"Tsunamis bei Wasserkraftwerken stoppen"

"Tsunamis bei Wasserkraftwerken stoppen"

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Teaserbild-Quelle: Bild: wikimedia, CC
An über 100 Stellen in Schweizer Flüssen ist "Schwall und Sunk" die Regel, beklagt der Schweizerische Fischerei-Verband. Er fordert die Kantone auf, die Betreiber von Wasserkraftwerken zur Sanierung zu zwingen, um Tiere und Menschen vor den täglichen Tsunamis zu schützen.

Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) nahm am Donnerstag vor Medienvertretern in Bern kein Blatt vor den Mund. An über 100 Stellen in Schweizer Flüssen spiele sich mehrmals täglich ein "Tsunami" ab, sagte SFV-Zentralpräsident Roland Seiler und erläuterte, dass die Betreiber der Kraftwerke durch mehrmals tägliche, künstliche Wasserschwankungen ihren Profit aus der Stromproduktion steigern. Die Kantone müssten die Betreiber von rund 100 Kraftwerken nun in die Pflicht nehmen, um Tiere und Menschen zu schützen.

Hohe Wasserführung wird als Schwall bezeichnet, niedrige Wasserführung als Sunk. In der Schwallphase werden Fische und Kleinlebewesen laut Angaben des SFV brutal weggespült und auch Menschen im Flussbett gefährdet. In der Sunkphase wiederum stranden die Fische auf den flachen Uferzonen. Darüber hinaus kann Trockenheit und Überflutung im Schwall-Sunk-Betrieb auch am Ufer lebenden Tierarten schaden.

Das Verhältnis zwischen Schwall- und Sunkabfluss sollte laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) idealerweise 1,5 zu 1 betragen. Gemäss SFV-Präsident Seiler können Fachleute aber auch ein Verhältnis von 5 zu 1 akzeptieren. Bei Anlagen wie dem Kraftwerk Schiffenen FR an der Saane belaufe sich das Verhältnis jedoch auf 27 zu 1, mahnte er.

Das verschärfte Gewässerschutzgesetz, das seit 2011 in Kraft ist, gibt den Kraftwerken 20 Jahre Zeit, die bereits jetzt für die Umwelt schädlichen Schwall-Sunk- Betriebe zu sanieren. Bis Ende 2014 müssen die Kantone dem Bund Sanierungspläne vorlegen. Seiler wurde deutlich: "Die Kantone müssen die Betreiber in die Zange nehmen". Er forderte das BAFU auf, bis spätestens Mitte 2015 eine komplette Liste der sanierungspflichtigen Anlagen zu publizieren.

Der SFV-Vorsitzende lobte den Entscheid des Ständerates vom Mittwoch, das Gewässerschutzgesetz nicht zu verwässern, weil er eine Reihe von Vorstössen aus dem Nationalrat abgelehnt hatte. Darunter waren Standesinitiativen aus neun Kantonen, bei der Ausscheidung des Gewässerraums die Interessen der Landwirtschaft oder der Siedlungsentwicklung stärker zu gewichten oder ihnen mehr Spielraum bei der Umsetzung einzuräumen. Seiler hofft nach dem Entscheid des Ständerats, dass Ruhe einkehrt und die Kantone das Gesetz umsetzen.

Vom Kraftwerkbetreiber Groupe E gibt es jedoch schon Positives zu vermelden: Er prüft derzeit Pläne, einen guten Teil des Wassers der Saane nicht mehr über sein Kraftwerk Schiffenen in die Aare, sondern durch einen neuen Stollen und ein neues Kraftwerk direkt in den Murtensee fliessen zu lassen.(tw/sda)