Versunkene Schätze Ägyptens im Museum Rietberg

Versunkene Schätze Ägyptens im Museum Rietberg

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Teaserbild-Quelle: Foto: Claudia Bertoldi

Zwei Jahrzehnte lang suchte der französische Unterwasserarchäologe Franck Goddio mit Unterstützung der Hilti Foundation in Liechtenstein vor der Mittelmeerküste Ägyptens nach verborgenen Schätzen. Dabei förderte er unerwartete Kostbarkeiten zutage. Sie sind jetzt gemeinsam mit zahlreichen Fundstücken aus ägyptischen Museen in der Ausstellung Osiris im Museum Rietberg zu bewundern.

„Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens“ ist im Zürcher Rietbergmuseum angekommen. Nach dem Institut du monde arabe in Paris und dem British Museum in London ist es die dritte und erste Station der Ausstellung auf deutschsprachigem Gebiet. Gezeigt werden rund 300 Statuen und Kultgegenstände, Sarkophage und Götterbilder aus sechzehn Jahrhunderten, die im 8. Jahrhundert im Meer versunken sind. Mit ihnen die sagenumwobenen Städten Thonis-Herakleion und Kanopus, von denen bisher jegliche Spur fehlte.

Entdeckt wurden sie von Franck Goddio. Seit 1985 widmet sich der gelernte Finanzberater seinem Hobby und führt mit einem Expertenteam des von ihm gegründeten Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie (Institut Européen d’Archéologie Sous-Marine, IEASM) Forschungen und Grabungen durch. Dabei arbeitet er eng mit staatlichen Behörden und renommierten Forschungsinstituten zusammen. Die wissenschaftlichen Forschungen werden vor allem im Auftrag von Ländern ausgeführt, die sich diese Projekte nicht leisten können. Doch er erhält dabei starke Unterstützung: Seit 1996 werden die Projekte des Unterwasserarchäologen von der Hilti Foundation in Liechtenstein unterstützt. „Zunächst hatten wir Hilfe für vier Wochen zugesagt. Daraus sind nun 20 Jahre geworden“, sagt Verwaltungsrat Michael Hilti.

Diese Zusammenarbeit ermöglichte letztendlich die Ausstellung, die von Osiris berichtet, der ägyptische Gott der Wiedergeburt, Herrscher über die Unterwelt und Held eines geheimnisvollen Kults. Die Schau dokumentiert die sensationellen archäologischen Entdeckungen auf dem Meeresgrund. Was in sechs bis zehn Metern Tiefe in der Bucht von Abukir gefunden und aus dem Meer geborgen wurde, wirft ein neues Licht auf die Geschichte der Spätzeit Altägyptens. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die schönsten aus dem Meer geborgenen Schätze, darunter drei fünf Meter hohe Kolossalstatuen, die den Besucher bereits vor dem Eingang empfangen. Auf 1300 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind vor allem Fundstücke aus den Grabungen in der Bucht von Abukir ausgestellt. Sie werden mit  Exponaten aus den staatlichen Museen von Kairo und Alexandria ergänzt. Viele von ihnen sind zum ersten Mal ausserhalb Ägyptens zu sehen.

Der Rundgang gliedert sich in drei Etappen: Er befasst sich mit dem über 4000 Jahre alten Osiris-Mythos, anschliessend werden die Ausgrabungsstätten und die dirt einst stattfindenden Osiris-Prozessionen vorgestellt. Die letzte Etappe beleuchtet die Weiterentwicklung des Mythos in der griechisch-römischen Zeit.

So aussergewöhnlich wie die Ausstellung war auch ihre Vorbereitung. Bei „Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens“ handelt es sich um die bisher aufwendigste Ausstellung, die jemals im Museum Rietberg gezeigt wurde. Nicht nur der Transport, vor allem die Einrichtung der Schau selbst stellte an ihren Projektleiter, Axel Langer, und sein Team grosse Herausforderungen. Die drei bis zu 5,4 Meter hohen Statuen vor dem Museumsgebäude mussten auf Tiefladern transportiert werden, sie wurden in einem eigens aufgestellten Pavillon im Park montiert und mit Hilfe von zwei Kränen auf die Fundamentsockel an ihren Standort gehoben. Für die Pavillons mit Sicherheitsglas und Fundamentheizung musste eine Baugenehmigung eingeholt werden.  

Auch im Museum waren einige Hindernisse zu überwinden. Der Lastenaufzug trägt bis zu zwei Tonnen Gewicht. Doch einige Exponate waren deutlich schwerer. Vor allem für den Apis-Stier, der samt Transportkiste über drei Tonnen wiegt, war Millimeterarbeit der acht Zügelmänner nötig. Zudem musste der Liftmonteur auf Handschaltung umdisponieren.

 Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Hilti Foundation und dem Institut EASM in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Altertümer der Arabischen Republik Ägypten organisiert. (cb/Material Museum Rietberg)

Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens bis zum 16. Juli
Museum Rietberg, Zürich
Öffnungseiten: Dienstag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
Weitere Informationen: www.osiris-zuerich.ch