Streit um barockes Landhaus in Basel

Streit um barockes Landhaus in Basel

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Streit um barockes Landhaus in Basel

In Basel sollen zwei wertvolle Objekte einem Neubau einer Schreinerei weichen: ein Landhäuschen aus dem 18. Jahrhundert und ein Werkstattgebäude von 1959. "Architektur Basel" und der Heimatschutz wehren sich gegen die Abrisspläne.

Das alte Landhaus wurde kurzfristig aus dem Inventar schützenswerter Bauten gestrichen.
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Das alte Landhaus wurde kurzfristig aus dem Inventar schützenswerter Bauten gestrichen.

Direkt hinter dem Badischen Bahnhof steht ein kleines barockes Landhaus aus dem 18. Jahrhundert. Es ist eines der letzten verbliebenen Landhäuser Kleinbasels. Einst war es Teil eines Gutshofs, der sich viele hundert Meter ausserhalb der Stadt befand. Heute steht das Haus in einem Industriegebiet. Jetzt möchte Beat Voellmy, der die 125 Jahre alte Schreinerei in der vierten Generation leitet, für 20 rund Millionen Franken ausbauen. Dazu möchte er das barocke Landhaus und das mehrstöckige Werkstattgebäude von 1959 abreissen und einen Neubau errichten. Neben Werk- und Büroräumen des Familienbetriebs sollen auch Wohnungen darin Platz finden.

Aus Inventar gestrichen

"Architektur Basel" zeigt sich über diese Pläne empört. Auf ihrer Webseite wirft die Vereinigung die Frage auf, wie es geschehen konnte, dass zwei erhaltenswerte Baudenkmäler zum Abriss freigegeben werden. Das Landhaus wurde sogar kurzfristig aus dem Inventar schützenswerter Bauten gestrichen. "Architektur Basel" vermutet, dass der Regierungsrat die unternehmerischen Freiheiten und den Erhalt von Arbeitsplätzen höher gewichtet hat als den Schutz von Baudenkmälern.

Dagegen erklärte der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller gegenüber der "Basler Zeitung", das Barockhäuschen vermöge die hohen Anforderungen an ein Schutzobjekt nicht mehr zu erfüllen: Sein Inneres sei mehrfach verändert worden und enthalte praktisch keine originale Ausstattung mehr. Die Lage zwischen Gewerbebauten entwerte das Objekt zusätzlich.

Ingenieurtechnische Meisterleistung

Gemäss einem Bericht des "SRF-Regionaljournals Basel" wehrt sich inzwischen auch der Basler Heimatschutz gegen die Abrisspläne. Laut dem Heimatschutz ist nicht nur das alte Landhaus, sondern insbesondere auch die Werkhalle erhaltenswert. Der Industriebau stamme vom Ingenieur Heinz Hossdorf, der später auch das Basler Stadttheater und die Universitätsbibliothek geplant habe. Das Tragwerk sei eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Hossdorf sei "eine Art Basler Calatrava" gewesen und habe die Fabrikhalle ganz ohne innere Tragsäulen konstruiert.

Das bestehende Werkgebäude sei marode und müsse von Grund auf saniert werden, erklärt Voellmy in einer Replik auf der Webseite von "Architektur Basel". Dafür müsste die Schreinerei das Gebäude verlassen und anderweitig eine Bleibe suchen. Doch der Kauf oder die Miete eines anderen Areals sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Und das schöne Barockhaus stehe mit seiner Lage auf einem Industrieareal "schlicht und einfach am falschen Ort".

Es gehe ihm darum, Arbeitsplätze zu sichern und das Familienunternehmen zu retten, betont Voellmy. Er schlägt eine Versetzung des alten Landhäuschens vor: "Es könnte fein säuberlich abgetragen und an einem sinnvolleren Ort wiederaufgebaut werden, beispielsweise in den Langen Erlen." (stg/mgt)