Tunnelbau vor Berg- oder Talfahrt

Tunnelbau vor Berg- oder Talfahrt

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Teaserbild-Quelle: Gabriel Diezi

Die Arbeit der Schweizer Tunnelbauer könnte bis in ein paar Jahren um 60 Prozent zunehmen – oder um 60 Prozent einbrechen. Das kommt darauf an, ob wichtige Projekte realisiert werden oder nicht. Wie eine Marktstudie im Auftrag des Fachverbands Infra zeigt, machen diese unsicheren Perspektiven der Branche zu schaffen.

Die Marktstudie zeigt laut Mitteilung von Infra, dass das Bauvolumen im Tunnelbau bis in sechs Jahren um bis zu 60 Prozent zunehmen wird – jedoch nur, wenn wichtige Projekte realisiert werden können. Blieben diese aber aus, schrumpfe der Markt – ebenfalls um satte 60 Prozent. Diese Situation möge auf den ersten Blick erstaunen, denn mit dem Verkehr auf Strassen und Schienen wachse auch die Wunschliste für neue Tunnelbauten. „Die politischen und juristischen Hürden im Entscheidungsprozess sind in der Schweiz aber derart hoch, dass es nicht selten Jahrzehnte dauert, bis ein Tunnelprojekt umgesetzt werden kann“, heisst es im Communiqué. Die dritte Röhre am Gubrist zeige exemplarisch, wie dringend benötigte Engpassbeseitigungen durch Einsprachen und langwierige Gerichtsprozesse blockiert werden könnten.

Wie es in der Mitteilung heisst, könnten die Baufirmen kaum abschätzen, ob sie ihre Kapazitäten ausbauen oder reduzieren sollen. „Die Tunnelbauer brauchen Klarheit, welche Grossprojekte in den kommenden zehn Jahren realisiert werden“, fordert deshalb Benedikt Koch, Geschäftsführer von Infra. Ansonsten verliere der Tunnelbau nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch wichtiges Fachwissen.

Vor allem Sanierungsstollen

Dennoch ist das Marktvolumen bei Strassentunnels einigermassen stabil. Im Rahmen der Netzvollendung und der Engpassbeseitungung hat unter anderem der Bau eines Sanierungstunnels am Belchen begonnen. Sicherheitsstollen machen laut Mitteilung bei den Nationalstrassen aktuell bis zu 50 Prozent aus. Auf das gesamte Tunnelbauvolumen gesehen sind es jedoch lediglich zehn Prozent. Der Beitrag der kantonalen Umfahrungsprojekte an das gesamte Bauvolumen steige in den kommenden Jahren von sechs auf über 15 Prozent. Entscheidend werde für die Tunnelbauer mittelfristig sein, ob und wann der Bypass Luzern und der Sanierungstunnel am Gotthard realisiert werden könnten, heisst es.

Bahntunnelbau wird zurückgehen

In Sachen Bahntunnel lag der Anteil an Projekten in den letzten Jahren bei rund 50 Prozent. Gemäss Studie wird er in Zukunft aber nur noch 25 Prozent ausmachen. Das sei eine Entwicklung, die kaum überrasche. „Uns ist klar, dass der Bahntunnelbau nach der Fertigstellung der Neat deutlich zurückgeht“, sagt Benedikt Koch. Komme hinzu, dass andere grosse Tunnelprojekte – etwa das Ceva-Projekt in Genf – bald abgeschlossen seien. Der Rückgang beim Bahntunnelbau könne selbst durch den geplanten Tiefbahnhof Bern, den zweiten Tunnel am Bözberg oder den neuen Albulatunnel der Rhätischen Bahn nicht gestoppt werden. Auch die verschiedenen Sanierungen oder der Vier-Meter-Korridor auf der Achse Basel-Chiasso vermögen das schrumpfende Volumen bei den Neubauten nicht zu kompensieren. (pd/mt)

Quelle: 
Gabriel Diezi
Sanierung Belchentunnel