Verkehr für entspanntere Rush Hour umverteilen

Verkehr für entspanntere Rush Hour umverteilen

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Mit Massnahmen wie Mobililty Pricing, Home Office oder nach hinten verschobene Unterrichtszeiten könnten Staus sowie überfüllte Züge, Busse und Trams während der Hauptverkehrszeit um rund 20 Prozent verringert werden. Dies ist das Resultat einer Studie, die im Auftrag der Metropolitankonferenz Zürich erstellt worden ist.

In dichtbesiedelten Regionen wie dem Metropolitanraum Zürich stossen Verkehrsinfrastrukturen zunehmend an ihre Grenzen. Überfüllte Züge und S-Bahnen sowie Staus während der Rush Hour könnten wirkungsvoll gemindert werden, ohne dass es dafür neue Bahnstrecken und Strassen braucht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von der Metropolitankonferenz Zürich bei dem auf nachhaltige Entwicklung spezialisierten Instituts Infras in Auftrag gegeben worden ist. Die Autoren untersuchten darin neue Lösungsansätze, um die Verkehrsspitzen zu brechen. Dabei ging es etwa um Home Office, räumlich-flexibles Arbeiten in Unternehmen oder E-Learning an den Schulen und nach hinten verschobene Unterrichtszeiten. Werden solche Massnahmen konsequent eingesetzt, kann das Verkehrsaufkommen laut Studie sowohl im privaten als auch im Öffentlichen Verkehr um rund 20 Prozent reduziert werden.

Zudem schlagen die Verfasser vor, das Thema bei der Planung neuer Schulstandorte miteinzubeziehen: Eine  Schule sollte so liegen, dass die Schüler für den Weg dorthin in der entgegen gesetzten Hauptverkehrsrichtung unterwegs sind. Reduktionspotenzial sehen die Studienautoren auch bei der Tarifgestaltung, und damit verbunden in einer Kombination aus positiven und negativen Anreizen. Wer während der Nebenverkehrszeiten Bus, Zug oder Tram fährt, soll von einem Bonus profitieren, wer den ÖV während der Hauptverkehrszeiten nutzt wird hingegen mit einem Malus belastet. Der Reisende habe die Möglichkeit sein Verkehrs-Konto jederzeit auszugleichen, heisst es dazu in der Medienmitteilung der Metropolitankonferenz Zürich. Gleichzeitig werde die Lenkungswirkung der Massnahme verstärkt, ohne die Verkehrsbetriebe zusätzlich zu belasten. Dies gilt nicht nur für den öffentlichen sondern auch für den motorisierten Individualverkehr, das vieldiskutierte Mobility Pricing ist hier die Lösung gegen Staus.

Dass es für solches entsprechende Rahmenbedingungen braucht, zeigt die Studie aber auch. So halten die Autoren fest, dass Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Home Office ermöglichen sollen. Es seien die hierzu notwendigen Veränderungsprozesse in Bezug auf Führungsstil und Unternehmenskultur einzuleiten. Allerdings stellt sich hier die Frage wie dies denn genau in der Praxis geschehen soll. -  Daneben verweisen sie darauf, dass die Öffentliche Hand ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und Schulämter die Verkehrslage bei der Suche nach neuen Standorten für Schulen miteinbeziehen sollen.  (mai)