Viele begrünte Dächer, mehr Insekten

Viele begrünte Dächer, mehr Insekten

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Teaserbild-Quelle: schnappischnap, flickr, CC
Begrünte Dächer sind keine isolierten Naturinseln, vielmehr dienen sie Insekten in der Stadt als Trittsteine auf dem Weg durch bebautes Gebiet. Dies fanden Wissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt Wald Schnee und Landschaft (WSL) und der ETH Zürich heraus.
 
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Braucht begrünte Dächer auf dem Weg durch die Stadt: Hummel.
 
Gründächer werden immer beliebter. Nicht nur bei den Menschen, auch bei Insekten und Spinnen: Neben dem Lebensraum der kleinen Tiere vergrössern sie auch die Artenvielfalt. Bisher war nicht klar, ob begrünte Dächer isolierte Naturinseln darstellen oder untereinander vernetzt sind. Dazu verteilten mitten in Zürich 80 Trichter und kleine Bodenfallen auf 40 Gründächern sowie auf 40 intensiv genutzten Standorten am Boden. Dabei fingen sie 48,084 Bienen, Spinnen und Käfer und beinahe 500 unterschiedliche Arten.
 
Zudem wollten die Wissenschaftler der WSL und der ETH Zürich wissen, ob es Zusammenhänge zwischen den beobachteten Lebensgemeinschaften gibt und Faktoren wie Grösse eines Daches, Anzahl der Blumen und Distanz zur nächstgelegenen Grünfläche. Bei ihren Untersuchungen stellten sie fest, dass für Laufkäfer und Spinnen mit eher geringem Aktionsradius die unmittelbare Umgebung ausschlaggebend ist. Wichtig sind für sie beispielsweise, wie viele Stauden oder offene Bodenflächen das Umfeld prägen. Die Gründächer jedoch sind in Zürich zu weit voneinander entfernt, um für diese Tierchen als Trittsteine zu wirken.
 
Für Fluginsekten wie Bienen und Rüsselkäfer eröffnen sich hingegen bei eher nahe beieinander liegenden Gründächern neue Möglichkeiten. Laut WSL findet dann ein regelmässiger Austausch statt. Diese Naturinseln vernetzen Lebensräume und machen dadurch die Städte durchlässig für die Tierwelt.
 
Dabei stellten die Forscher fest, dass die Vernetzung der grünen Oasen der bei weitem wichtigste Faktor für die Artenvielfalt der Fluginsekten in einer Stadt ist. Mit der gezielten Integration von Gründächern in die städtische Raumplanung liesse sich laut den Wissenschaftlern daher die Vernetzung der Lebensräume von Insekten verbessern. Entscheidend ist dabei weniger die Grösse der begrünten Fläche, als vielmehr die Vielfalt der natürlichen Strukturen und Pflanzen. Ausserdem geht aus den Forschungsergebnisse hervor, dass der fliegende Austausch zwischen Gründächern für Insektengesellschaften wichtig ist, weil er sie anfällig für Störungen macht und sie somit bessere Überlebenschancen haben.  (mai/pd)