centre Océanique Cousteau und das Musée Français de l'Holographie befinden. Der einst so berühmte Platz verkommt jedoch zusehends. Rund um den Shoppingtempel haben sich nämlich nicht nur Secondhandshops und Boutiquen angesiedelt, sondern auch viele Sexshops, da sich in der Rue Saint-Denis gleich um die Ecke einer der berühmtesten Pariser Strassenstriche befindet.
 
Damit soll nun Schluss sein, denn die Stadtverwaltung plant einen Neukomplex. Bis 2016 soll dort eine Freiluft-Anlage entstehen. Entworfen wurde das Projekt von den französischen Architekten Patrick Berger und Jacques Anziutti, die eine weiträumige, grün bepflanzte und verkehrsberuhigende Parkanlage neben dem Einkaufszentrum vorsehen. Über dem neuen Garten und einem renovierten Forum soll im Lauf des nächsten Jahres ein geschwungenes, lamellenförmiges Glasdach von der Grösse eines Fussballfeldes entstehen, das den Eindruck der Leichtigkeit noch verstärkt.
 
"Es geht darum, die Lebensqualität im Hallen-Viertel zu verbessern", begründet die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Hidalgo das Umbauprojekt. Aus dem einstigen Bauch solle nun das Herz von Paris werden. Zwar heisst ein grosser Teil der Bevölkerung die Pläne der Stadtverwaltung gut. Doch hagelt es auch Kritik. Zum Beispiel von der Bürgerinitiative Accomplir, die dem Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë vorwirft, sich mit dem "pharaonischen" Projekt, für das mehr als 300 Bäume gefällt werden müssen, in seiner zweiten Amtszeit ein Denkmal setzen zu wollen. Dafür spricht, dass die "Canopée" (auf Deutsch "Blätterdach"), ein riesiges grünes Dach über Eingangsbereich und Teilen des dahinterliegenden Parks, genau im Jahr der nächsten Bürgermeisterwahl 2014 fertig werden soll. (ffi)