Unia und Zürcher Gipsermeister spannen zusammen

Unia und Zürcher Gipsermeister spannen zusammen

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Die Unia und die beiden kantonalen Zürcher Gipsermeisterverbände werfen der Gipserfirma Goger-Swiss vor, weit über 100 Arbeitern aus Ungarn mehrere Millionen Franken vorzuenthalten. Laut Verbänden und Unia handelt sich um den wohl grössten Lohndumping-Fall im Kanton.

Das Gipserunternehmen sei zwar aufgrund von Lohnbuchkontrollen der Paritätischen Kommissionen (PK) schon zu hohen Nachzahlungen und Konventionalstrafen verpflichtet worden, unterlaufe aber weiterhin systematisch die geltenden Mindestbestimmungen, hiess an der Medienkonferenz von heute Montag. Nun müssten die Bauherren Verantwortung übernehmen, damit das Lohndumping gestoppt werden könne, sagte Unia-Vertreter Roman Burger. Darum haben die Gipserverbände und die Unia die verantwortlichen Bauherren - wie SBB, FIFA, Swiss Life, Implenia, Allreal, Halter und Neue Hotel Atlantis AG - für Mittwochabend zu einem Runden Tisch eingeladen.

Ziel müsse es sein, dass die Bauherren für die korrekte Einhaltung der geltenden Mindestbestimmungen auf ihren Baustellen garantieren, so Burger. Weder für die Gipsermeister noch für die Gewerkschaften sei es akzeptabel, dass „anständige Arbeitgeber der Branche“ ständig von Dumping-Firmen unterboten würden.

Der Firma Goger-Swiss wird vorgeworfen, dass sie einen Grossteil der Arbeiter zu Unrecht als "Hilfsarbeiter" einstuft. Sie operiere auch mit gefälschten Unterlagen. So würden beispielsweise wöchentliche Arbeitszeiten von 42 Stunden ausgewiesen. Tatsächlich werde aber pro Woche 55 bis 60 Stunden gearbeitet, wie einer der ungarischen Arbeiter an der Medienkonferenz sagte. Es würden zwar die Mindestlöhne ausbezahlt, doch dann ein Teil des Lohnes in bar zurückgefordert. Laut Burger resultiert schliesslich ein effektiver Stundenlohn von 11 Euro.

Goger: "Keiner der Vorwürfe trifft zu"

Nicht ein einziger der Vorwürfe treffe zu, schreibt Kurt Goger, Inhaber und Geschäftsführer der angeschossenen Gipserfirma, in einer Stellungnahme. Er verweist darauf, dass sein Unternehmen seit der Gründung vor zehn Jahren noch nie vor Arbeitsgericht eingeklagt worden sei. Seine Arbeiter verdienten nach Abzug von Quellensteuern und Wohnkosten 4000 Franken oder mehr. Goger wirft den Konkurrenten aus der Gipserbranche vor, sie missbrauchten ihre Positionen in der Paritätischen Kommission und seien "eine unheilige Allianz mit der sonst verhassten Unia" eingegangen, um sein Unternehmen loszuwerden.

HRS verweist auf spezielles Kontrollsystem

Die Generalunternehmerin HRS, die im Auftrag der FIFA deren Museum im Haus zur Enge baut, verweist auf ihr spezielles Kontrollsystem. Es regle den Zugang zur Baustelle und sorge dafür, dass nicht nur die Goger-Swiss AG, sondern alle Firmen "GAV-konforme Löhne bezahlen und die Lohndeklarationen von den Arbeitnehmern wahrheitsgetreu ausgefüllt werden". Bisher habe für die HRS kein Grund bestanden, weitergehende Massnahmen gegen die Firma Goger-Swiss vorzusehen. Falls die vorgebrachten Vorwürfe jedoch zuträfen, würden "selbstverständlich Massnahmen in Betracht gezogen", schreibt HRS. (sda/mai)