Streben nach visionärer Entwicklung

Streben nach visionärer Entwicklung

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die Stadt Dietikon will auf ihrer letzten grossen Baulandreserve einen modellhaften, gut durchmischten, sozial und ökologisch nachhaltigen neuen Stadteil realisieren. Basis dazu bildet das Siegerprojekt des 2009 durchgeführten Wettbewerbs Europan 10. Die Ausstellung im Stadthaus zeigt den aktuellen Stand des ambitiösen Projekts.
 
 
Für die Entwicklung ihrer letzten grossen Baulandreserve, das ungefähr 40 Hektaren umfassende Niderfeld, verfolgt die Stadt Dietikon ZH eine Vision, die Vision «Dietikon 2020». Mit der Ausschreibung des Standorts Niderfeld am Wettbewerb Europan 10 signalisierte die Stadt bereits Offenheit für neue Vorgehensweisen, für unerwartete und überraschende Lösungsvorschläge. Denn Europan richtet sich an junge Architekten, die noch nicht 40 Jahre alt sind, und zwar: «Weil junge Leute noch weniger von Erfahrungen geprägt und dadurch offener und freier sind, noch mehr Mumm haben Träume darzustellen», wie Rodolphe Luscher, Präsident Europan 10, anlässlich der Ausstellungseröffnung erklärte. Die Suche nach neuen Ansätzen im Städtebau und nach neuen Wohnformen ist ein erklärtes Ziel von Europan.
 
Der Vorschlag der beiden Architekten Yves Bachmann, Schweiz, und Toshihiro Kubota, Japan, die als Sieger aus dem Wettbewerb in Dietikon hervor gingen, ist denn auch überraschend. Doch dahinter stecken Vorstellungen, die auf Analysen von Stadtentwickungen basieren. So ist eines der Grundanliegen der Architekten das Schaffen von Identität für das Niderfeld. Diese Identität soll sich prozesshaft entwickeln und von Vielseitigkeit geprägt sein: unterschiedliche Architekturen, Nutzungen und Wohnformen. Die Entwicklung kann von verschiedenen Punkten, das heisst von vielfältigen öffentlichen Räumen ausgehen und auf die Bedürfnisse der Grundeigentümer reagieren. So muss es laut Architekten auch möglich sein, bestehende Bauten und Häusergruppen in diese Entwicklung einzubeziehen und zu erhalten.

Erste Bauten bis 2020

Natürlich werden auch ökologische Grundsätze und soziodemografische Veränderungen thematisiert, was für die Stadt Dietikon wichtig ist, denn sie will im Niderfeld einen modernen Stadtteil mit Modellcharakter entstehen lassen, wie es Stadtpräsident Otto Müller formulierte.
 
Das Niderfeld ist verkehrstechnisch über einen Autobahnanschluss bereits sehr gut erschlossen und wird bis zirka 2020 mit der Limmattaler Seebahn, deren «angedachtes» Trassee mit zwei Haltestellen mitten durch das Wettbewerbsgebiet verläuft, auch optimal an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sein.
 
Jürg Bösch, Leiter des Stadtplanungsamtes, betrachtet das Gespräch mit den Grundeigentümern als nächsten wichtigen Schritt. Die Stadt möchte diese für ihre Vision begeistern und einen Fahrplan festlegen, der es ermöglicht, dass gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Bahn auch schon erste Bauten realisiert sind. Denn Wohnraum, Gewerbe und Industrie, öffentliche Einrichtungen und Infrastrukturen sollen miteinander wachsen.

Flexibler Prozess

Ein solcher Entwicklungsprozess lässt sich in Bildern kaum darstellen. Die in der Ausstellung präsentierten Pläne dürfen denn auch nicht als konkretes Projekt verstanden werden. Die Architekten möchten damit vielmehr mögliche Stimmungen und Vorstellungen vom Zusammenleben der zukünftigen Bewohner andeuten. Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, braucht es einen intensiven, konstanten Dialog mit allen Beteiligten, die notwendigen, der Situation angepassten Planungsinstrumente müssen entwickelt werden und, wie es Rodolphe Luscher betonte, muss man sich immer wieder die Frage stellen: „Was ist gut, wo haben wir unser Ziel erreicht und was müssen wir noch besser machen?“ (vra)
 
 
Die Ausstellung „Zukunftsbilder für das Niderfeld“ im Stadthaus Dietikon an der Bremgartnerstrasse 22 dauert noch bis zum 11. Februar. Öffnungszeiten: Montag bis Donnersstag  8 bis 18 Uhr; Fr 8 bis 15 Uhr.
 
 

Hintergrund

Niderfeld
Das rund 40 Hektaren umfassende, im Westen von Dietikon gelegene Niderfeld ist gemäss Zürcher Richtplan ein Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung. Es wird dereinst etwa 2 000 Personen Wohnraum und 3 000 Arbeitsplätze bieten. Im vergangenen Jahr wurde die Einzonungsvorlage rechtskräftig. Kernelemente der neuen Zonen sind die Gestaltungsplanpflicht und die Vorgabe eines acht Hektaren grossen Stadtparks.
 
Was ist Europan?
Der europäische Verbund Europan wurde 1987 in Paris gegründet und hat mit der Ausschreibung von Wettbewerben zum Ziel, junge Architekten und Stadtplaner zu fördern, ihnen den Zugang zu privaten und öffentlichen Aufträgen zu ebnen. Europan will einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Architektur im Wohnungsbau, zum Städtebau und zur internationalen Fachdiskussion zu leisten. (vra)