Viele sind an mehreren Orten daheim

Viele sind an mehreren Orten daheim

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Mehr als zwei Millionen Schweizer nutzen mehr als einen Wohnsitz. Das sogenannte multilokale Wohnen führt aber nicht zur Entwurzelung. Das ergab eine Studie des ETH Wohnforums.

Fast die Hälfte der Schweizer hat Erfahrung mit multilokalem Wohnen. Aktuell wohnen 28 Prozent an mehr als einer Adresse, 20 Prozent haben früher schon mindestens einmal so gelebt. Das zeigen die Resultate einer neuen Studie des ETH Wohnforums – ETH Case, einer Forschungsstelle für interdisziplinäre Wohnforschung am Departement Architektur der ETH Zürich. Die Forscher haben zwischen 2012 und 2014 3246 im Alter zwischen 15 und 74 Jahren Personen befragt.

Von den aktuell multilokal lebenden Personen nutzen 68 Prozent zwei Wohnsitze, 23 Prozent drei und neun Prozent sogar vier oder mehr. Wie die Studie ergab, erfüllen diese Wohnsitze mehrere Zwecke: Über zwei Drittel dienen freizeitbezogenen Nutzungen, mehr als die Hälfte dem gemeinsamen oder getrennten Zusammenleben mit dem Partner, und rund ein Viertel erfüllen arbeits- oder ausbildungsbezogene Zwecke.

An mehreren Orten zu wohnen – vielfach auch in anderen Landesteilen – führt aber nicht zu einer Entwurzelung und auch nicht zu einem Bedeutungsverlust der einzelnen Wohnorte. Das haben die Interviews der Befragten gezeigt. Sie schildern das soziale Beziehungsnetz über mehrere Orte hinweg als erweitert, die Ortsbezüge als vielfältiger. Organisatorisch wird der Alltag aber anspruchsvoller. Das ständige Unterwegssein zwischen den verschiedenen Wohnsitzen scheint auch nicht blosser Transfer zu sein, sondern hat als wichtiger Bestandteil dieser Lebensweise eine eigene Bedeutung.

Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert und unter der Leitung von Margrit Hugentobler von Forschern der ETH Zürich, der Universität Basel und der Hochschule Luzern durchgeführt. (pd/mt)