Studie zur Energiewende: Lenken ist billiger als fördern

Studie zur Energiewende: Lenken ist billiger als fördern

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Eine Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Steuerung des Energieverbrauchs» kommt zum Schluss, dass ein Lenkungssystem effizienter und um bis zu fünfmal günstiger für Haushalte ist als ein Fördersystem.

Im Zug der Energiestrategie 2050 will der Bundesrat auch das Schweizer Energiesystem ändern. Aus dem bisherigen Förder- soll neu ein Lenkungssystem werden. Eine Studie des Nationalen Forschungsprogramms liefert laut einer Mitteilung nun erstmals detaillierte Folgeabschätzungen der energiepolitischen Strategien «Lenkung» und «Förderung» hinsichtlich Effizienz und sozialer Ausgewogenheit. Der Fokus wurde auf die Haushalte gelegt. Deren Perspektive sei besonders bedeutsam, da sie als Arbeitnehmer und Verbraucher von Energie und Gütern in mehrfacher Hinsicht von energiepolitischen Massnahmen betroffen seien.

Dank breiter Wirkung günstiger

Demnach ist ein Lenkungssystem «gesamtwirtschaftlich erheblich effizienter und um bis zu fünfmal kostengünstiger» als Förderung. Allerdings nähmen Haushalte dies anders war, da die Energiepreise durch Lenkungsmassnahmen stärker stiegen und die Rückverteilung der Einnahmen an die Haushalte und Unternehmen ausgeblendet werde. Studienautor Sebastian Rausch: «Mit Fördermassnahmen steigen die Energiepreise nur wenig. Dies suggeriert aber nur scheinbar niedrigere Kosten.» Denn Fördermassnahmen würden den Energieverbrauch nur dort senken, wo auch gefördert werde. Ausserdem werde auch einiges gefördert, das ohnehin realisiert würde, sagt der Professor für Energieökonomie am Center for Economic Research an der ETH Zürich. Lenkung wirke dagegen überall und auf jede einzelne energierelevante Entscheidung von Haushalten und Unternehmen. Daher führe sie zu deutlich tieferen Gesamtkosten als die punktuelle Förderung.

Gewinner und Verlierer

Die Studie zeigt aber auch, dass sowohl mit Lenkung als auch mit Förderung die einzelnen Haushalte wegen ihres jeweiligen Energieverbrauchs und Einkommens unterschiedlich betroffen sind. «Es gibt in beiden Strategien Gewinner und Verlierer», heisst es in der Mitteilung. In drei wesentlichen Punkten würden sie sich aber unterscheiden:

 

  1. Lenkung führt aufgrund grösserer Energiepreisänderungen zu einer erheblich breiteren Streuung der Effekte auf das frei verfügbare Einkommen zwischen Haushalten.
  2. Die meisten Haushalte stehen mit Lenkung besser da als mit Förderung.
  3. Mit der Förderstrategie verlieren fast alle Haushalte, während mit Lenkung ein Drittel sogar bessergestellt ist.

 

Wer durch ein Lenkungssystem letztlich gewinnt oder verliert, hängt aber laut der Studie «massgeblich vom Rückverteilungsmechanismus der Lenkungsabgabe sowie von den Energieausgaben und vom Einkommen der Haushalte ab». Durch eine Pro-Kopf-Rückverteilung der Steuereinnahmen beispielsweise würden einkommensschwächere Haushalte vor steigenden Energiekosten geschützt, Hauseigentümer würden gegenüber Mietern schlechter gestellt, und Haushalte in ländlichen Gegenden würden gegenüber Stadthaushalten und solchen in Agglomerationen verlieren, heisst es weiter.

Der Studienautor hofft, dass «die vorliegenden Erkenntnisse helfen, die soziale Akzeptanz solcher Markteingriffe zu erhöhen». Es sei jedoch nicht das Ziel der Studie, spezifische politische Massnahmen zu evaluieren, sondern die grundlegenden Unterschiede einer förder- und lenkungsbasierten Energie- und Klimapolitik aufzuzeigen. (mt/pd)