Unterwegs in die Steinzeit

Unterwegs in die Steinzeit

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Teaserbild-Quelle: Wikimedia
Hobbytaucher entdeckten vor wenigen Jahren im Vierwaldstättersee bei Kehrsiten die Überreste einer Pfahlbausiedlung. Darauf nahmen sich Archäologen der Unterwasserruinen an. Was sie zu Tage förderten und wie der Alltag der Pfahlbauer aussah zeigt die Ausstellung in Stansstad.
 
 
Im Winter des Jahres 1854 war der Wasserstand des Zürichsees so tief, dass die Kinder, die am Ufer spielten im freigelegten Seegrund Pfähle entdeckten. Inmitten der Holzstummel lagen von Menschenhand bearbeitete Knochen und Steine. Schnell erkannte der damalige Präsident der Antiquarischen Gesellschaft in den Fundstücken die Überreste einer prähistorischen Kultur. Damit war die erste Pfahlbausiedlung der Schweiz gefunden. In der Folge brach eine regelrechte Pfahlbaubegeisterung aus. Für die Pariser Weltausstellung liess man gar Pfahlbaudörfer malen, romantische Szenerien, die das Leben jener Zeit zeigten. Und bald stellte man fest, dass man nicht nur in der Schweiz in den seichten Ufergebieten seine Häuser auf Pfähle gebaut hatte. Seeufer- und Moorsiedlungen gab es bis zum Ende der Bronzezeit (zirka 800 vor Christus) von Ostfrankreich über Süddeutschland bis nach Italien und Slowenien. - Zudem wandelte sich das Bild der Pfahlbauer im Lauf der Zeit: Pfahlbauer errichteten ihre Wohnstätten nicht im sondern sehr nah am Wasser. Damit liess sich fruchtbares Ackerland gewinnen, und die Pfählen schützten die Häuser vor dem sich verändernden Wasserstand.

Unter den Wellen verborgen

Der Entdeckung an der heutigen Zürcher Goldküste folgten in der Schweiz zahlreiche weitere Funde, und zwar bis in die jüngste Vergangenheit: Im Jahr 2003 spürten Hobbytaucher per Zufall bei Kehrsiten am Vierwaldstättersee die Überreste einer jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung auf. Der Fund gilt als kleine Sensation, weil solche Siedlungen bis anhin nur aus dem Mittelland bekannt waren. Dass in der Jungsteinzeit auch Pfahlbauer an den Ufern von Voralpenseen lebten, wusste man bis dahin nicht. Die Kehrsitner Pfahlbauer hatten ihre Häuser auf einer flachen Gesteinsplatte am Ufer errichtet. Weil aber der Seespiegel im Laufe der Jahrhunderte angestiegen ist, finden sich die hölzernen Ruinen heute 60 Meter im See draussen und rund sieben Meter unterhalb des Seespiegels.
 
Fünf Jahre nach dem Fund begann die Nidwaldner Fachstelle für Archäologie in Zusammenarbeit mit der Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich das Gebiet zu untersuchen. Die Archäologen fanden unter anderem über 5500-jährige Keramikteile, Werkzeuge aber auch organische Überreste wie Knochen und Samen. Zudem stellten die Archäologen beim Abtragen der Fundschichten fest, dass bei Kehrsiten gleich mehrere steinzeitliche Dörfer unter dem Wasser verborgen sind.
 
Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Leben der Pfahlbauer, sie zeigt auch auf, wie sich der Siedlungsplatz in den vergangenen 600 Jahren verändert hat. Daneben gewährt die Schau einen spannenden Einblick in die Unterwasserarchäologie. (mai)
 
„Versunkene Welt. Die Pfahlbauer von Kehrsiten
Ausstellungsdauer: 6. Dezember bis 17. Januar
Ort: Sust, Stansstad
Öffnungszeiten: Donnerstag, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr, 24. und 31. Dezember geschlossen
 
 

 

 

Pfahlbauten als Unesco Weltkulturerbe

Im Alpenvorland sind insgesamt rund tausend Pfahlbau-Fundstellen bekannt. Unter dem Titel "Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen" kandidieren die Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien und Österreich gemeinsam für das Label Unesco-Weltkulturerbe. Das Dossier zur Aufnahme soll kommenden Januar eingereicht werden.
 
Einer der Gründe für die Kandidatur ist der Umstand, dass die Pfahlbauten bedroht sind, unter anderem von der zunehmenden Urbanisierung und dem Klimawandel. „Die Bautätigkeit, der Bootsverkehr, die Urbarmachung und der gesunkene Seespiegel gefährden die Überreste dieser Jahrtausende alten Siedlungen“, erklärte dazu auf swissinfo.ch Palafittes-Präsident Claude Frey. Der Verein Palafittes engagiert sich für die Pfahlbauten und für die Aufnahme der Siedlungen ins Unesco Weltkulturerbe.