Streit um Gänge und Schiessscharten

Streit um Gänge und Schiessscharten

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Das „Rivellino“ in Locarno besteht aus den Mauern eines Bollwerks, bei dem es sich vermutlich um ein Frühwerk von Leonardo da Vinci handelt. Die Stadt will das Werk des Universalgenies kaufen. Nun hat das Stimmvolk das letzte Wort.
 
In der Altstadt von Locarno finden sich die Überreste eines Bollwerks aus dem 16. Jahrhundert. Bei den eher unscheinbaren Mauern, die Teil des Schlosses von Locarno sind, handelt es sich wahrscheinlich um das einzige noch erhaltene Bauwerk von Leonardo Da Vinci. Von Aussen erkennt man nur wenig von der Anlage. Denn die Reste der Gänge und Schiessscharten liegen mehrheitlich unter dem Boden. Schon vor fünf Jahren hatte der italienische Militärhistoriker Marino Viganò die These aufgestellt, dass die Pläne des so genannten „Rivellino“ mit grosser Sicherheit vom jungen Leonardo da Vinci stammten. Die Stadtregierung und das Stadtparlament wollen es nun für 1,3 Millionen Franken kaufen, restaurieren und die umliegenden Gebäude abbrechen, damit das historische Kleinod besser zur Geltung kommt.
 
Doch nun hat sich Widerstand gegen das Vorhaben der Stadt formiert. Unter anderem seitens der Lega dei Ticinesi, der Grünen und der Besitzer. Dies berichtet der „Tages-Anzeiger“. Die Besitzerfamilie hatte mit der Stadt über den Verkauf eines Bollwerks verhandelt und konnte sich nicht über den Preis einigen. Zuletzt drohte die Stadt mit einer Enteignung. In der Folge begannen die Besitzer laut „Tages-Anzeiger“ rund um den Rivellino kulturelle Veranstaltungen zu organisieren. Eine Aufwertung des Monuments lasse sich auch durch Private realisieren, werden sie im Artikel zitiert. Derweil vertritt Stadtpräsidentin Carla Speziali die Meinung, dass sich der Rivellino nur mit einem Kauf erschliessen lässt und nur dann mit dem Schloss wieder zur ursprünglichen Einheit zusammengeführt werden kann. - Das letzte Wort hat aber nun das Stimmvolk: Es wird über den Kredit von 1,3 Millionen für den Kauf entscheiden. (mai)