Visp: Noch mehr Quecksilber

Visp: Noch mehr Quecksilber

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Zwischen 1930 und 1970 wurden bei Visp VS von den Lonza Werken stark quecksilberhaltige Abwässer durch den Grossgrundkanal abgelassen. Darauf verteilten sich die belasteten Sedimente  während Jahren im Boden. Laut neusten Untersuchungen wurde mehr Land verseucht, als bisher angenommen. Dabei handelt es sich um ein Wohngebiet in Visp sowie um den Grund, auf dem Teile der neuen Autobahn A9 zu liegen kommen.

Gemäss Bodensondierungen, die im Rahmen des Baus der Autobahn A9 in der Region Steineye ausserhalb des Siedlungsgebiets von Raron vorgenommen worden sind, ist auch quecksilberhaltiges Material, das nicht aus dem Kanal stammte, für Aufschüttungen verwendet worden. Dabei handelt es sich um eine Fläche von insgesamt rund 800 Quadratmetern: Der Westen der kontaminierten Zone weist eine Konzentration von bis zu 1‘300 Milligram pro Kilogramm (mg/kg)  auf, im Osten des Gebiets wurden Werte bis zu 2‘600 mg/kg gemessen. Hier liessen die auffällig hohen Werte und das Vorhandensein von Bauschutt vermuten und dass es sich um in der Vergangenheit zugeführtes Aushubmaterial und nicht um Schlamm aus dem Grossgrundkanal handelt, schreibt der Kanton.

Das Amt für Nationalstrassenbau (ANSB) und die ausführenden Unternehmen haben nun laut Medienmitteilung umgehend die notwendigen Schutzmassnahmen für Bauarbeiter und Umwelt getroffen. Die fachgerechte Entsorgung auf dem Trassee der Autobahn gehe weiter, Massnahmen zur Minimierung der der Staubemissionen würden umgesetzt.

Quecksilber im Garten?

Erhöhte Quecksilberwerte wurden zudem im Wohngebiet Bäret südlich des Visper Bahnhofs registriert. Die Lonza AG untersuchte verschiedene Parzellen und stellte dort Werte bis zu 75 mg/kg fest. Damit überschreite der Boden klar den Sanierungswert von derzeit 5 mg/kg, teilt der Kanton mit und empfiehlt darum, die Nutzung stark belasteter Parzellen mit einer Konzentration vom mehr als 5 mg/kg als Spielplätze und Gärten für Kinder zu verbieten, bis der Grund saniert worden ist.  Betrage die Quecksilberbelastung zwischen 0,5 mg/kg und 5 mg/kg  gelte die offizielle Empfehlung, keine Lebensmittel aus solchen belasteten Gärten zu essen. Zudem sollten Kinder in diesen Bereichen nicht auf unbegrünter Erde spielen.

Möglicherweise ist noch mehr Quecksilber vorhanden: Die Lonza will die Untersuchungen im Raum Visp auf ausgewählte Gebiete südlich der Bahnlinie ausweiten. Das Chemieunternehmen will die Untersuchungen sowie allfällige gesetzlich vorgeschriebene Sanierungen „ohne Präjudiz“ vor finanzieren. – Der Kanton erwartet von der Lonza nun, dass die Region Visp und die Aufschüttungen, bei denen es Hinweise auf allfällige Belastungen bestehen, umfassend analysiert werden.  (mai/mgt/sda)