Vergiftete Böden sollen schneller saniert werden

Vergiftete Böden sollen schneller saniert werden

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Die Bewohner des mit Quecksilber kontaminierten Gebiets im Oberwallis verlangen, dass die am stärksten verschmutzten Grundstücke schneller saniert werden als geplant. Sie bemängeln auch die mangelnde Transparenz und Information der Lonza und des Kantons Wallis.

Die von der Quecksilber-Kontaminierung betroffenen Eigentümer würden nicht oder nur ungenügend von den Walliser Behörden und der Firma Lonza informiert, kritisierte die IG Quecksilber an einer Medienkonferenz in Visp. "Ohne Transparenz kann kein Vertrauen entstehen", sagte Thomas Burgener, früherer SP-Regierungsrat und Co-Präsident der Gruppe.

Mitte November war bekannt geworden, dass die Quecksilber-Verschmutzung ein grösseres Wohngebiet umfasst als bislang angenommen. So wurden im Gebiet Bäret im Raum Visp Quecksilberkonzentrationen von bis zu 75 Milligramm pro Kilo Erde (mg/kg) gefunden. Der gesetzliche Sanierungswert liegt bei 5 mg/kg.

Die IG Quecksilber bezeichnete diese neuen Funde als sehr beunruhigend. Sie bekräftigte ihre Forderung, wonach die Lonza Nachforschungen betreiben müsse, wo ausserhalb des Grossgrundkanal-Perimeters überall sonst noch kontaminiertes Material deponiert wurde. Mehr und mehr werde ersichtlich, dass die Lonza in den Jahren 1930 bis 1970 nicht nur Quecksilber in den Grossgrundkanal und schliesslich in den Genfersee abgeleitet habe, sondern "hier und dort deponiert hat, auch in Wohngebieten".

Sanierung vor Herbst 2015

Nach Auffassung der IG überwacht der Kanton als Aufsichtsbehörde das Tun der Lonza nur ungenügend. Ausserdem ist sie unzufrieden mit der Sanierungsfrist, die auf Herbst 2015 festgelegt wurde. "Das ist zu spät, vor allem für die am stärksten vergifteten Grundstücke", sagte Burgener. Diese müssten saniert werden, sobald es die Witterungs- und Bodenverhältnisse zuliessen und nicht erst in einem Jahr. Und auch für Parzellen mit einem Gehalt von 0,5 mg/kg bis zum Sanierungswert von zwei mg/kg in Wohngebieten respektive 20 mg/kg bei Landwirtschaftsflächen müsse eine Lösung gefunden werden, fordert die IG. Es gehe nicht an, dass diese Parzellen in einem Kataster eingetragen blieben und sich niemand um die Eigentümer kümmere.

Auf Verjährung verzichten

Weiter fordert die IG vom Kanton und von den betroffenen Gemeinden einen Verzicht auf die Geltendmachung der Verjährung in allfälligen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen, wie dies die Lonza bereits getan habe.

Schliesslich erwartet die IG viel von der epidemiologischen Studie, die der Kanton bei der Universität Zürich in Auftrag gegeben hat, um die Auswirkungen des Quecksilbers auf die Gesundheit der Bevölkerung in der Region zu untersuchen. Diese Studie müsse offen und transparent gehandhabt werden.

Die Quecksilber-Verschmutzung zwischen Niedergesteln und Visp war 2010 während Bauarbeiten entdeckt worden. Lonza bereitet einen Sanierungsplan für die kontaminierten Parzellen ab einem Wert von zwei Milligramm pro Kilogramm Erde vor. (sda)