Über 300jährige Wandmalereien im Schloss Burgdorf entdeckt

Über 300jährige Wandmalereien im Schloss Burgdorf entdeckt

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Teaserbild-Quelle: Matthias Kilchofer, Fischer & Partner AG Restauratoren

Einst schmückten Ranken und Architekturelemente in Grautönen den Schiltensaal von Schloss Burgdorf. Seit bald hundert Jahren gelten sie als verloren. Doch nun tauchten sie im Zuge der Vorbereitungsarbeiten für den Umbau der Anlage wieder auf.

Hoch über der Stadt thront das Schloss Burgdorf. Im 11. Jahrhundert errichtet, diente die Festung einst den Grafen von Rheinfelden und später den Herzögen von Zähringen. In den nächsten Jahren wird es umgebaut: Zusätzlich zu den drei Museen – dem helvetischen Goldmuseum, dem Schlossmuseum und dem Museum für Völkerkunde – sollen in seinen Mauern künftig eine Jugendherberge, ein Lokal für Trauungen und ein Restaurant Platz finden.                                                                                 

Während der Vorbereitungsarbeiten für den Umbau entdeckte ein Restauratorenteam an Wänden und Decke des ehemaligen Hallenbaus längst verloren geglaubte Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert: Ranken- und Architekturmotive in Grisaille-Technik. Der einst prächtige Saal diente ab Mitte des 16. Jahrhunderts als Amtsstube und wird wegen der hier aufgestellten Wappenschilder der Familien der Berner Obrigkeit als Schiltensaal bezeichnet.

Wie schriftliche Quellen belegen, ist der Maler Baschi Gysin mit den Ornamenten beauftragt worden. Jahrzehnte später erneuerte sie Christian Stucki. Und rund hundert Jahre darauf verschwanden die Malereien im Zuge eines Umbaus aus dem prächtigen Saal: Sie wurden hinter Vertäfelung verborgen. Erst 1922 stiessen Bauleute bei einem abermaligen Umbau auf Teile der Verzierungen. Da eine Wand abgebrochen wurde, sind manche davon vollkommen zerstört worden. Was übrig blieb, wurde dokumentiert und wieder hinter Holz gelegt. Nicht entdeckt hatte man allerdings damals die Ornamente an der Decke.

Die Verzierungen waren übrigens nicht immer Grau: Infrarotreflektographie-Aufnahmen zeigen, dass sie Gysin ursprünglich farbig angelegt hatte. Dieser Befund sei für den Kanton Bern einzigartig, teilen die Erziehungsdirektion des Kantons und die Stiftung Schloss Burgdorf mit. - Mittlerweile sind die Malereien sorgfältig demontiert worden. Was mit ihnen geschehen soll, soll laut Medienmitteilung in einem weiteren Schritt abgeklärt werden.

Wer den wiederentdeckten Schatz besichtigen will, kann dies an den Denkmaltagen vom 9. Und 10. September, dann werden die Fundstücke öffentlich ausgestellt. (mai)