Unbeirrt durch den Sturm

Unbeirrt durch den Sturm

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Die Baumag wurde auch mit der 14. Ausgabe ihrem Ruf als umsatzstarke Messe gerecht. 15 800 Besucher wurden während vier Tagen gezählt. Der langjährige Messeleiter André Biland übergab das Zepter an Andreas Hauenstein.
 
 
Am Freitagnachmittag und am Wochenende rüttelten heftige Böen an den Kranen und Hebebühnen auf dem Aussengelände der Baumag. Messebesucher hielten ihre Hüte fest, und die Aussteller prüften, ob ihre Zelte sicher verzurrt waren. Den rauen Wind der Wirtschaftskrise, der seit der letzten Baumag 2008 vielen Schweizer Branchen um die Ohren geweht hat, scheint dem Baumaschinen-Sektor dagegen nicht viel ausgemacht zu haben. Die Stimmung an der Baumag 2010 war gut und aufgeräumt, die Kauflust der Kunden ungebrochen. Diese Einschätzung teilten mehrere befragte Unternehmensvertreter.
 
 
Die Messe war ein Publikumserfolg: 15 800 Besucher zählten die Veranstalter, dazu rund 200 Aussteller. Zur Eröffnungsfeier begrüsste der neue Messeleiter Andreas Hauenstein Gäste aus der Politik und der Branche: SVP-Nationalrat Hans Rutschmann (ZH), den Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands Daniel Lehmann sowie den Luzerner Kantonsratspräsidenten Hans Luternauer.

«Wachsen muss die Wirtschaft, nicht der Staat»

Hans Rutschmann plädierte für bessere Rahmenbedingungen in der Wirtschaft und keine Subventionen. Es könne auch nicht sein, dass von Januar bis Juni für den Staat und von Juli bis Dezember für das eigene Portemonnaie gearbeitet werden müsse. Er sprach als jüngstes Beispiel die vom Bundesrat auf den ersten Januar 2010 erhöhte CO2-Abgabe an. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft sei eine gesunde Wirtschaft, die genügend Arbeits- und Ausbildungsplätze bereitstellen könne. «Wachsen muss die Wirtschaft und nicht der Staat», erklärte der als Nationalrat und Präsident des Gewerbeverbandes Kanton Zürich tätige Rutschmann.
 
Daniel Lehmann, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes, warnte davor, Investitionen wegen wirtschaftlicher Abkühlung zu streichen oder erst zu handeln, wenn im Strassen- oder Schienenverkehr Mängel und Störungen auftreten. «Unsere moderne Gesellschaft braucht mehr denn je bauwirtschaftliche Leistungen, die neben dem Hoch- und Wohnungsbau auch den Erhalt unserer gesamten Infrastruktur sicherstellen.» Laut Erhebungen im Bauhauptgewerbe befänden sich Investitionen und Arbeitsvorräte noch auf einem ziemlich hohen Niveau. Wenn er die Baumag als Spiegel dieser Fakten nehme, könne nicht von einer Krisenstimmung gesprochen werden, so Lehmann. Er sieht eine positive, innovative Haltung der Baumaschinenwirtschaft für die Zukunft.

Familiäre Messe mit fachkundigem Publikum

Die Baumag gilt unter Ausstellern als Messe, an der sich Fachleute und Entscheidungsträger aus der Baumaschinenbranche treffen. Auf der Allmend in Luzern sollen nicht nur glänzende Maschinen fürs Prestige präsentiert werden. Die Aussteller wollen auch einen signifikanten Umsatz generieren. «Die Baumag ist eine abschlussstarke Messe», sagt Daniel Steiger, Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung der Hutter Baumaschinen AG. Das Unternehmen gehört zu den Mitinitianten der Messe und war auch 2010 mit einem grossen Stand präsent. «Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Wegen ihrer nach wie vor überschaubaren Grösse können sich die Besucher Zeit nehmen.» Und weil vornehmlich ein Fachpublikum anwesend sei, würden auch zielgerichtet einzelne Stände besucht, so Steiger.
 
Besonders interessant war die Baumag 2010 unter anderem für die Firma Baumot, die Partikelfilter herstellt. Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Baumaschinen mit einer Leistung von mehr als 18 Kilowatt über einen geschlossenen Partikelfilter verfügen. Bis zum 1. Mai 2010 müssen zudem alle Baumaschinen der Schweiz mit einer Leistung von über 37 Kilowatt und ab Jahrgang 2000 mit Partikelfilter nachgerüstet werden, bis 1. Mai 2015 auch jene mit Baujahr vor 2000. Die Harmonisierung auf Eidgenössischer Ebene sorgt für Aufträge bei den Zulieferern. «Das Fachpublikum weiss, dass es Fahrzeuge nachrüsten muss, und kennt sich mit den Produkten aus», führt Roger Kavena, Business Development Manager, aus. «Wir verzeichneten an unserem Stand doppelt so viele Anfragen wie letztes Jahr und konnten einige Abschlüsse tätigen.» Die Baumag stelle eine wichtige Messe dar, um potenzielle Neukunden zu gewinnen.
 
Gedanken über die Zukunft machte man sich auch am Stand der Motorex. Das Unternehmen erforscht, entwickelt und produziert unter anderem Motorenöle, Trennmittel und Hydrauliköle. Auf die Marge gedrückt habe in jüngsten Vergangenheit die Entwicklung der Rohölpreise, erklärt Roger Vonlanthen, Leiter Key Account Management. «Die Krise konnte mit Vorräten aus dem eigenen Rohstofflager abgefedert werden, und mittlerweile bewegen sich die Rohölpreise wieder in einem fairen Rahmen», so Vonlanthen. Motorex will künftig aber vermehrt auf künstliche Additive bei seinen Produkten setzen und so den Mineralölanteil verringern.
 
Andreas Hauenstein stand heuer zum ersten Mal der Baumag vor. André Biland, der 1993 zum Familienunternehmen ZT Fachmessen AG stiess und die Baumaschinen-Messe in Luzern 1994 als Projektleiter übernahm, wird sich künftig anderen Fach- und Publikumsmessen widmen. Biland gelang es, die Baumag stetig zu vergrössern: Vor 17 Jahren teilten sich die Aussteller 5000 Quadratmetern in der Halle 1, heute beanspruchen sie total 20 000 Quadratmeter auf dem ganzen Messegelände mit vier Hallen und einem Aussenplatz. Eine Premiere war die erstmalige Durchführung in der 2009 fertiggestellten ersten Minergie-Messehalle der Schweiz, die die alte Halle 1 ersetzt. Weiter wachsen kann die Baumag nur mit dem geplanten Neubau einer weiteren Minergie-Messehalle, die voraussichtlich 2013 eröffnet werden soll. Die Veranstalter wollen aber auch für die zukünftige Baumag jene Überschaubarkeit und Familiarität garantieren, die die bisherigen Messen auszeichneten. «Wir werden prüfen, ob und mit welchen Mitteln ein weiterer Ausbau Sinn macht», so Andreas Hauenstein gegenüber dem «baublatt». Normalerweise wird die Messe im Zweijahresrythmus durchgeführt. Die nächste Baumag in Luzern findet bereits im nächsten Jahr wieder statt, weil sie 2011 die einzige nationale Baumaschinen-Messe sein wird. Die 15. Baumag wird vom 24. bis 27. Februar 2011 zusammen mit der Schweizermeisterschaft der Maurer durchgeführt. Das teilte die ZT Fachmessen AG mit. (küm)