Streit um die Grimselstaumauer geht weiter

Streit um die Grimselstaumauer geht weiter

Gefäss: 

Der Rechtsstreit um die Erhöhung der Grimselstaumauer wird andauern. Und zwar obwohl das Projekt vorderhand auf Eis gelegt wurde, weil es zurzeit wegen der tiefen Strompreise nicht rentieren würde. Dies berichtete die „Berner Zeitung“ (BZ) in ihrer aktuellen Ausgabe.

Wegen der schwierigen Lage auf dem Strommarkt reduziert der bernische Energiekonzern BKW die Investitionen in Grosskraftwerke. Wie BKW-Cheffin Suzanne Thoma an der Bilanzmedienkonferenz (siehe Box) erklärte, „bis quasi zum Stopp“. Das unternehmerische Risiko für solche Investitionen sei heute zu hoch. Deshalb wird in der BKW-Spitze laut Thoma „sehr intensiv diskutiert“, ob es im Berner Oberland immer noch eine Erhöhung der Grimselsee-Staumauer braucht.

Wie Werner Luginbühl, Verwaltungsratspräsident der Kraftwerke Oberhasli (KWO) gegenüber der BZ ausführt, ist der Ausbau auf lange Sicht aber „in jedem Fall ein sinnvolles Projekt“. Und es sei gut, viele Optionen offen zu halten. Die KWO betreibt die Wasserkraftwerke an der Grimsel und besitzt an der BKW 50 Prozent der Aktien. Selbst wenn die KWO die Bewiligung für die Grimselstaumauer hätte, würde nicht sofort gebaut, so Luginbühl weiter.

Gegen die vom Grossen Rat erteilte Konzession ist eine Beschwerde hängig. Gut möglich, dass sich schliesslich das Bundesgericht wird damit befassen müssen. Denn die Gegner des Projekts rechnen damit, dass das Projekt einfach später umgesetzt werden wird und haben deshalb nicht vor, die Beschwerde zurückzuziehen. „Die Staumauer muss sowieso saniert werden“, wird Peter Anderegg vom Grimselverein zitiert. „Vielleicht würden die KWO die Mauer bei dieser Gelegenheit erhöhen.“

Der Grimselverein wehrt sich allerdings nicht grundsätzlich gegen das Projekt, es geht ihm erster Linie um die Moorlandschaft, die bei einer Erhöhung der Staumauer unter den Fluten des Grimselsees versinken würde. (mai)

BKW: Rote Zahlen wegen Abschreibungen

An der Jahresmedienkonferenz in Bern hatte die BKW bekannt gegeben, dass sich der Jahresverlust auf 216,7 Millionen Franken beläuft. Grund für die roten Zahlen sind Rückstellungen in einer Höhe von 489 Mio. Franken für mögliche Wertverluste auf Kraftwerken und Beteiligungen. Die BKW teilt damit das Schicksal anderer Energiekonzerne, welche aufgrund des Umbruchs im Energiebereich ebenfalls Wertberichtigungen vornehmen mussten. Ohne diese Sonderbelastungen hätte die BKW nach eigenen Angaben einen Reingewinn von 166 Mio. Franken geschrieben. Darum sprach BKW-Chefin Suzanne Thoma auch von einem „sehr guten operativen Ergebnis“.

Bei den BKW will man nicht darauf hoffen, dass das klassische Betätigungsfeld von Energiekonzernen, das Produzieren und Verteilen von Strom, eines Tages wieder rentabler wird. „Dieses Geschäftsmodell ist nicht mehr tragfähig“, so Thoma. So setzte die BKW wieder stärker auf Energie-Dienstleistungen, ohne aber die bisherigen Tätigkeiten aufzugeben: Im 2013 erwirtschaftete sie mit Dienstleistungen einen Umsatz von 200 Mio. Fr. (+12 Prozent). Innert fünf bis sechs Jahren sollen es fünfmal mehr sein. Der Gesamtumsatz der BKW betrug 2013 rund 2,7 Mrd. Fr. (mai/sda)