Tiefrote Zahlen bei Alpiq: Konzern will Speicherkraftwerke verkaufen

Tiefrote Zahlen bei Alpiq: Konzern will Speicherkraftwerke verkaufen

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Nachdem der Energiekonzern Alpiq 2015 einen Reinverlust von 830 Millionen Franken erlitten hat, will der Konzern bis zu 49 Prozent seines Wasserkraftportfolios verkaufen. In Frage kommen als Käufer in- und ausländische Investoren, die einen langfristigen Anlagehorizont in nachhaltiger Energieerzeugung haben.

Mit dem teilweisen Verkauf soll laut Alpiq-Cheffin Jasmin Staiblin die Abhängigkeit von den Grosshandelspreisen reduziert werden. Man wolle die Wasserkraft auf eine solidere und zukunftsfähigere Basis stellen, so Staiblin heute vor den Medien. Käufer der Anteile könnten auch Energieversorgungsunternehmen sein, die einen Zugang zum Endkundenmarkt hätten. Die Schweizer Hauptaktionäre der Alpiq hätten bereits Interesse angekündigt. Diese haben - anders als der Energiekonzern - ein Endkundengeschäft mit regulierten Tarifen. Alpiq verkauft den produzierten Strom jedoch im Grosshandel - und fährt damit einen grossen Verlust ein. Der Strompreis für die Grosshandelskunden sei in nur einem Jahr um einen Drittel gesunken. Damit sei nahezu kein Kraftwerk kostendeckend aufgestellt. Hinzu komme der starke Franken, führte Staiblin aus.Diese Kombination übe einen grossen Druck auf die Schweizer Wasserkraft aus. Das stelle sämtliche klassischen Energieproduzenten vor grösste Herausforderungen. Wasserkraft sei ein kapitalintensives Geschäft.

Das Schweizer Wasserkraftportfolio der Alpiq besteht aus zwölf Speicherkraftwerken, einem Pumpspeicherkraftwerk sowie aus fünf Flusskraftwerken. Diese Anlagen, an denen Alpiq beteiligt oder Eigentümerin ist, befinden sich in den Kantonen Wallis, Graubünden, Waadt, Tessin und Solothurn. Es handelt etwa um die Speicherkraftwerke Grande Dixence, Engadin, Blenio oder Hinterrhein.

"Wir bleiben eine 51-prozentige Wasserkraftproduzentin", sagte Staiblin. Sie machte klar, dass man sich auch weiterhin für die Zukunft der Wasserkraft einsetze. Die Wasserkraft sei flexibel und langfristig die günstigste Energie, die es gebe. Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien werde die Wasserkraft nicht vom Staat unterstützt, sondern müsse hohe Abgaben wie Wasserzinsen leisten, hielt die Alpiq-Chefin fest. Das treffe die Schweizer Wasserkraft hart. Sie forderte die Politik auf, das bestehende Modell zu ändern. Staiblin zufolge betragen die Gestehungskosten der Wasserkraft 6,5 Rappen pro Kilowattstunden (kWh). Auf dem Markt kann derzeit ein Preis von 2,8 Rappen pro kWh erzielt werden. Von den Gestehungskosten könnten zwei Drittel nicht beeinflusst werden.

Ablaufdatum bei AKW

Auch der Strom aus den Schweizer Atomkraftwerken kann derzeit nicht kostendeckend verkauft werden. Beim AKW Gösgen SO betragen die Gestehungskosten 4,5 Rappen pro kWh und beim AKW Leibstadt AG 5,5 Rappen pro kWh. Alpiq ist an beiden AKW massgeblich beteiligt. Die Wasserkraft hat gemäss Alpiq jedoch eine Zukunft und nicht wie die Atomenergie ein Ablaufdatum. Daher setzt der Energiekonzern den Hebel bei der Wasserkraft an, um wieder Gewinn zu schreiben.

Nicht in die Karten schauen lassen wollte sich die Alpiq-Chefin Staiblin zu einer angeblich angedachten Verstaatlichung der AKW. Die "Basler Zeitung" zitierte am Montag aus einem Strategiepapier einer Lobbystengruppe, wonach die AKW in einer Auffanggesellschaft zusammengefasst und einem staatlichen Eigentümer übergeben werden sollen. Es wäre mit Sicherheit ein Fehler, wenn sich Führungsverantwortliche nicht allen möglichen Optionen öffnen würden, diese analysierten und zum Schluss eine Entscheidung treffen würden, welche Option der gangbare Weg sein werde in Zukunft, sagte Staiblin dem Fernsehen SRF.

Stark gesunkene Grosshandelspreise und der Wechselkurs würden Kopfzerbrechen bereiten, sagte Alpiq-Finanzchef Thomas Bucher. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2015 von 8,1 Mrd. Franken auf 6,7 Mrd. Franken ein. Der Starke Franken führte zu Abschreibungen und Rückstellungen nach Steuern in Höhe von 855 Mio. Franken. Unter dem Strich resultierte ein Konzernverlust von 830 Mio. Franken - dies nach einem Verlust von 902 Mio. Franken.

Zwar hatte Alpiq 2013 einen kleinen Gewinn von 18 Millionen Franken verzeichnet. 2012 lag der Verlust bei 1,09 Milliarden Franken. Im Geschäftsjahr 2015 drückte der Konzern die Nettoverschuldung um 640 Mio. auf 1,299 Mrd. Franken. Wegen der weiterhin angespannten Ertragslage beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung, keine Dividende auszuschütten. (sda/mai)