Überreste eines Minotauros-Kults in einem Steinbruch

Überreste eines Minotauros-Kults in einem Steinbruch

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Wer die Wohnstätte des sagenhaften Minotauros sehen will, besucht den Palast von Knossos auf Kreta. Möglicherweise liegt man damit falsch. Wie Spiegel-Online berichtete, will ein englischer Forscher das Zuhause der Kreatur in einem alten Steinbruch gefunden haben.
 
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Minotauros wehrt sich gegen Theseus.
 
Ein blutrünstiges Wesen soll einst auf der Insel Kreta sein Unwesen getrieben haben: Minotauros, der den Körper eines Menschen und den Kopf eines Stiers besass. Der Sage nach wurde er in einem Labyrinth gefangen gehalten. Alle sieben Jahre sollen ihm sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge geopfert worden sein. Diese Geschichte hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüsst. Nicht umsonst pilgern alljährlich rund 600'000 Touristen nach Knossos, um den Palast des Königs Minos zu bewundern, wo auch das Gefängnis des Fabelwesens gewesen sein soll.
 
Wo sich das Labyrinth des Minotauros allerdings tatsächlich befunden hat, weiss man bis heute nicht so genau. Nun will der englische Geograph Nicholas Howarth die Wohnstätte der Kreatur aufgespürt haben. Dies berichtete kürzlich Spiegel-Online.
 
Begonnen hatte alles in einer Bibliothek, im englischen Oxford. Nicholas Howarth stiess dort auf eine Karte der Insel Kreta aus dem 17. Jahrhundert. Darauf entdeckte er eine kleine Skizze, die mit „Labirinto“ angeschrieben war. Und dieses Fleckchen war nicht beim Palast von Knossos eingezeichnet, sondern rund 30 Kilometer südwestlich davon, nahe der Stadt Gortyn. Howarth wurde hellhörig und machte sich vor Ort auf die Suche. Er hatte Erfolg: unter einem römischen Steinbruch findet sich dort ein Tunnel- und Höhlensystem. Die Einheimischen nennen es laut Spiegel-Online noch heute „Labyrinthos“. Für Howarth stand schnell fest, dass wenn der Legende ein richtiges Labyrinth zu Grunde liegt, es dieses sein müsse.

Fäden statt Knochen

Die verschlungenen Gänge messen insgesamt 2.5 Kilometer, die einen treffen aufeinander und die anderen enden in Sackgassen. Knochen menschlicher Opfer fand der Forscher zwar keine, dafür aber Fadenreste. Letztere zeugen wohl von einem Minotauros Kult oder vielmehr davon, dass man hier die Sage nach spielte: Denn laut der Sage soll der Held Theseus, der die stierköpfige Kreatur getötet hatte, von Minotauros Schwester Ariadne dafür nicht nur ein magisches Schwert sondern auch einen Faden erhalten haben, mit dessen Hilfe er den Weg markieren konnte um aus dem Labyrinth wieder hinaus zu finden.
 
Auch nachdem die Minotauros-Kulte längst vorbei waren, lockten die unterirdischenn Gänge immer wieder Besucher an. Davon erzählen die Inschriften an den Wänden. Die ersten wurden um 1444 in die Mauern geritzt. Jahrhunderte später sollte das Labyrinth tödliche Gefahren bergen: Im Jahr 1961 kletterten vier Jugendliche ins Tunnelsystem hinunter und fanden den Tod, weil sie dort Munition fanden. Denn im Eingangsbereich liegt bis heute Munition aus dem zweiten Weltkrieg.
 
Wozu man einst die Gänge in den Boden gegraben und gehauen hatte, ist für Howarth noch nicht klar. Fest steht für ihn, dass die Anlage in römischer Zeit als Steinbruch diente. Die Frage, ob das unterirdische Labyrinth aus noch früherer Zeit stammt könne nur eine archälogische Untersuchung beantworten, so Howarth gegenüber Spiegel-Online. (mai)