Vitamine fürs Herzstück

Vitamine fürs Herzstück

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Mit dem Projekt „Herzstück / Regio S-Bahn“ soll die S-Bahn die Basler Innenstadt queren. In einem Interview mit der „Mittelland Zeitung“ (MLZ) äussert sich der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels zum Projekt. Würde der Tunnel nicht nur vom regionalen, sondern auch vom internationalen Personenfernverkehr genutzt, könnte dies dem Projekt helfen.
 
Vor rund einem halben Jahr hatte die SBB bei Basel nachgefragt, ob man einverstanden sei, wenn man eine Studie zum internationalen Personenverkehr und zum Projekt der Regio-S-Bahn durchführe. Derzeit wird laut Hans-Peter Wessels abgeklärt, ob ein solcher Weg realistisch ist und welche Auswirkungen er hätte. „Es wäre spannend, das Herzstück der Regio-S-Bahn für den Personenverkehr zu nutzen“, so Wessels. „Das könnte unserem Projekt viel Rückenwind geben.“ Denn plötzlich wäre das Herzstück nicht mehr von regionaler Bedeutung, sondern auch von nationaler und internationaler. Auf einer der wichtigsten europäischen Zugachsen könnte man rund zehn Minuten Reisezeit einsparen. Das sei sehr viel im internationalen Personenverkehr, meint Wessels.
 
Idee der SBB sei es, eine unterirdische Verbindung zu schafffen, die direkt unter der Stadt zum Bahnhof SBB führe. Auf die Frage, ob ein solcher Tunnel mit den von den Baselbieter und der Basler Regierung favorisierten „Variante Mitte“ (siehe untenstehende Box) kompatibel sei, erklärt er: „Wenn der Tunnel durchgehen soll, wäre er praktisch am gleichen Ort wie die ‚Variante Mitte’. Wir könnten den Tunnel also gemeinsam für den Fern- und den Regionalverkehr nutzen – für die S-Bahn müsste man zusätzlich im nördlichen Teil des Tunnels eine Verzweigung zum Badischen Bahnhof erstellen.“ Erwiesen sich die Pläne der SBB als realistisch, habe man ein weiteres, starkes Argument für die „Variante Mitte“. Zudem käme laut Wessels ein solcher Tunnel die Region günstiger, weil der Finanzierungsschlüssel anders wäre. Der Bunde würde sich stärker an den Kosten beteiligen, weil die Infrastruktur auch für den internationalen Verkehr genutzt werden könne. (mai)
 

Das Projekt

 
Mittelfristig soll die Region Basel durch die S-Bahn mit Durchmesserlinien verbunden werden. Dafür muss die trinationale Bahnstruktur aus dem 19. Jahrhundert nicht nur auf ihren Zufahrtsstrecken ausgebaut sondern durch eine neue Strecke ergänzt werden, die durch die Stadt Basel führt. Diese Strecke ist das „Herzstück“ des Projekts. Dieses soll laut Bau- und Verkehrsdepartement „den Nachteil der dezentralen Bahnhofstandorte minimieren“. Dafür standen unterschiedliche Varianten zur Diskussion, die sich dadurch unterschieden, dass sie das Umland der Basler Innenstadt („Ring-Varianten“) entweder umfahren oder diese durch einen Tunnel unterqueren („Variante Mitte“). Die Regierungen beider Basel favorisierten die „Variante Mitte“.
 
Im Herbst vergangenen Jahres verlangten die Parlamente beider Basel bei der Bewilligung des Planungskredites verlangt, dass die „Variante Mitte“ noch einmal überprüft werden. Vergangenen Juni wurden die Resultate dieser Überprüfung vorgestellt. Dabei kamen die Experten zum Schluss, dass die Variante „Mitte“ das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis besetzt und zwar selbst dann, wenn der Norden Basel bis 2030 stärker baulich verdichtet sein wird, als angenommen. Die so genannten „Ring-Varianten“ fanden hingegen wenig Gnade vor den Fachleuten: Sie seien entweder sehr teuer oder ihr Nutzen erweise sich nicht als gering genug, erläuterte damals das Basler Bau- und Verkehrsdepartement in einer Medienmitteilung.