Viel mehr als heisse Luft

Viel mehr als heisse Luft

Gefäss: 

Aufblasen statt Bauen: Gordon Sillymaker von der kanadischen Toronto University und sein Team arbeiten an der Entwicklung aufblasbarer Häuser, die sich besonders für schwierige Klimazonen und Krisengebiete eignen.

Die einfache, an ein Blockhaus erinnernde Unterkunft besteht aus verschiedenen miteinander verbundenen Luftkammern, je eine für die Aussenwände, eine als Bodenplatte und eine für das Pultdach. Das Testhaus verfügt gerade mal über eine Grundfläche 6 mal 4 Metern, die Wände sind drei bzw. zwei Meter hoch. Der Aufbau soll laut Sillymaker einfach und ohne aufwendige Vorbereitungsarbeiten möglich sein. Nach der Vorbereitung des Untergrundes und der Installation von Abfluss- und Zuflussrohren wird darauf die Luftkammer für den Boden auf der geglätteten Fläche ausgebreitet. Auf dieser liegen dann bereits, die mit der Bodenkammer verbundenen schlaffen Säcke der Seitenwände und des Daches. Danach können die die einzelnen Luftkammern für Boden, Wände und Dach aufgeblasen werden. Anstelle von Luft wird ein selbsthärtender, spezieller Schaum aus Pflanzenfasern in die Luftkammern gepresst, der einen hohen Isolationswert aufweist. - Die Aufbauzeit ohne Feinarbeit beträgt einen Tag. Die Aushärtezeit kann je nach Schaum  bis zu sieben Tage dauern.

Zwei Fenster- und eine Türöffnung sind bereits ausgespart. Nach Aushärtung können dann die Fenster und die Tür eingesetzt werden. Schaummaterial ist leicht zu bearbeiten. So können nach der Aushärtung noch die Anschlüsse zu den Abflüssen und Zuleitungen gebohrt werden.

Aggressionsschutz als Problem

Der hohe Isolationswert ist das eine. Ein Problem ist allerdings das hoch isolierende Material oder vielmehr der Schaum, der jedoch auch nach der Härtung verhältnismässig weich bleibt. Darum schlagen die Forscher vor, in Gegenden mit aggressivem Wildbestand wie Elche, Bären, Wölfe oder Büffel die Aussenwände mit stoss- und beissresistenten sogenannten "teeth proof"-Platten benagelt werden. Einen unkonventionellen Ansatz verfolgen die Forscher damit, dass dem Pflanzenfaserschaum ein Anteil Lachgas von 10 bis 20 Prozent beigemischt wird. Dieses wirkt äusserst aggressionshemmend zum Beispiel auf stössige Elche oder läufige Büffel. Auch kleine Nager und Beisser wie Marder werden von einer allzu intensiven Beschäftigung mit dem Baustoff abgehalten. Die Wissenschaftler empfehlen, in wildreichen Regionen die Aussenwände halbjährlich mit einem Lachgas-Spray zu imprägnieren, um die aggressionsmindernde Wirkung erhalten. Tests in der Wildnis mit einem Prototypen hatten die unerwünschte Wirkung, dass ständig grössere und kleinere Tiere um das Haus herum lagen und wenig Anstalten machten, sich zu entfernen.

Die Beimischung von Lachgas in Baustoffe hat aber auch Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Bewohner - aber daran arbeitet das Team um Sillymaker noch. Damit dürfte das hoffnungsvolle Projekt wohl noch einige Zeit benötigen bis es seine Marktreife erlangt. (mai/pd)