"Umsicht-Regards-Sguardi": Umsichtiger planen, gestalten und bauen

"Umsicht-Regards-Sguardi": Umsichtiger planen, gestalten und bauen

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Teaserbild-Quelle: René Dürr

Alle vier Jahre ehrt der SIA mit der "Umsicht-Regards-Sguardi"-Auszeichnung Projekte, die zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraums beitragen. Gestern war es wieder soweit. Insgesamt wurden sechs Preise vergeben - darunter für den Bahnhof Oerlikon in Zürich und das Forschungsgebäude NEST der Empa. Zwei weitere Projekte erhielten eine Anerkennung.

Der Idee des Preises entsprechend vergab der SIA den Preis an ausgezeichneten Werke, die von interdisziplinären Planungsteams wurden und die sowohl ökologisch und sozial nachhaltig als auch ganzheitlich gedacht sind. Laut SIA in jeder Hinsicht «umsichtige» Planungen, die auf besondere Weise zur zukunftsfähigen Gestaltung des Lebensraums Schweiz beitragen. Total sind 79 Arbeiten eingereicht worden, davon erhielten sechs eine Auszeichnung und zwei eine Anerkennung.

Bei vier der prämierten Arbeiten geht es um die gewachsene Kulturlandschaft deren Weiterentwicklung: So erhielt die Revitalisierung des Flusses l’Aire bei Genf mit ihrem laut SIA „dezidiert architektonisch-landschaftsgärtnerischen Ansatz“ eine Auszeichnung. Aus Zusammenspiel von Wasserbau, Biologie und Landschaftsgestaltung entstand eine vielfältige Landschaft die Natur und künstliches vereint.

Ebenfalls ausgezeichnet hat die Jury die Erneuerung des Wasserkraftwerks Hagneck bei Biel: Die Verbindung von Kraftwerktechnik, Architektur und Landschaft bildet gemäss Jury „ein wegweisendes Beispiel für die in den nächsten Jahren in grosser Zahl zu erwartenden Erneuerungen von Kraftwerken“.

Das wohl unkonventionellste Landschaftswerk unter den ausgezeichneten Projekten sind die „Ricomposizioni“ in Sceru und Giumello im Tessiner Malvagliatal. Sie erhielten eine Anerkennung und sind übrigens auch schon mit einem Arc Award ausgezeichnet worden. Die zwei Alpweiler auf 2000 Metern Höhe sind längst verlassen. Vor einigen Jahren begann Architekt Martino Pedrozzi zunächst alleine und später mit Helfern, die Steine der umliegenden verfallenen Gebäude innerhalb der noch bestehenden Fragmente zu einem Plateau aufzuschichten. Dabei entstanden Formen, die den ursprünglichen Perimeter des Gebäudes widergeben. Für die Jury ist das Landart-Projekt eine „Referenz an vergangene alpine Nutzungen und eine räumliche Neuinterpretation der vorgefundenen Artefakte“. Sie

Ebenfalls um die Natur geht es beim Umbau des alten Schulhauses im bündnerischen Valendas: Es ist wurde zum Besucherzentrum des Naturparks Beverin umfunktioniert. Die Jury erachtet die neue Nutzung des Schulhauses als „Zeugin für eine engagierte, zukunftsgläubige Bevölkerung ausserhalb der Ballungszentren“.

In einem dieser Ballungszentren, in der Agglomeration Zürich, befinden sich die übrigen ausgezeichneten Projekte. Ebenso wie Genf und Basel wirkt sich auch in Zürich der ökonomische und demographische Wachstumsdruck aus, den es zu gestalten gilt. Ein Dauerthema ist dabei bezahlbarer Wohnraum. Deshalb verlieh die Jury der Wohnsiedlung „Zwicky Süd“ auf dem ehemaligen Gelände der Spinnerei in Dübendorf einen Preis. Hinter dem Projekt steckt die Genossenschaft „Kraftwerk 1“. Die Überbauung beweist laut SIA; dass neben der Energieeffizienz und dem partizipativen Planungsansatz noch mehr möglich ist, nämlich Solidarität über Nationen, Lebensformen und soziale Schichten hinweg. Rund 300 Personen aus über zwölf Ländern wohnen derzeit in der Siedlung; darunter auch solche, deren Miete aus einem Solidaritätsfond mitfinanziert wird.

Als technisch und logistisch aufwendiges Verkehrsprojekt wurde der Ausbau des Bahnhof Zürich-Oerlikon über Zürich hinaus bekannt – vor allem nach der spektakulären Verschiebung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Maschinenfabrik Oerlikon, das dem geplanten verbreiterten Bahntrassee im Weg stand. Die Jury verlieh dem eng mit der Zürcher Durchmesserlinie verbundenen Projekt als „herausragende Gesamtlösung“ eine Aus-zeichnung. Den beteiligten Planern sei es gelungen, trotz einer Vielzahl von Bauherrschaften, dem Bauen unter Betrieb und der mehrfachen Vergrösserung des Projektierungsperimeters eine einheitliche gestalterische Handschrift über alle Bauwerke umzusetzen.

Ebenfalls einen Preis erhielt das Forschungsgebäude NEST der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf ZH. Hinsichtlich Innovatin schwinge das NEST obenaus, schreibt der SIA in der Medienmitteilung.

Eine zweite Anerkennung schliesslich ging an das Gebäudesystem „BS2 Zeleganz“. Das von Hansjürg Leibundgut an der ETH Zürich in zwölf Jahren interdisziplinärer Forschungsarbeit entwickelte „Zeleganz“-Systems (Zero Emission Low Ex ganzheitlich) bewirtschaftet die saisonal variierende Solarenergie. Es setzt nicht auf maximale Dämmung und Energieeffizienz, sondern auf intelligente Steuerung und effektive Speichermedien. Die Jury erachtet Zeleganz als einen wertvollen Baustein zur Umsetzung der Energiestrategie 2050. (mai/mgt)

Nach ihrer Präsentation im Landesmuseum wird die Umsicht-Ausstellung vom 27.-30. März 2017 im Stadtmodellraum der Stadt Zürich, Amtshaus IV, Lindenhofstrasse 19 zu sehen sein, bevor sie in verschiedenen Regionen der Schweiz sowie im benachbarten Ausland gezeigt wird. Weitere Informationen: http://www.sia.ch/de/aktuell/umsicht-17/