Turbulente Generalversammlung der Sika

Turbulente Generalversammlung der Sika

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Die Sika-Generalversammlung in Baar stand vor allem im Zeichen von Voten  kritischer Aktionäre, die das Unternehmen nicht an Saint-Gobain  verkaufen wollen. Die Gründerfamilie Burkard schien für zahlreiche Votanten in der „Schäm-Dich-Ecke“ zu stehen. Die Übernahme bleibt vorerst blockiert. Sicher ist, dass der Verkauf von Sika an den Saint-Gobain-Konzern in eine neue Runde geht, deren Ausgang alles andere als sicher ist.

Gleich zu Anfang der Generalversammlung wurden der Jahresbericht und die Erhöhung der Dividenden mit 99,9% bzw. 99% durchgewinkt. Mit dem Traktandum 3 begannen die Schwierigkeiten. So wurde der Entlastung des Verwaltungsrates Urs Burkard, als Vertreter der Erben, bzw. der Gründerfamilie mit 91,67% der Stimmen zugestimmt. Die übrigen, unabhängigen Verwaltungsräte wurden dagegen nicht entlastet. Jedoch erhielt die Geschäftsleitung die Entlastung für das vergangene erfolgreiche Geschäftsjahr.

Die durch den Verwaltungsrat vollzogene Beschränkung des Stimmrechtes der Gründerfamilie Burkard auf 2,6% für die Traktanden, die den Übergang der Kontrollfunktionen an Saint-Gobain beschleunigen könnten, führte zur (vorläufigen)  Entmachtung der Gründerfamilie.

Sika-Verwaltungsrat Urs Burkard protestierte namens der Gründerfamilie gegen diese Stimmrechtsbeschränkung und bezeichnete diese als ungeheuerliche Enteignung ohne rechtliche Grundlage. Er führte aus, dass es es das gute Recht der Familien-Erben sei, ihre Anteile zu verkaufen. Bei alldem bleibe Sika ein Schweizer Unternehmen. An der Profitabilität werde sich nichts ändern. Und die Arbeitsplätze seien sicher. Diese Äusserungen wurden in der emotional aufgeladenen Stimmung mit Buhrufen bedacht.

Ein Etappensieg - mit ungewisser Fortsetzung

Mindestens fürs erste konnte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg für sich und die um ihn gescharten Verwaltungsräte einen Etappensieg verbuchen. Hälg sprach in seinen Voten von einer „feindlichen Übernahme“. „Es geht um die Zukunft der Sika und ihre 17’000 Mitarbeiter.“ Hälg führte in seinem einleitenden Votum aus, dass es keine industrielle Logik gibt für die von der Familie Burkard angestrebte Transaktion. Das Sika-Mörtelgeschäft, für das im laufenden Jahr ein Umsatz von einer Milliarde Franken erwartet werde, sei das profitabelste und am schnellsten wachsende Geschäft. Es steht in direkter Konkurrenz zum Mörtelgeschäft von Saint-Gobain. Er rechnet im Falle der Transaktion mit einem Wertverlust für Sika von einer Milliarde Franken und einem verschlechterten Kreditrating von Standard&Poors.

Auch für den Börsenwert rechnet Paul Hält mit einer Reduktion um 2,8 Milliarden Franken. Er erwartet massive Minderverkäufen, weil gewisse Sika-Kunden Konkurrenten von Saint-Gobain seien.

Während über drei Stunden äusserten sich zahlreiche Redner, Aktionärsvertreter und ausländische Investoren gegen einen Verkauf an Saint-Gobain, so unter anderen Dominique Biedermann von der Ethos-Stiftung, die Nationalräte Karl Vogler (NW) und Markus Lehmann (BS). Und die Bill Gates Stiftung verlangt  gar eine Sonderprüfung und den Einsatz von Sachverständigen. Trotzdem gab es auch einige wenige Voten, die zur Besonnenheit mahnten und auf eine Einhaltung der im Rahmen des geltenden Aktionärsrechtes geltenden Spielregeln drängten.

Verwaltungsrat wiedergewählt

Verwaltungsratspräsident Paul Hälg bleibt an der Spitze von Sika. Er und alle anderen bisherigen Verwaltungsräte im Gremium wurden an der Generalversammlung wiedergewählt; dank der erlassenen Stimmrechtsbeschränkungen für die Erben-Familie. Hälg wurde mit gut 86 Prozent der Stimmen als Verwaltungsrat und dann mit dem fast gleichen Stimmenanteil auch als Präsident des Aufsichtsgremiums bestätigt.

Nicht gewählt wurde der von der Erben-Familie vorgeschlagene Kandidat Max Roesle. Der bestehende Verwaltungsrat lehnte seine Zuwahl ab: Roesle fehle die Erfahrung, er sei der falsche Mann.

Opposition gab es lediglich bei den Punkten, bei denen die Erben-Familie vollumfänglich mitstimmen konnten. So wurde dem Verwaltungsrat die Entlastung versagt und auch eine künftige Entschädigung für den Verwaltungsrat ausgeschlossen.

Nach dieser turbulenten Generalversammlung dürfte eine einvernehmliche aussergerichtliche Lösung der verfahrenen Situation kaum mehr möglich sein. Ein Weiterzug an die gerichtlichen Instanzen und damit weitere Verzögerungen sind so gut wie sicher. 

Saint-Gobain hält am Sika-Übernahmeplan fest.

Der französische Konzern hat von den GV-Beschlüssen der Sika genommen und seine Entschlossenheit zur Übernahme der Kontrolle am Schweizer Baustoffhersteller bekräftigt.

Saint-Gobain habe "volles Vertrauen in die Schweizer Gerichte", damit die Schenker-Winkler Holding (SWH) der Erben-Familie ihre Rechte in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen wiedererlange. Die Beschränkung der Stimmrechte sei rechtswidrig, heisst es in einem Communiqué, das gegen Ende der Generalversammlung von Sika am Dienstagabend verschickt wurde. In Erwartung dieser Entscheidungen hatte Saint-Gobain die Laufzeit des Kaufvertrages mit der Familie Burkard eine Woche vor der GV bis zum Juni 2016 verlängert. (mai)