Strom aus Zitrusfruchtresten

Strom aus Zitrusfruchtresten

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Zitronen, Orangen und Co. sind auch Stromlieferanten. Wie das möglich ist, wissen die auf erneuerbare Energien spezialisierte italienische Beratergenossenschaft Cooperativa Empedocle und die Coca-Cola-Foundation. Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aus Zitrusfruchtabfällen Energie gewinnen lässt. Zurzeit testen sie es in einer Pilotanlage bei Catania.

Der bei der Getränkeindustrie anfallende sogenannte Presskuchen – er besteht aus für die Produktion von Limonade unbrauchbaren Stoffe wie Schalen  oder Kerne – dient bei dem Verfahren als Basis für die Herstellung von Biogas, aus dem sich wiederum elektrischer Strom gewinnen lässt. Während der Vergärung überwachen in der Anlage Sensoren die Bakterientätigkeit und kontrollieren die Qualität des erzeugten Gases.

„Mit der Anlage wollen wir nicht nur die Technologie testen, sondern auch die wirtschaftliche Effizienz des Verfahrens ermitteln“, erklärt dazu Genossenschaftsvorsitzender Beno Biundo. Die ausschliesslich aus italienischem Know-how entstandene Methodik könne Vorbild für alle zitrusfruchtverarbeitenden Betriebe auf Sizilien werden. Biundo geht davon aus, dass für ganz Sizilien 20 solcher Anlagen genügen würden, um eine echte Alternative zur Stromerzeugung zu bieten. In jeden Fall brächten sie eine Kostenersparnis mit sich, weil die Entsorgung von jährlich 340‘000 Tonnen Pressrückständen von zehn Millionen Euro nötig mache. - Wissenschaftlich unterstützt wird das Projekt „Energia dagli Agrumi“ von Mitarbeitern der Universität Catania.

Laut Biund kann jede Anlage kann ohne grössere Vorkenntnisse individuell auf die spezifischen Bedürfnisse eines Verbeitungsbetriebes abgestimmt werden.  Er ist überzeugt, dass das Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit zielende Projekt ein Vorbild für andere agrarische Anbauprodukte in ganz Italien sein könnte.

Strom ist übrigens nicht das Einzige, was Presskuchen hergeben. Das ebenfalls italienische Projekt „Orange Fiber“ hat zum Ziel, Orangenpressrückstände zu "vitaminreichen" Textilfasern zu verarbeiten. (mai)