Tunneltest: Schlusslicht Gotthard-Strassentunnel

Tunneltest: Schlusslicht Gotthard-Strassentunnel

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Der ADAC hat im Rahmen des diesjährigen Europäischen Tunneltests in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz Strassentunnels unter die Lupe genommen. Obwohl der Gotthardtunnel die Gesamtnote „gut“ erhielt, schnitt er am schlechtesten ab. Die Experten des ADAC stuften sein Risikopotenzial wegen des Gegenverkehrs als besonders hoch ein.

In Deutschland sind vierzehn Tunnel untersucht worden, zwei in Italien, zwei Tunnel in Österreich  und in der Schweiz lediglich der Gotthardstrassentunnel.  Den Mont-Blanc-Tunnel zwischen Italien und Frankreich nahmen die Experten ebenfalls ins Visier. – Der ADAC führt den Tunneltest seit 1999 durch, heuer lieferte es das beste Ergebnis seiner Geschichte, da die Experten 14 Mal die Note „sehr gut“ vergeben haben.

Die Beste Bewertung erhielt der Tunnel Berg Bock auf der A71 bei Erfurt-Schweinfurt bei Suhl. Er ist mit einer Länge von 2,7 Kilometern der drittlängste, zweiröhrige Strassentunnel Deutschlands. Er befindet sich im Gegensatz zum letztplatzierten, mit 16,9 Kilometern drittlängsten Strassentunnel der Welt, dem Gotthardstrassentunnel, in einem vermutlich topographisch und geologisch weniger anspruchsvollen Gebiet als die Schweizer Nord-Süd-Verbindung.

Ursache für die schlechte Platzierung ist das Tunnelsystem, dem der Test das Prädikat „sehr mangelhaft“ verliehen hat. Als besonderen Nachteil erachten die Experten, dass der Tunnel nur aus einer Röhre besteht, die in zwei Richtungen befahren wird. Ebenfalls negativ fielen die verhältnismässig steilen Zufahrtsrampen ins Gewicht. Zum Vergleich: Die Einfahrtsportale des Tunnels Berg Bock befinden sich auf einer Höhe von rund von 527 bzw. 498 Metern über Meer, die Portale des Gotthardtunnels befinden sich auf 1000 bzw. 1100 Metern  über Meer.  Die hohe Verkehrsbelastung mit durchschnittlich 17500 Fahrzeugen pro Trag und der Abstand zwischen den Pannenbuchten – 2800 Meter – sind laut den Testern ebenfalls Mankos.

Immerhin: 2002 stellte ihm der ADAC dem Gotthardtunnel noch die Gesamtnote „mangelhaft“  aus. Damit hat sich der Gotthardstrassentunnel gesamthaft verbessert. Im Vergleich von vor 13 Jahren wurden dieses Mal die Kriterien Verkehrsüberwachung und Tunnellüftung deutlich besser bewertet. „Beim Gotthardstrassentunnel wäre die Note „sehr gut“ erstrebenswert“ schreibt dazu der TCS, der Partnerclub des ADAC ist, in seiner Medienmitteilung.  Er führt als Beispiel den ursprünglich einröhrigen Tauerntunnel in Österreich an, der früher als „mangelhaft“ bewertet und schliesslich nachgerüstet wurde: Seit 2011 fliesst der Verkehr durch zwei Röhren. Der Aufwand habe sich gelohnt, so der TCS. Beim europäischen Tunneltest 2012 erreichte er nämlich die Note „sehr gut“ und den ersten Platz. (mai)

Testgrundlagen

Die Inspektion der 20 Tunnel fand zwischen dem 5. Februar und dem 6. März dieses Jahres statt. Dabei wurden auch sicherheitstechnische Fragen im Gespräch mit den Betreibern geklärt und entsprechende Unterlagen eingesehen. Ausgewählt wurden Testobjekte, die mindestens einen Kilometer lang sowie für den Reiseverkehr von Bedeutung sind. Von den 20 Röhren sind 14 früher schon einmal getestet worden.

Als Bewertungsgrundlage diente eine Checkliste, die sich unter anderem an den hohen Massstäben der Regelwerke für Strassentunnel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich sowie an der EU-Richtlinie über Mindestanforderungen für die Sicherheit von Tunneln im transeuropäischen Straßennetz orientiert. Sie ist 2004 vom Europäischen Parlament verabschiedet worden und gilt für alle Tunnel ab 500 Metern Länge. Jeder neu gebaute Tunnel musste die Anforderungen ab diesem Datum erfüllen, bestehende bis April 2014 nachgerüstet werden. Länder mit sehr vielen Röhren haben bis 2019 Zeit. (mgt)