Vitra Design Museum erhält einen von Robotern gewickelten Pavillon

Vitra Design Museum erhält einen von Robotern gewickelten Pavillon

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Teaserbild-Quelle: Vitra Design Museum

Gewoben von Roboterhand: Beim Vitra-Museum in Weil am Rhein wird derzeit ein von Robotern gewickelter Pavillon aufgebaut, für den Käferflügel die Vorlage lieferten. An ihm wird deutlich, wie sich digitale Technologien und Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften auf die Bautechnik auswirken können.

Elytren bezeichnen die aderlosen Deckflügel bestimmter Insekten. Was in der Natur knallrot wie die Flügel eines Marienkäfers oder schillernd grün wie die Oberfläche eines Rosenkäfers sein kann, lieferte die Vorlage zum sogenannten „Elytra Filament Pavilion“. Er wird zurzeit beim Vitra Designmuseum in Weil am Rhein DE aufgebaut und gegört zur Ausstellung „Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ (10. Februar bis 14. Mai).

Bei dem filigranen Gebilde erinnert allerdings wenig an die bunte Käferwelt. Denn nicht die Farbe, sondern die Faserverbundstruktur der Flügel inspirierten die Schöpfer des Pavillons. Seine einzelnen Bestandteile wurden über einen Algorithmus definiert und mit Hilfe eines Industrieroboters gewoben oder vielmehr gewickelt. „Der Bau zeigt den Einfluss digitaler Technologien und neuer Wechselwirkungen zwischen Gestaltung, Bautechnik und Naturwissenschaft“, erklärt Architekt Achim Menges. Er steckt zusammen mit dem Berufskollegen Moritz Dörstelmann, dem Bauingenieur Jan Knippers sowie dem Klimaingenieur Thomas Auer hinter dem Projekt und hat damit am Stuttgarter Institute for Computional Design (ICD) Pionierarbeit geleistet

Roboter wickelt ein und um

Menges und seine Kollegen entwickelten eine Bauweise, die auf einem neuartigen Wickelverfahren beruht, bei dem ein Roboter harzgetränkte Glas- und Karbonfasern auf ein sechseckiges Gerüst wickelt. Während des Bauprozesses verformen sich die zunächst gerade gespannten Fäden laut seinen Erfindern wechselseitig, sodass schliesslich eine gekrümmte Fläche entsteht. Damit werde es möglich, Bauteile mit individueller Geometrie und Faserlayout ohne den Material- und Kostenaufwand individueller Schalungen effizient herzustellen, erklärten sie im deutschen Architekturmagazin Detail.

Der Pavillon umfasst eine Fläche von 200 Quadratmetern und ist wegen seiner Bauweise relativ leicht: Im Schnitt wiegen seine zellenartigen Module rund 45 Kilogramm, pro Quadratmeter bedeutet dies ein Gewicht von 9 Kilogramm. Der gesamte Pavillon ist gerade mal 2.5 Tonnen schwer oder vielmehr leicht. - Für die Herstellung – sowohl Zellen als auch Stützpfeiler – benötigte der Industrieroboter des ICD insgesamt sieben Monate.

Hilfe oder Bedrohung?

Das Design des Pavillons illustriert ebenso wie seine Bauweise gut, worum es in der Schau „Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ geht, die einen Überblick zum teils ambivalenten Thema Robotik bieten soll. Sie gliedert sich in vier Bereiche, im ersten wird der Frage nach der Faszination der Moderne für künstliche Menschen nachgegangen. Der zweite thematisiert die Roboter in der Arbeitswelt. Während dort die künstlichen Arbeiter immer wieder als Bedrohung empfunden werden, zeigt der dritte Bereich den Roboter als „Freund und Helfer“ – sei es als Pfleger, Unterstützung beim Haushalt oder gar als Kamerad. Der letzte Bereich versucht schliesslich die zunehmende Verschmelzung von Roboter und Mensch zu ergründen. Dies gilt etwa für schlaue Gebäude, die lernfähig sind und sich auf ihre Bewohner einstellen können, oder um Smart Cities. (mai)

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.design-museum.de