Vom Baby bis zum Urgrossvater

Vom Baby bis zum Urgrossvater

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In der Nähe des Bahnhofes Schwerzenbach baut die Personalvorsorge des Kantons Zürich (BVK) ein neues Quartier für 400 Einwohner. Bereits im August können die ersten einziehen. Besonderen Wert wird dabei auf das Viergenerationenmodell gelegt. Kinderkrippe und Demenzabteilung gehören deshalb fest dazu.
 
 

Links zu Beteiligten

Sechzehn Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof Zürich nach Schwerzenbach. Im ehemaligen Bauerndorf am Greifensee mit rund 4500 Einwohnern wird derzeit gebaut. In fünf Minuten Entfernung vom Bahnhof entsteht für 80 Millionen Franken ein Quartier mit 188 Wohnungen inklusive ­Wohn- und Pflegeheim. Von 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen ist auf fünf Geschossen alles vorhanden. Inklusive 45 altersgerechter Wohnungen und ­ 7 Pflegewohnungen.
 
Die ersten Mieter ziehen bereits Anfang August in den Bereich A (siehe Plan rechts) ein. Sobald im März 2013 der Altersbereich bezogen ist, ­werden es insgesamt 400 Personen aus vier ­Generationen sein. Als Bauherrin agiert die BVK, Personalvorsorge des Kantons Zürich. «Wir bieten eine zukunftsweisende Gesamtinfrastruktur», heisst es in einer offiziellen Mitteilung. Mit 107 000 Aktivversicherten und Rentenbezügern ist die BVK die schweizweit zweitgrösste Vorsorgeeinrichtungen. Durch sie sind über 78 000 Arbeitnehmende versichert und 29 000 beziehen eine Rente.
 
Für das integrierte Wohn- und Pflegeheim hat sich die Bauherrin mit Seniocare aus Wattwil SG einen Partner ins Boot geholt. Die Institution betreut schweizweit 26 Pflegeeinrichtungen.
 
Farbspiel an der Fassade
Um dem Anspruch ans Quartier gerecht zu werden, sind eine Kindertagesstätte und eine Cafeteria geplant sowie ein Treffpunkt mitten auf dem Areal. Optisch wollen die Verantwortlichen ­Akzente setzen. Die neuen Bauten fallen durch die farbigen Fassaden auf. «Helle Brüstungsbänder bilden eine ruhende Schichtung der Geschosse», beschreibt es die BVK in einem Communiqué. Leicht versetzte Fenster und farbige Flächen sorgen für ­Auflockerung der relativ streng geometrisch ­angeordneten Bauten. Das Projekt wurde von Bauart Architekten und Planer AG Zürich gemeinsam mit Van den Oever, Zaaijer and Partners, Amsterdam entwickelt. «Für die Farbflächen wurde zuerst ein Spektrum definiert und mit der Anordnung experimentiert. Erste Ansätze erwiesen sich als unbrauchbar. Zum Beispiel die Idee, bestimmte Farben auf ein Gebäude oder eine Himmelsrichtung anzuwenden. Mit der ­gemischten Verteilung erscheint die Siedlung einheitlicher», so der beteiligte Architekt Stephan Grosch. Rot und Gelb werden innerhalb des gewählten Spektrums als Akzente gesetzt. Eingeteilt wurden die Farben nach dem Zufallsprinzip. «Ein Sinnbild für die Unterschiedlichkeit der Bewohner», sagt der Architekt dazu.
 
Pflegebereich im Gebäuderiegel
Nicht nur die Farben an der Fassade spielen beim ersten Eindruck eine Rolle. Auffallend ist das grösste Gebäude der Baustelle. Der 150 Meter lange Gebäuderiegel (Bereich C, siehe Plan auf Seite 13) mit Rücken zur Bahnlinie öffnet das Areal nach Süden in die Richtung der anderen Quartierbauten. In diesem langen Riegel wird ­später das Pflegeheim untergebracht, aber auch die Alterswohnungen.
 
Dabei unterscheidet sich die Bauart im ­Vergleich zu den normalen Wohnungen. «Wir achten speziell darauf, dass innerhalb der Nasszellen keine Schwellen in den Duschen sind und genügend Haltegriffe montiert werden», erklärt Lukas Vetsch, Bauleiter des zuständigen Totalunternehmers Arigon. Bezüglich Brandschutz sagt er, dass der gesamte Seniocare-Teil mit ­einer Brandmeldeanlage ausgestattet wird. Bei den meisten Wohnbauten, dies betrifft die Bereiche A und B, ist nicht nur die Fassade fertiggestellt, sondern zum Teil bereits der Innenausbau: Bodenplatten, Küchenkombination und WC-Schalen. Im Bereich C wird dieser Arbeitsschritt erst noch folgen. Der grosse Gebäude­riegel ist noch bis zum Schluss eingerüstet und wird es wohl auch dann noch sein, wenn die ­ersten Bewohner einziehen. Diverse Mulden mit ­Bauresten stehen auf dem Areal. Zwischen ­Gebäuderiegel und Bahngleise werden Planierarbeiten erledigt. Südwestlich vom grossen Hauptgebäude verputzen zehn Arbeiter hoch auf dem Gerüst eine Aussenfassade. Einzelne Wortfetzen sind von ­unten her zu vernehmen, bis wieder eine Baumaschine aufbrummt oder ein Camion um die Ecke biegt.
 
Sorgfältig durchdacht
Es gab Zeiten auf dieser Baustelle, da es noch ­geschäftiger herging. «Letzten Mai hatten wir sämtliche Baustadien auf dem Bauplatz zu sehen, angefangen beim Rohbau», erinnert sich Bauleiter Lukas Vetsch. Inzwischen neigt sich die Bauzeit dem Ende zu. Bislang lief alles termingerecht. In eines der Mehrfamilienhäuser werden gerade die Fenster eingebaut. Auf dem grossen Platz gibt es eine neue Ladung Baustoff. Unmittelbar daneben bahnt sich eine Teerwalze ihren Weg.
 
Unabhängige Bauinseln
Die Struktur auf dem 28 000 Quadratmeter grossen Bauplatz musste im Vorfeld sorgfältig durchdacht werden. Das Terrain besteht aus insgesamt acht kleineren, unabhängigen Bauinseln. Erstens gibt es so keinen Stress und zweitens kommen die Arbeiter schneller voran. Nur so ­können die 14 Mehrfamilienhäuser innerhalb von 18 Monaten gebaut werden. Hier gibt es keine Zu- und Abfahrtswege, die Baupiste bietet nur Platz für einen Camion. Deshalb muss das meiste Baumaterial vor Ort untergebraucht werden. Auf dem Areal sind Betonröhren und verpackte Bodenplatten gelagert und es stapeln sich Holzbretter. Absperrgitter, die gerade nicht gebraucht werden, stehen in einer Ecke.
 
Doch nicht alle Materialien dürfen schonungslos der Witterung ausgesetzt werden. In einzelnen Räumen, die sich noch im Rohbau befinden, sind Isolationsmaterialien und diverse Rohre gelagert. Gegen Ende der Bauzeit werden diese Materialien im Riegelbau C gelagert. Dennoch gibt es bestimmte Stoffe und Ausstattungen, die trotz strenger Sicherheitsmassnahmen unmöglich auf der Baustelle gelagert werden können. Etwa ­Badezimmer- und Küchenmöbel oder auch Einbauschränke. Kupfermaterial für den Elektronetzbau gehört ebenso dazu.
 
Wenn eine solche Lieferung eintrifft muss sich jeder einzelne Arbeiter darauf verlassen können, dass nicht gleichzeitig noch ein anderer Lieferant kommt. Miteinander zu reden ist unumgänglich, was den Beteiligten bewusst ist. Laut Bauleiter Vetsch gab es deswegen hier in der Bauzeit keine Probleme. Wie auch er sagt, gehört eine Menge Absprachen dazu.
 

Übrige Beteiligte

  • Bauherrschaft: BVK Zürich
  • Bauherrenvertreter: MMK Immobilientreuhand AG, Zürich
  • Totalunternehmung: Arigon AG, Zürich
  • Architektur: Bauart Architekten und Planer AG in Zürich in Zusammenarbeit mit Van den Oever, Zaaijer & Partners, Amsterdam
  • Bauingenieur: Basler & Hofmann AG, Zürich