Unsaubere Geschäfte mit öffentlichen WCs?

Unsaubere Geschäfte mit öffentlichen WCs?

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Nachdem vor rund zwei Wochen die Zeitung „Der Bund“ von „Verfilzungen“ zwischen den Stadtbauten Bern (Stabe) und der Sicherheitsfirma SAS Security berichtet hatte, drängt sich ein weiterer Verdacht auf. Laut der Zeitung gibt es Verflechtungen zwischen einer Stabe-Mitarbeiterin und der Reinigungsfirma Honegger AG, die die öffentlichen Toiletten der Stadt sauber hält.
 
Zumindest auf den ersten Blick scheint offensichtlich, dass etwas nicht klinisch rein an der Sache ist. 2009 und 2010 hatten die Stabe zwei grosse Reinigungsaufträge ausgeschrieben, die jeweils beide auf vier Jahre angelegt sind und laut „Bund“ um vier Jahre verlängert werden können. Insgesamt geht es dabei um 1,7 Millionen Franken. Beide Aufträge erhielt die Honegger AG: Sie machte gleich zwei Mal das günstigste Angebot.
 
Wie der „Bund“ berichtet, ist die Mitarbeiterin, die für die Stabe die Reinigungsaufträge festlegte und im Ausschreibungsverfahren offenbar eine Schlüsselposition hatte, eine frühere Angestellte der Hongger AG. Dort habe sie eine beachtliche Karriere hingelegt. Innert weniger Jahre sei bis in die Geschäftsleitung einer Honegger-Niederlassung aufgestiegen. Das pikante an der Sache: Sie ist mit einem Kadermitglied ihrer früheren Brötchengeberin verheiratet und unterhält laut Artikel „bis heute beste Beziehungen“ zu ehemaligen Arbeitskollegen. Auch wenn keine Hinweise vorlägen, dass Honegger begünstigt werde: Die Konstellation sei äusserst delikat, heisst es weiter. Denn die Weitergabe von Insiderinformationen zähle zu den gängigsten Methoden, ein korrektes Beschaffungsverfahren zu unterlaufen.
 
Auf Anfrage des „Bund“ erklärte Stabe-CEO Matthias Hagg, dass das Verfahren korrekt abgelaufen sei und dass es keinerlei Anzeichen für unlautere Absichten gebe. Eigenartig mutet allerdings an, dass laut Recherchen der Zeitung die Angestellte bereits 2009 auf ihre privaten Beziehungen hingewiesen hat und man ihr erst 2010 das Dossiers entzog, als die zweite Vergabe praktisch durch war. (mai)
 
Den Artikel aus dem „Bund“ finden Sie hier: www.derbund.ch