Verdichtung in Genf: Häuser statt Häuschen

Verdichtung in Genf: Häuser statt Häuschen

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Genf ist die dichteste Stadt der Schweiz. Dennoch hat auch sie Verdichtungspotenzial. Isabel Girault, Direktorin des Amts für Raumentwicklung und Städtebau des Kantons Genf, ortet dieses vor allem in den Einfamilienhausquartieren. Der Weg zu mehr Verdichtung in diesen Zonen ist eher steinig.
 
Weil der Wohnraum in Genf knapp ist und die Mieten teuer sind, zieht es viele in den angrenzenden Kanton Waadt oder auf die andere Seite der Grenze, nach Frankreich. Obwohl Genf die dichteste Stadt der Schweiz ist, soll sie weiter verdichtet werden. Was dies für die Praxis bedeutet, weiss Isabel Girault, die Direktorin des Genfer Amts für Raumentwicklung und Städtebau des Kantons Genf. In einem Interview in der Publikation „forum raumtentwicklung“ des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) zeigt sie auf, wo die Schwierigkeiten liegen.
 
Das besondere am Kanton ist im Vergleich zu anderen der Umstand, dass grundsätzlich der Kanton über die Siedlungsentwicklung entscheidet. Zudem findet man im nächsten Umfeld der Stadt Genf im Gegensatz zu anderen äusserst urbanen Gebieten in der Schweiz noch sehr ländliche Räume. Diese beiden Tatsachen haben einen starken Einfluss auf die Raumentwicklung um die Calvinstadt. Der Zentralismus fördere eine kohärente Raumplanung, führt Girault aus. Genf habe entschieden, Landschaften, die nur sehr schwer für die Siedlungsentwicklung erschlossen werden könnten, als ländliche Räume zu bewahren. „Dadurch ist der Boden hier tatsächlich derart knapp geworden, dass sich der Siedlungsdruck weiter nach aussen verlagert hat.“ In Genf wirkt sich dies laut Girault deshalb nicht auf den ersten sondern auf den zweiten Agglomerationsgürtel aus. Das heisst: Pendlerverkehr und gestiegene Wohnraumbedürfnisse bekommen nicht mehr direkt die Gemeinden im Kanton sondern jene in Frankreich und im Waadt zu spüren.
 
Ein Potenzial für mehr Verdichtung in der Stadt sieht Girault in den Einfamilienhausquartieren, die praktisch die Hälfte der Wohngebiete ausmachten. „Die parzellierten Grundstücke, die Tatsache, dass sowohl das Kulturerbe als auch landschaftliche Qualitäten berücksichtigt werden müssen, und das spekulationshemmende System machen eine solche Verdichtung in den Entwicklungszonen jedoch schwierig“, führt Girault aus. Weil die Bodenpreise in diesen Gebieten limitiert sind, haben die Grundeigentümer keinen Anreiz ihr Land zu verkaufen. „So lange diese Bremsen da sind, werden sich die Einfamilienhausquartiere nur sehr langsam verändern.“ Um diesen Zustand etwas zu entschärfen, muss man laut Girault den Blick auf die Landwirtschaftszonen zu richten. „Ein Teil davon wird wohl oder übel für Siedlungsbedürfnisse genützt werden müssen.“ Die gelte sogar bei einem haushälterischen Umgang mit dem Boden. „Das ist schade, aber unumgänglich.“ (mai)
 

Die aktuelle Ausgabe des „forum raumentwicklung“ kann beim Bundesamt für Raumentwicklung heruntergeladen werden: www.are.admin.ch