Totes Meer starb von 120`000 Jahren

Totes Meer starb von 120`000 Jahren

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Teaserbild-Quelle: Christian Haugen/flickr
Für die Klimaerwärmung werden als Beweise augenfällige Phänomene wie der ansteigende Meeresspiegel angeführt und der Rückgang der Gletscher. Aber auch das Tote Meer, dessen Wasserspiegel jedes Jahr um einen Meter sinkt und deswegen auszutrocknen droht. Wie neueste Forschungen zeigen, ist dies nicht zum ersten Mal der Fall.
 
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Einst dürfte sich das Tote Meer über das gesamte Jordan-Tal erstreckt haben.
 
Das Tote Meer hat in früheren Zeiten wesentlich weniger Wasser geführt und war in gewissen Perioden sogar ganz ausgetrocknet. Dies konnte ein Forscherteam der Universität Genf unter der Leitung von Daniel Ariztegui nachweisen. Ihre Erkenntnisse decken sich auch mit der bereits erwiesenen Tatsache, dass die Alpengletscher ebenfalls Phasen hatten, in denen sie grösser aber auch kleiner waren als heute.
 
Entsprechende Schlüsse für das Tote Meer erfolgten auf Grund von Bohrungen auf 235 Metern Seetiefe und der dabei zutage geförderten Sedimente: Die Wissenschaftler fanden darin Kieselsteine, wie sie sonst nur an Uferzonen vorkommen und grosse Salzzonen. Ariztegui und sein Team schliessen daraus, dass der Seespiegel früher auf diesem Niveau oder darunter lag. Die Bohrungen förderten auch Gips, Aragonit, Schlamm und Kalk zutage. Damit wird klar, dass der heute auf 422 Meter unter dem Nullpunkt liegende Seespiegel in prähistorischen Trockenperioden sogar auf 650 Meter oder noch tiefer unter dem Meeresspiegel lag.
 
Das Besondere an der aktuellen Situation des Toten Meeres ist die Geschwindigkeit des Austrocknungs-Prozesses. Grund dafür ist die Wasserentnahme der Landwirtschaft der Anrainer Staaten sowie die Verdunstung, die durch die künstliche Salzgewinnung noch gefördert wird. Die Forschungresultate zeigten, dass es in den Wärmeperioden der Erde auch natürliche Rückgänge des Wassergehalts gegen hat.
 
Für Daniel Aruztegui ist das Tote Meer ein guter Sensor für die Globaltemperatur. Im Gegensatz zu heute haben Kältezeiten, die sich in Europa als Eiszeiten bemerkbar machten, gegenteilige Auswirkungen. So lag der Wasserstand des Toten Meeres zum Beispiel vor 25'000 Jahren etwa 260 Meter höher als heute. Damals erstreckte es sich über das ganze Jordan-Tal und reichte bis zum See Genezareth. Wichtig sind diese Erkenntnisse gemäss Aruztegui auch deshalb, weil laut heutigen Klimamodellen ganzen Regionen des Nahen Ostens ein vergleichbares Schicksal der Austrocknung bevorsteht. (mai/mgt)