Tessiner fordern zweite Röhre

Tessiner fordern zweite Röhre

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Die drohende Schliessung des Gotthard-Strassentunnels wegen der Totalsanierung sorgt im Tessin für Unmut: Die CVP und die Lega dei Ticinesi drängen auf den Bau einer zweiten Röhre. Die Planungen für dieses Bauwerk sollen unverzüglich in Angriff genommen werden.
 
Nur mit einer zweiten Röhre könne der Engpass am Gotthard behoben werden, argumentieren die beiden Parteien. Sie verwiesen in ihren Communiqués auf eine Resolution, die das Tessiner Kantonsparlament im letzten November verabschiedet hat: Es fordert den Ausbau des 16,9 Kilometer langen Tunnels, der seit seiner Eröffnung im Jahre 1980 im Gegenverkehr betrieben wird. Dabei schebt den Tessinern schwebt eine zweite Röhre mit zwei Fahrbahnen vor. Eine Spur soll dabei für den Einsatz von Rettungskräften reserviert bleiben. Dieses Projekt ist laut den Initianten nicht verfassungswidrig, weil es nicht zu einer Verkehrszunahme durch die Alpen führen würde. Zudem könne mit einer zweiten Röhre die Sicherheit im Tunnel erhöht werden.
 
 
Im Herbst 2001 hatte der Gotthardstrassentunnel wegen einer Brandkatastrophe für zwei Monate geschlossen werden müssen. Daraus war dem Tessin damals ein volkswirtschaftlicher Schaden von 33 Millionen Franken enstanden. Eine mehrmonatige Schliessung des Tunnels wegen der Totalsanierung, die früher oder später unausweichlich werde, käme das Tessin deshalb erneut teuer zu stehen, schreibt die CVP.
 
Wie das Bundesamt für Strassen (Astra) das Bauwerk zu sanieren plant, ist noch nicht klar: Zur Debatte stehe unter anderem eine längere Öffnung der Passstrasse im Winter und ein Bahnverlad für Autos und Lastwagen, hatte das Astra anfangs Woche verlauten lassen. Die Tessiner CVP bezeichnet diese Möglichkeit als "illusorische Lösungen". Damit könne das Problem nicht behoben werden, warnt die Partei. Ähnlich tönt es bei der Lega: Sie bezeichnet das Vorgehen des Astra als bedenklich.
 
Für den Tessiner SP-Nationalrat Fabio Pedrina, den Präsidenten des Vereins Alpeninitiative, stellt der Bahnverlad hingegen durchaus eine taugliche Alternative dar. Eine Studie der Alpeninitiative belege, dass der Bahnverlad durch den alten Bahntunnel im Zwölf-Minuten-Takt möglich sei. Im Neat-Basistunnel wiederum könne dreimal pro Stunde ein Zug mit Lastwagen verkehren, so Pedrina. (sda/mai)