Unterwasser-AKW: Aprilscherz ist todernst

Unterwasser-AKW: Aprilscherz ist todernst

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die französische Werft DCNS hat Besonderes vor: Sie will Atomkraftwerke auf dem Meeresgrund bauen. Umweltschützer sind entsetzt.
 
 
 
 
Wenn ein U-Boot mit Kernkraft angetrieben werden kann, warum kann man denn dieses Gefährt nicht auch gleich ganz als Atomkraftwerk benutzen? Auf diese Idee gekommen ist die französische Schiffswerft DCNS. Die letzten zwei Jahre hat sie deshalb damit zugebracht, Mini-Kernkraftwerke zu konstruieren, die eingeschlossen in einem U-Boot-förmigen Zylinder im Meeresboden Strom produzieren. Das Konstrukt haben die Forscher FlexBlue getauft. Der Körper aus Stahl ist etwa 100 lang und 15 Meter breit. In seinem Innern befindet sich ein Reaktor, der eine Leistung von 50 bis 250 Megawatt erbringt. Damit sind sie etwa zehnmal kleiner als herkömmliche Atomkraftwerke auf dem Land. Mit ihrer Energie könnte über ein Unterwasserkabel aber immerhin eine 100 000 bis 1 Millionen Einwohnern grosse Stadt versorgt werden. Laut Konzernchef Patrick Boissier entspricht das „der Grösse von Tanger oder einer Insel wie Malta“.
 

Radioaktivität schneller verbreitet

Gemäss André Kolmayer, dem Direktor der DCNS-Abteilung für zivile Kernkraft, würde der Bau einer solchen Anlage keine Probleme bereiten. Die Anlagen seien zudem nicht nur vor Stürme und Unfälle wie Flugzeugabstürze sicher, sondern auch vor Tsunami und Erdbeben. Vielmehr Sorgen bereiten dem Konzern die Reaktionen aus der Öffentlichkeit. Aus gutem Grund: Die Kritiken vonseiten der Umweltverbände haben nicht lange auf sich warten lassen. Während die einen das Projekt für irre halten, glaubte Greenpeace gar einem Aprilscherz aufgesessen zu sein. Die Folgen für die Umwelt seien laut den Verbänden nämlich nicht auszudenken, würde mal etwas passieren. „Bei einem Unfall hier in Cherbourg würde je nach Ausmass und Strömung der ganze Ärmelkanal verseucht. Der abrupte Anstieg der Wassertemperatur hätte einen fatalen Thermoschock für Fauna und Flora zur Folge. Nicht von ungefähr wurde in Tschernobyl der Boden unter dem Reaktor zubetoniert, um die Verseuchung des Grundwassers zu verhindern“, erklärt Didier Anger von der Organisation «Sortir du nucléaire». Die Radioaktivität würde im Wasser nämlich schneller verbreitet als in der Luft.
 

Entwicklungsländer sollen Abnehmer sein

Trotz diesen Bedenken: FlexBlue hat bereits den Durchführbarkeitstest absolviert und von der französischen Behörde für Nuklearsicherheit grünes Licht erhalten. Das Projekt wartet nun auf eine wirtschaftliche und industrielle Beurteilung. Laut dem Konzern sollte der erste Prototyp zwischen 2013 und 2017 fertig sein. Gebaut wird er in Cherbourg. Bei entsprechender Auftragslage könnte man dann mit der Fliessbandproduktion beginnen. Das französische Projekt zielt mehr auf Entwicklungsländer und Länder, die zum ersten Mal Atomenergie einsetzen. Das Markt-Potential in den kommenden 20 Jahren liegt angeblich bei ungefähr 200 Unterwasser-Kraftwerken mit weniger als 300 MW Leistung. (ffi/mgt)
 
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Strom aus der Tiefe: Das erste Unterwasser-AKW BlueFlex soll 2013 gebaut werden.