Technischer Durchbruch für die Energiewende

Technischer Durchbruch für die Energiewende

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Dem Elektrokonzern ABB ist ein lang ersehnter technischer Durchbruch für die Energiewende gelungen. Die Ingenieure hätten es geschafft, eine Sicherung für weitreichende Gleichstromverbindungen zu entwickeln, teilten die Zürcher am Mittwoch mit.
 
Damit können lange Stromtrassen - wie etwa von der Nordsee in den Süden - oder moderne Netze stabiler betrieben und Grossverbraucher direkt angeschlossen werden. "ABB hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektrotechnik aufgeschlagen", wird Vorstandschef Joe Hogan im Communiqué zitiert. Dieser historische Durchbruch macht es möglich, das Netz der Zukunft zu errichten. ABB habe ein 100 Jahre altes Rätsel der Elektrotechnik gelöst, erklärte Hogan. Schutzschalter für sogenannte Hochspannungs-Gleichstromübertragungs-Netze (HGÜ) waren das bisher fehlende Glied für einen flächendeckenden Durchbruch der Technik. Diese wird vor allem zum Anschluss von Windparks auf hoher See und zur Übertragung von grossen Energiemengen in Meereskabeln und auf grossen Distanzen genutzt.
  
Geringere Stromverluste
 
Bei der Gleichstromübertragung sind die Verluste im Gegensatz zum gängigen Wechselstrom-Transfer auf langen Strecken deutlich geringer. Damit liessen sich die Stromverluste um bis zu 50 Prozent senken, hiess es. "Nun wird es erstmals möglich sein, die Effizienzvorteile der Gleichstrom-Übertragung mit der Stabilität herkömmlicher Netze zu kombinieren", sagte ein ABB-Sprecher. Die Sicherung löse innerhalb von fünf Millisekunden aus und unterbreche den Strom mit der Leistung eines Grosskraftwerks.
  
Die neuen Schutzschalter könnten ein Kernproblem der HGÜ lösen. Bislang wurden die Verbindungen meist genutzt, um lediglich zwei Punkte miteinander zu verbinden. Hohe Gleichströme liessen sich bisher effektiv nicht abschnittsweise sichern, daher konnten im Gegensatz zum Wechselstrom nur schlecht mehrere Verbraucher wie etwa Industriebetriebe angeschlossen werden.
  
Würde eine Fabrik einen Kurzschluss verursachen, fiele das komplette Gleichstromnetz aus. Kritiker monieren an dem von ABB vorgestellten Prototypen allerdings, dass er bislang noch nicht an das Leistungsniveau moderner HGÜ-Leitungen heranreicht, die bis zu 800 Megawatt führen.
  
Grosser Markt
 
Der Markt für die Schutzschalter wird von Experten auf mittlere Sicht als riesig eingeschätzt. Ein Sprecher des deutschen ABB-Rivalen Siemens hatte noch im Frühjahr erklärt: "Wer als erster so einen Schalter erfindet, wird sich eine goldene Nase damit verdienen." Auch Siemens arbeitet an einem HGÜ-Leistungsschalter. HGÜ-Leitungen erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit, den Markt teilen ABB und Siemens weitgehend untereinander auf. Auch die geplanten Stromautobahnen von der deutschen Küste in die Verbrauchszentren des Südens sollen nach bisherigen Planungen Gleichstrom transportieren.
 
 
Die Technik wird vor allem verwendet, um Strom über weite Distanzen von mehreren hundert Kilometern zu bringen. So installiert ABB derzeit etwa eine Verbindung von den Wasserkraftwerken im Himalaya zum Grossraum Neu Delhi.
 
Zudem spielt HGÜ eine grosse Rolle beim Anschluss von Windparks auf See, wo der Strom häufig kaum anders ins Festlandnetz eingespeist werden kann. Bei dieser Anwendung kämpfen allerdings die Hersteller mit Problemen, der Anschluss der Umspannstationen im Meer verzögert sich seit langem. (sda)