Stoffel setzt Vals das Messer an den Hals

Stoffel setzt Vals das Messer an den Hals

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Falls die Gemeinde dem Bau des „Turms zu Vals“ – notabene eine rund 380 Meter hohe Nadel – nicht zustimmt, wird Unternehmer Remo Stoffel nicht weiter im 1000-Seelen-Dorf investieren. Für das 300-Millionen-Franken-Projekt ist nämlich eine Zonenplanänderung nötig.

Seit Remo Stoffel im Jahr 2012 nach einem umstrittenen Beschluss der Gemeindeversammlung die Therme Vals gekauft hat, investiert er Millionen in die Aufwertung der Gegend rund um das Thermalbad. Sogar ein neues Hotel will er bauen. Seine Pläne des „Turms zu Vals“, einer 381 Meter hohen Nadel auf einer Grundfläche von nur 18 mal 31 Metern bedingen aber eine Zonenplanänderung. Und darüber muss das Stimmvolk befinden. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt der Valser Unternehmer nun, was passiert, wenn die Gemeindeversammlung dereinst Nein sagen würde. „Dann werde ich nicht weiter investieren.“ Die Valser müssten sich überlegen, ob sie den Turm wollten – oder was die Alternative sei. „Sie müssen einen Grundsatzentscheid fällen: Wollen sie die hochwertige Architektur des Turms von Thom Mayne in die bestehende Hotelanlage einfügen – oder will man nackte Bauspekulation in der Fläche ausbreiten?“

Stoffel setzt dem Dorf also sozusagen das Messer an den Hals: Ohne Turm keine weiteren Investitionen. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Bevölkerung der Nadel zustimmen wird. Auch aus der kantonalen Verwaltung habe man positive Signale. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei konstruktiv.

Grundsatzfrage im Tourismus

Als der Unternehmer vor einigen Wochen sein Projekt in der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, erntete er harsche Kritik. „Irrsinn“, „Verbrechen“, „moderne Vergewaltigung einer bezaubernden Landschaft“ – so der Tenor in tausenden Kommentaren auf Online-Plattformen. Auch Experten sparten nicht mit Kritik. „Natürlich ist das nicht sehr ermutigend, wenn man sich lange mit einem Projekt auseinandersetzt und danach in erster Linie über die Höhe des Hauses diskutiert wird“, meint Stoffel im Interview. Es gehe hier jedoch um eine Grundsatzfrage, wie sich der Tourismus in der Schweiz entwickeln solle. Für ihn ist er auf dem Weg von einer „arbeitslastigen zu einer kapitallastigen Branche“. Entsprechend tief muss man auch in die Tasche greifen, wenn man einmal in der Nadel – so der Turm dann jemals gebaut wird – übernachten will: Stoffel spricht von einem Durchschnittspreis von etwa 1600 Franken pro Nacht. (mt)

Hier finden Sie das komplette Interview