Tödliches Glas

Tödliches Glas

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Teaserbild-Quelle: PD
Alljährlich sterben mehrere Millionen Vögel in der Schweiz, weil sie in Glasscheiben knallen. Diese Hochrechnung machen Vogelschützer aufgrund einer neuen Erhebung. Opfer sind praktisch alle Arten, vom winzigen Zaunkönig bis zum stattlichen Eichelhäher.
 
 
Für die Erhebung wurden insgesamt 15 Gebäude während 16 Wochen täglich nach toten Vögeln abgesucht, wie der Schweizer Vogelschutz SVS/Birdlife und die Schweizerische Vogelwarte mitteilen. Das Ergebnis: Die Zahl der Opfer dürfte deutlich höher liegen als bisher vermutet. Denn bis anhin gingen Fachleute von ein bis zwei toten Vögeln pro Jahr und Gebäude aus. Die neue Erhebung zeige nun, dass fünf bis sechs Vögel pro Haus realistisch seien, so der Vogelschutz. Bei 1,6 Millionen Gebäuden in der Schweiz dürften jedes Jahr mehrere Millionen Vögel wegen Glasscheiben sterben, erklärt dazu Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Zudem hat sich bei der Untersuchung heraus gestellt, dass nicht nur bestimmte Vogelarten von solchen Unfälle betroffen sind.

Sinnlose Silhouetten

Für die in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin "Einstein" des Schweizer Fernsehens durchgeführte Studie wurden auch rund 100 Meldungen des Fernsehpublikums ausgewertet. Selbst bisher als eher unproblematisch erachtete können der Studie zufolge für Vögel tödlich sein..
 
Um solches zu verhindern, raten der Swiss Bird Life und die Schweizer Vogelwarte etwa möglichst reflektionsarmes Glas zu verwenden. Eine weitere Möglichkeit sind sandgestrahltes, geätztes oder bedrucktes Glas sowie Gussglas, Milchglas, oder Glasbausteine. Daneben schlagen die Tierschutzorganisationen unter anderem vor, Jalousien, Rollos oder farbige Dekorationen bei den Fenstern anzubringen. Denn die üblichen aufgeklebten Vogelsilhouetten helfen wenig: Sie werden von kleinen Vögeln zwar erkannt, aber diese realisieren nicht, dass sie an der aufgeklebten Silouette nicht vorbeifliegen können und prallen darum trotzdem ins Glas.
 
Gut möglich, dass demnächst die Glasindustrie selber Abhilfe schaffen kann. Laut Kestenholz ist die Vogelwarte zurzeit im Gespräch mit der Glasindustrie, für die Herstellung neuartiger Scheiben. Die Idee: Ins Glas wird ein Ultraviolett-Muster eingefügt, das zwar von Vögeln aber nicht von Menschen wahrgenommen werden kann. Momentan gebe es aber noch keine markttauglichen Produkte, so Kestenholz. (sda/mai)