Türmchen des Anstosses

Türmchen des Anstosses

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Das Minarett von Langenthal sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Ob es gebaut wird, entscheidet nun das Berner Verwaltungsgericht. Wie das „Langenthaler Tagblatt“ berichtet, ist noch nicht klar, wann es soweit sein wird.
 
Im Juni vor fünf Jahren hatte die islamische Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit ein Baugesuch für ein Minarett in Langenthal sowie die Erweiterung und Erneuerung ihres Kultur- und Begegnungszentrums eingereicht. Das Projekt erhielt von den Behörden grünes Licht. Allerdings gingen während der Einsprachfrist 76 Einsprachen gegen das Bauvorhaben ein. In der Folge entfachte sich ein jahrelanger Rechtsstreit. Und mit der Minarett-Initiative drohte dem Projekt im November 2009 schliesslich endgültig das Aus. So meinte die damalige Justizministerin Evelyn Widmer-Schlumpf, dass geplante Bauten, bei denen noch ein Verfahren hängig ist, unter das Verbot fallen. Wie der Sprecher von Simonetta Sommaruga gegenüber dem „Langenthaler Tagblatt“ aber kürzlich ausführte, muss gerichtlich geklärt werden, ob ein Minarett errichtet werden darf, das vor der Abstimmung bewilligt wurde.
 
Zurzeit liegt der Fall beim Berner Verwaltungsgericht. Das „Langenthaler Tagblatt“ hat nachgeforscht, wie es um das Projekt steht. Mit einem Entscheid lasse sich bezüglich der Bewilligung für das Langenthaler Minarett das Verwaltungsgericht Zeit, ist im Artikel zu lesen. Wann das Gericht entscheide sei laut dem Präsident der Verwaltungsrechtlichen Abteilung Thomas Müller unklar. Der Grund, weswegen das Minarett das Verwaltungsgericht beschäftigt, liegt darin, dass die kantonale Bau, Verkehrs- und Energiedirektion im Herbst letzten Jahres ihren Segen zum Minarett gab, unter anderem mit der Begründung, dass es die die maximale Gebäudehöhe von 10 Metern nicht überschreite. Dies sorgte für heisse Köpfe und weiteren Streit, der in einer Demonstration gegen die Baubewilligung gipfelte.

Vier Minarette in der Schweiz

Doch nicht nur in Langenthal löste ein Minarett heftige Diskussionen aus. Auch der islamische Verein im sanktgallischen Wil plante, ein Zentrum samt Minarett zu bauen. Als das Projekt der islamischen Glaubensgemeinde publik wurde, regte sich in der Ostschweiz massiver Widerstand. In der Folge beschloss man, das Zentrum ohne einen solchen Turm zu planen.
 
Mehr Glück hatte übrigens der türkische Kulturverein Olten in Wangen bei Olten: Er konnte 2009 seine Moschee um ein kleines Minarett erweitern. Ausser in Olten gibt es in der Schweiz noch drei Minarette: Das Älteste steht in Zürich (Mahmud Moschee, Baujahr 1963). Über eine Moschee mit Minarett verfügt auch Genf im Quartier Petit-Saconnez, sie wurde 1973 erbaut. In Winterthur stammt das Gotteshaus mit Minarett des Islamischen-Albanischen Vereins aus dem Jahr 2005. (mai)