Vier Szenarien für die Energiezukunft

Vier Szenarien für die Energiezukunft

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Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) hat Szenarien für die energiepolitische Zukunft vorgestellt, um der Unsicherheit im Energiesektor zu begegnen. Sie beruhen auf vier denkbaren "Energiewelten" und der gemäss heutigem Wissensstand plausibelsten Entwicklung bis ins Jahr 2035.

Im Energiesektor ist einiges im Wandel. Während bisherige Geschäftsmodelle immer mehr unter Druck geraten, versprechen neue Technologien ungeahnte Möglichkeiten, wobei sich auch neue Märkte anbieten. „Von unserem Verband erwarten Gesellschaft und Branche in dieser herausfordernden Zeit eine Gesamtsicht, die bei der Einordnung und Beurteilung des Wandels hilft“, sagt Kurt Rohrbach, Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) in einer Mitteilung. Es brauche in der heutigen Zeit einen neuen Ansatz, denn Energienetze konvergierten, die Digitalisierung halte Einzug, die dezentrale Produktion nehme zu, der Eigenverbrauch wachse. „Diese Entwicklungen kann man nicht mehr berechnen, doch man kann sie adäquat beschreiben.“ Dies hat der Verband nun in Form von vier möglichen Zukunftsszenarien getan, die Energiewelten genannt werden und ein umfassendes Bild mit Fokus auf die Gesamtenergie zeichnen sollen.

Energiewelt „Trust World“: Bei dieser Variante liegt der Fokus auf der zentralen Versorgung, weil sich europäische Länder und die Schweiz im Bereich Strom zunehmend abschotten. Die Wasserkraft und neue Gaskraftwerke dominieren hierzulande, die Digitalisierung ist wenig fortgeschritten. Die Devise lautet: „Hauptsache sicher, bewährt und zuverlässig“.

Energiewelt „Trade World“: Bei diesem Szenario wird Energie europaweit dort produziert, wo sie am günstigsten ist. Die Erneuerbaren werden nicht subventioniert, weshalb der Ausbau stagniert. Auch hier ist die Digitalisierung nicht so wichtig. Der Fokus liegt auf zentralen Grosskraftwerken. Die Devise lautet: „Hauptsache preiswert und stets verfügbar“.

Energiewelt „Local World“: Diese Idee beruht auf einheimischer Produktion und einheimischem Tausch, wobei der Staat sowohl die dezentrale Versorgung als auch den Energieverbrauch subventioniert. Strom-, Gas- und Fernwärmenetze wachsen eng zusammen. Die Grundlage hierfür ist eine digitale Energiewirtschaft. Die Devise lautet: „In der Schweiz, für die Schweiz“.

Energiewelt „Smart World“: In diesem Szenario macht der technologische Fortschritt erneuerbare Energien und Speicher wirtschaftlich, weshalb die Versorgung und die Verbrauchssteuerung sehr flexibel und dezentral sind. Die Schweiz ist stark mit Europa vernetzt, und Energie wird dort produziert, wo es am effektivsten ist. Die Devise lautet: „Überall ist ICT“.

Neben den vier Energiewelten hat der VSE auch einen Trend umrissen. Er beschreibt die gemäss heutigem Wissensstand plausibelste Entwicklung bis ins Jahr 2035: Demnach dominiert die Wasserkraft bis dahin immer noch. Die Energieproduktion ist ein Mix aus zentral und dezentral, wobei dezentrale Speicher mit dem Anteil des Eigenverbrauchs zunehmen. Die Energienetze wachsen enger zusammen, Gas wird bedeutsamer, die Digitalisierung gewinnt an Einfluss. Dennoch muss die Schweiz nach wie vor viel Strom importieren.

Die Energiewelten und der VSE-Trend sollen Politik und Branche als Orientierungshilfe dienen, um die richtigen Massnahmen zu ergreifen. „Sie können auch einen Gradmesser für strategische Überlegungen der Mitgliedsunternehmen darstellen; insbesondere für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle“, schreibt der Verband. Das Denkmodell steht ausserdem Forschungsinstituten und Hochschulen für konkrete Projekte zur Verfügung. (mt/pd)