Studio Mumbai: Gemeinsame Projekte von Architekten und Handwerkern

Studio Mumbai: Gemeinsame Projekte von Architekten und Handwerkern

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Studio Mumbai architects, Cooper Haus II, Chondi, Maharashtra\Indien, 2011 (Mitul Desai / DAM) 1/11

Von indischer und westlicher Kultur beeinflusst sowie von traditionellem Handwerk und moderner Architektur geprägt: Die Projekte des Studio Mumbai werden von Architekten und Handwerkern gemeinsam entwickelt. Die aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum und nachfolgende Bilderstrecke stellen einige davon vor.

In der kleinen Hafenstadt Alibag, rund 30 Kilometer südwestlich von Mumbai entfernt, wird unter anderem auch an Bauprojekten für die Megacity gearbeitet. Architekt Bijoy Jain hat hier das Werkstattbüro seines Studios Mumbai eingerichtet. Das besondere daran: Von den rund hundert Mitarbeitern,  die sich an der Entwicklung der Projekte beteiligen, sind die wenigsten Architekten. Das Gros machen Handwerker aus. Es sind Steinmetze, Mauerer, Zimmerleute, Möbelschreiner oder Blechschmiede. Man arbeite zusammen an einem Ort, erklärt Jain. „Alle fühlen sich dem Ziel verpflichtet, eine Architektur zu gestalten, die eigenen Grenzen überschreitet.“  Dabei entstehen  oft bis ins letzte Detail durchdachte, sehr zeitgemässe Gebäude, die aber auf lokalen Baustoffen und traditionellen Handwerkstechniken basieren.

„Am Anfang war meine Arbeitsweise noch relativ konventionell und auch nicht besonders erfolgreich“, erklärt Jain im Interview mit dem Deutschen Architekturmuseum. Er habe den Handwerkern Pläne und technische Beschreibungen übergeben, diese seien zwar ausserordentlich begabt gewesen aber hätten keine Ahnung gehabt, wie man einen Bauplan lese. „Ich brauchte sehr viel Zeit um meine Vorhaben zu erklären.“  Er habe gemerkt, dass er dazu neigte, ihnen die Formensprache der Moderne beibringen zu wollen, die er auf der Hochschule gelernt hatte. „Dies führte im Ergebnis zu komplizierten Details, die nur schwierig umzusetzen waren, während die Handwerker die wesentlich bessere und einfachere Lösung für meine Fragen fanden.“  Dies wiederum gab für Jain den Ausschlag, ein Büro zu gründen, in dem Architekten und Handwerker gemeinsam Projekte entwickeln.

Zurzeit arbeiten sie an einem kleinen, 70 Meter hohen Hochhaus in Mumbai. Die Idee hinter dem Projekt: Es soll auf den Monsun reagieren und diesen im Gegensatz zu anderen Gebäuden etwas Positives abgewinnen und diesen nutzen statt sich vor ihm zu schützen. „Die klimatischen Bedingungen während der Regenzeit sind hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit sehr günstig“, so Jain. „Unser Gebäude wird den Wind hereinlassen, aber verlangsamen.“ (mai)

Between the Sun and the Moon - Studio Mumbai bis 21. August
Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main
Weitere Informationen unter www.dam-online.de