Versicherer erwarten mehr Schäden durch Naturgefahren

Versicherer erwarten mehr Schäden durch Naturgefahren

Gefäss: 
Ob Überschwemmungen, Stürme, Murgänge oder Felsstürze – sie werden wegen des Klimawandels zunehmen. Davon gehen der Schweizerische Versicherungsverband und der Bund aus. Um sich dagegen zu wappnen, investieren die Versicherer vermehrt in die Prävention und koordinieren ihre Aktivitäten mit dem Bund.
 
Nicht nur in der Schweiz, auch anderswo reissen die Schlagzeilen über heftige Unwetter, Niederschläge und Stürme nicht ab. „Wir müssen Massnahmen treffen, um diesen Herausforderungen zu begegnen“, erklärt David N. Bresch, Leiter Nachhaltigkeit bei der Swiss Re. „Tun wir das nicht, besteht die Gefahr, dass früher oder später übermässige Schäden zur Norm und damit die Grenzen der Versicherbarkeit erreicht werden.“ – So rechnet man etwa beim Bundesamt für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek) damit, dass sich das Klima bis 2100 um 2 bis 6 Grad erwärmt und dass als Folge davon die Naturgefahren zunehmen. Dies betrifft laut Uvek etwa zwei Drittel aller Gemeinden. Das zeigt auch die Unwetterschaden-Datenbank der Schweiz: Zwischen 1972 und 2010 haben Hochwasser, Murgänge sowie Rutschungs- und Sturzprozesse stetig zugenommen.
 
Die Elementarschadenversicherung musste bereits einmal angepasst werden. Dies sagte Lucius Dürr von, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes, heute im Rahmen einer Medieninformation. „Weil die versicherten Schäden massiv zugenommen haben, hat der Bundesrat die Leistungen der Versicherer für Naturkatastrophen auf Anfang 2007 von einer Milliarde Franken auf zwei Milliarden erhöht.“

Wohnen in Gefahrengebieten

Mit der immer dichteren Besiedlung steigt auch das Schadenspotenzial oder verschlechtern sich in dieser Hinsicht die Rahmenbedingungen. Gibt es beispielsweise an der Sihl und Limmat ein massives Hochwasser, kann sich das Schadenspotenzial in der Stadt Zürich auf bis zu einer Milliarde Franken belaufen. Um solchen Herausforderungen zu begegnen, braucht es laut Josef Hess, dem Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt (Bafu) funktionierende Schutzbauten, sie müssen erhalten, erneuert und ergänzt werden. Zudem sollten Gefahrengrundlagen umfassend bereitgestellt und stets aktuell gehalten werden. Als besonders wichtig erachtet Hess das naturgefahrengerechte Bauen: In der dicht besiedelten Schweiz sei es nicht möglich, in Gefahrengebieten überhaupt nicht zu bauen. Mit erhöhten Lichtschächten und weiteren einfachen baulichen Massnahmen können die Schäden aber minimiert werden. Aus diesem Grund engagieren sich Bund und Versicherer dafür, bei Planern und Ingenieuren das nötige Wissen zu stärken.
 
In den letzten zehn Jahren sei viel in die Prävention investiert worden, erklärt Hess gegenüber der sda. Eigentlich müsste die Schadenssumme daher sinken, dies sei aber nicht der Fall. Der Grund dafür ortet David Bresch vor allem im Wirtschaftswachstum. Da beispielsweise mehr gebaut werden, könnten auch an mehr Gebäuden Schäden entstehen. Als weiterer Faktor kommt der Klimawandel hinzu.
 
Um die Kosten in Zukunft nicht aus dem Ruder laufen, unterstützen die Versicherer beispielsweise Hochwasserschutzprojekte die Aufforstung von Schutzwäldern. Zudem investieren sie in die wissenschaftliche Erforschung des Klimawandels und dessen Auswirkungen. (mai)