Tunnelbau für Appenzeller Durchmesserlinie startet bald

Tunnelbau für Appenzeller Durchmesserlinie startet bald

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Eine eigene S-Bahn für das Appenzellerland: Dank der sogenannten Durchmesserlinie (DML) können die Züge der Appenzeller Bahnen (AB) künftig zwischen Teufen und Trogen im Viertelstundentakt unterwegs sein.

Kommen sie von Teufen her, heisst es für die Züge der Appenzeller Bahn heute beim St. Galler Nebenbahnhof noch „Endstation“. Das gilt auch für diejenigen, welche aus der entgegengesetzten Richtung – von Trogen AR - einfahren. Dem wird bald nicht mehr so sein: Ende Jahr sollen die beiden Linien miteinander verbunden und zur DML werden. Dies erklärte AB-Sprecher Alexander Liniger auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Möglich machen sollen die DML die Umgestaltung des Bahnhofs und vor allem der Bau eines rund 700 Meter langen Tunnels, der unter der Ruckhalde von St. Gallen hindurchführt. Zurzeit verkehren die Züge der Appenzeller Bahn dort noch im steilen Gelände und im Zahnradbetrieb.                                                     

Jahrzehntelange Uneinigkeit

Die DML ist das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Appenzeller Bahnen: So werden allein für den Bau des Tunnels mit Kosten von rund 63 Millionen Franken gerechnet. Fällt die letzte Zahnradstrecke im Zuge des neuen Tunnels weg, können die alten Kompositionen gemäss Appenzellerbahnen mit günstigeren und komfortableren Niederflurzügen ersetzt werden. Eine solch neue Flotte kostet das Bahnunternehmen rund 95 Millionen Franken.

Die Vorgeschichte der Modernisierung des 1904 in Betrieb genommenen Streckenabschnitts von St. Gallen nach Appenzell ist lang: Schon Mitte der 70er-Jahre ist ein Projekt für einen Ruckhaldetunnel vorgelegen. Zwar wurde es 1976 vom Bund genehmigt, aber realisiert wurde es nie. Grund war die Streckenführung, über die man sich während Jahrzehnten nicht einig werden konnte. Auch das aktuelle Projekt musste nach Protesten und über dreissig Einsprachen überarbeitet werden. Dieses Mal war eine überdimensionierte Betonrampe bei Tunneleingang der Auslöser, sie hätte das Zentrum des Quartiers Riethüsli durchschnitten.

Bauland wird frei

Schliesslich konnte das Projekt 2009 und die Überarbeitung des Tunnelportals im Riethüsli-Quartier 2011 eingereicht werden. Ende 2015 erhielt der Bau der DML der Appenzeller Bahnen vom Bundesamt für Verkehr (BAV) grünes Licht.

Auch wenn die Vorarbeiten für den Ruckhaldetunnel bereits in Angriff genommen worden sind, gibt es eine weitere Planänderung. So liegt seit vergangener Woche ein Änderungsgesuch öffentlich auf: Das Tunnelportal beim Güterbahnhof soll um dreissig Meter nach Norden verschoben werden. Die Verlängerung auf 730 Meter erfolge auf Wunsch der Stadt St. Gallen und verursache keine Mehrkosten, erklärte Liniger. Das rund 30'000 Quadratmeter grosse Areal ist in städtischem Besitz. Nur das Trassee, das frei wird, gehört den Appenzeller Bahnen. Für die Stadt werden damit attraktive Baulandreserven frei.

Mehr Passagiere befördern

Das Projekt kostet rund 90 Millionen Franken. Knapp die Hälfte davon - 41 Millionen Franken - trägt der Bund. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden übernimmt 24 Millionen, St. Gallen 16 Millionen und Appenzell Innerrhoden 7 Millionen Franken. Die Parlamente und die Landsgemeinde in Appenzell haben die Kantonsbeiträge bewilligt. Das Innerrhoder Volk durfte als einziges über die Durchmesserlinie entscheiden.

Die zukunftstaugliche Agglomerationsbahn ins Appenzellerland soll nicht nur schneller, sicherer und bequemer verkehren, sondern auch mehr Passagiere bringen. Laut Liniger ist die Zahl der Fahrgäste von 2006 bis 2014 um 15 Prozent angestiegen. Mit der neuen Linie soll sich dieser Trend fortsetzen. (mai/sda)