Viele, viele bunte Bildchen

Viele, viele bunte Bildchen

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Teaserbild-Quelle: judepics/flickr
Als unzählige, unförmige Punkte von Leukoplast-Rosa über Schimmelgrau bis Schmutzigweiss kleben sie hartnäckig auf dem Asphalt. Trotzdem können ausgespuckte Kaugummis schön sein: In London verwandelt der Künstler Ben Wilson die kleinen „Schandflecke“ in Minikunstwerke.
 
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Alte Kaugummis sind auch kleine Leinwände.
 
Weiss man nicht, was Wilson genau tut, könnte man ihn für einen Clochard halten. Er liegt in einem farbverklecksten Parka auf dem Trottoir. Vor ihm steht ein Malkasten. Passanten eilen vorbei. Ab und zu bleibt jemand stehen und schaut zu, wie Wilson behände mit Acrylfarbe ein winziges Bild auf einen Kaugummifleck pinselt. Sein Repertoire ist gross. Es reicht von Strassenszenen über kunterbunte Muster, Früchte, Sonnen bis hin zu Tieren. Manche enthalten auch Texte. „Meistens male ich, was mir gerade in den Sinn kommt“, sagt der Familienvater. „Mir gefällt die Idee, etwas, was Leute widerlich finden, in etwas Schönes zu verwandeln.“ Bevor er aber die blass-schmutzigen Flecke veredelt, säubert er sie. Dann trägt er die Farbe auf. Ist das Kunstwerk fertig, wird es getrocknet und zuletzt lackiert, damit es möglichst lange leuchtet. Ab und zu besucht Wilson seine Werke auch, um sie auszubessern oder zu säubern
 
Die Minibildchen stehen eigentlich in krassem Gegensatz zu dem, was Wilson früher machte. Er war als Bildhauer tätig. Was er damals schug, nennt er „Grossformat-Konstruktionen“. Doch im Gegensatz zu seinen Skulpturen zieren wohl mittlerweile hunderte seiner Werke London. Erspäht man eines, ist es, als ob man einen kleinen Schatz gefunden hat. Die winzigen Werke leuchten und strahlen. Und sie machen die Stadt bunter, wo man es eigentlich nicht erwartet. (mai)